Rössing - Beim Abschied stand sie noch auf der Bühne, bei der Neuauflage hat sie gefehlt: Als das Team vom Weedbeat vergangenes Jahr den letzten Applaus für das Festival entgegennahm, war Grit Belkot schon vom Krebs gezeichnet. Der wilde Lockenschopf – früher rot, mittlerweile weiß – war der Chemo-Therapie gewichen. Die Lebensfreude konnte ihr die Krankheit nicht nehmen. Mit einem Lächeln stand sie im Kreis ihrer Freunde, auf einer Bühne für Reggae, vor Menschen aus aller Welt. Sie hatte es geliebt. Bei einer kleineren Neuauflage der Veranstaltung am Wochenende, blieb die Erinnerung an Grit Belkot.
„Sie war eine Mama für alle“, erinnern sich Myra, Cecilia, Patricia und Klarissa Belkot an ihre Mutter. Am Mittwoch, 16. Juli, ist Grit Belkot im Alter von 62 Jahren gestorben. Sie hinterlässt vier erwachsene Töchter, ihren Ehemann Klaus, mit dem sie über 30 Jahre verheiratet war, und eine Schwester. Darüber hinaus hinterlässt sie außerdem zahlreiche Menschen, die sie berührt hat, in Rössing und auf der Welt. „Sie hatte nie Vorurteile, sondern hat alle Menschen mit offenen Armen empfangen“, erzählen ihre Töchter.
Schwester, Mutter, Macherin
Grit Belkot kommt in Celle zur Welt, wächst in Ehlershausen und Rössing auf. Nach dem Abi, 1982, geht sie mit ihrem Mann auf Weltreise, erst durch Asien, dann Australien, schließlich Mittelamerika. In Guatemala laufen sie Ellen Gerdes über den Weg. „Sie war meine Schwester in der Seele“, sagt sie. Im Landkreis Hildesheim treffen sich die Freundinnen wieder. 1990 gründet Belkot mit ihrem Mann in Sarstedt einen Laden, der Kunst und Handwerk aus aller Welt. Der Name sprach ihr aus der Seele: Mundo Lindo, spanisch für: schöne Welt.
„Sie war eine Macherin“, sagen ihre Töchter. Belkot reiste nach Indien, um zu schauen, dass Spendengelder auch bei Bedürftigen ankommen. Sie reiste immer wieder nach Mittelamerika, um von den Menschen dort direkt für ihren Laden zu kaufen. Hochschwanger und mit einer dreijährigen Tochter an der Hand, fährt sie mit dem Bus von Guatemala nach Costa Rica. In der Heimat organisierte sie Spendensammlungen und Wohltätigkeitsmärkte. „Sie hat mit ihren beruflichen und privaten Verbindungen dem globalen Süden einen Platz im Festival gegeben“, schreibt Kai Dräger, Mitgründer und Gesellschafter von RRR.
Sie liebte den Reggae
Das gemeinnützige Unternehmen „Reggae rund um Rössing“ hat Belkot 2012 mitgegründet. Seitdem half sie, dass das Weedbeat stattfinden konnte. Sie schaffte Fördergelder heran und packte mit an. „Grit war eine Netzwerkerin par excellence“, schreiben Dräger und Gerdes. Belkot organisierte das Festival-Camping am See, ließ Künstler für Wochen bei sich wohnen, unterstützte beim Auf- und Abbau und verpflegte Helfende. Während des Festivals und darüber hinaus erinnerte sie an die Not der Straßenkinder in Guatemala oder Waisen in Nepal.
„Sie hatte einen starken Gerechtigkeitssinn“, erklären die Töchter. Ihre Mutter gab viel, auch wenn sie wenig hatte. Nach der Wende war die Nachfrage bei Mundo Lindo groß. Im Laufe der Jahre nahm sie ab. Corona brach dem Laden das Genick. Im Mai 2022 kam die Diagnose Brustkrebs. „Sie hat sich nie entmutigen lassen“, erzählen die Töchter. Über eine Spendenaktion konnte die Familie das Haus, in dem drei Generationen zusammengelebt hatten, halten. Grit Belkot überstand die Chemo. Ende 2023 kam der Krebs zurück. Metastasen hatten sich im Gehirn gebildet. Im Mai 2025 zog sie ins Michaelis-Hospiz.
Eine Feier des Lebens
Sie war eine der erste Bewohnerinnen in der Einrichtung auf Gut Steuerwald. Sie hatte viel Besuch. Selbst Jamaram kamen und gaben ihr ein Konzert. „Sie hat nie den Mut verloren“, sagen ihre Töchter. Der Krebs musste ja nicht gewinnen, weil sie sterben musste. Drei Tage vor der Reggae Summer Lounge, dem neuen Weedbeat, war es soweit. Am 8. August verabschieden sich Familie und Freunde um 14 Uhr in der Friedhofskapelle in Rössing. Die Familie bitte von Blumen und Kränzen abzusehen und stattdessen um Spenden für die Grabpflege. „Auf Trauerkleidung darf im Sinne von Grit verzichtet werden“, heißt es in der Einladung. Denn es soll ein Feier des Lebens sein, ganz im Sinne von Grit.


