Von Marita Zimmerhof
Hildesheim. Sven Kurzidim und Michael Manßhardt gehören zu den Menschen, die sich gern auf die Finger schauen lassen. Beide sind Uhrmachermeister und beide gehören innerhalb ihres ohnehin schon selten gewordenen Handwerks zu der Fraktion, die Uhren noch selbst wartet, repariert und restauriert. Und wenn nötig, nicht mehr erhältliche Ersatzteile sogar ganz individuell anfertigt. Mit diesem Konzept haben sich die beiden Spezialisten, die sich vor Jahren auf der Meisterschule kennengelernt haben, 2015 in Bockenem selbstständig gemacht.
Vis-à-vis vom Turmuhrenmuseum betreiben sie seither eine Werkstatt, in der zierliche Taschenuhren ebenso wieder zum Laufen gebracht werden wie große Standuhren. Jetzt aber wollen die beiden ihre Zelte dort abbrechen, die Räume nur noch als Lager und Ausstellungsfläche nutzen. In der Orleanstraße in der Oststadt hat Michael Manßhardt einen passenden Laden gefunden, der einst ein Kiosk war.
Hier will er seine neue Werkstatt aufbauen – und sich dabei von den Passanten auf der Straße auch bei der Arbeit zuschauen lassen. Eine ruhige Hand und eine große Portion Ausdauer und Geduld muss der aus dem Donaustädtchen Lauingen stammende Meister für seinen Beruf ohnehin mitbringen. Fremde Blicke, sagt er, stören ihn nicht. Läuft alles nach Plan, können die Live-Vorführungen im „Uhrenatelier Manßhardt & Kurzidim“ Anfang September beginnen.
Schon seit vergangenem Jahr arbeiten die Uhrmacher eng mit dem Uhren- und Schmuckgeschäft Wallner im Ostertor zusammen. Inhaberin Elke Wallner teilt ebenfalls die Liebe für präzise Uhrmacherkunst, 1977 qualifizierte sie sich zur Uhrmachermeisterin, 1997 übernahm sie das 1945 gegründete Geschäft und bietet seither exklusive Uhren und Schmuck an.
In dem gebürtigen Einbecker Sven Kurzidim steht nun ein Kollege an ihrer Seite, der genau so tickt wie sie. Ende des Jahres will Elke Wallner ihren Laden ganz übergeben. Sie ist glücklich, so versierte Kollegen gefunden zu haben und damit den Fortbestand des Betriebes zu sichern. „Das passt einfach hervorragend.“ Batterien in preiswerten Quarzuhren tauscht Kurzidim ebenso selbstverständlich wie er Luxusuhren von Rolex, Tissot oder Rado professionell wartet. Für Omega ist er sogar offizieller Servicepartner.
Die Schmucksparte werden die neuen Chefs so wohl nicht fortführen, sie können sich aber vorstellen, Uhren ausgefallener Manufakturen anzubieten. „Wir haben gute Kontakte“, sagt Manßhardt. Mit ihrem Knowhow für Groß- und Kleinuhren haben sich die Uhrmacher aus Leidenschaft einen Kundenstamm weit über die Region hinaus aufgebaut. Aus Hamburg, Berlin und München reisen Kunden an, die froh sind, dass es solche Spezialisten noch gibt.
