Sieben Straßen, die nach Personen benannt wurden

Hildesheim - Was haben ein Glockengießer, der gebürtig aus Nürnberg stammt, ein Mitarbeiter Martin Luthers und ein Renaissance-Künstler gemeinsam? Nach ihnen wurden Straßen in Hildesheim benannt. Teil zwei der HAZ-Serie.

Bei Albrecht Dürer ist es klar, aber wer gab der Radlerstraße in Bavenstedt den Namen? Foto: Milan Bauseneik

Hildesheim - Derzeit werden acht Brücken im Stadtgebiet nach Hildesheims Partnerstädten benannt. Bereits in den vergangenen Jahren haben viele Orte der Stadt den Namen einer Stadt oder einer bekannten Persönlichkeit bekommen.

In einer zweiteiligen Serie stellen wir 14 Straßen, Wege und Plätze aus den Hildesheimer Stadtteilen vor, die berühmte Namen tragen. Das waren die ersten sieben, nun kommen die zweiten sieben.

1. Radlerstraße

Johann Jakob Radler (1827 – unbekannt) war gebürtiger Nürnberger und kam in jungen Jahren zum Arbeiten nach Hildesheim. Nachdem sein ursprünglicher Arbeitsplatz den Flammen zum Opfer fiel, gründete er kurzerhand seine eigene Gießerei, die sich insbesondere den Kirchenglocken verschrieben hatte. Die „Radlersche Glockengießerei“ stellte bis 1936 mehr als 4500 Glocken her, darunter die Hauptglocke der Andreaskirche.

Die Radlerstraße im Bavenstedter Industriegebiet erhielt ihren Namen am 11. Juni 1990 – in Anlehnung an den erfolgreichen Firmengründer.

2. Ehrlicherstraße

Dr. Ernst Ehrlicher (1872 – 1951) war einer der berühmtesten Oberbürgermeister Hildesheims. Während seiner langjährigen Amtszeit (1909 – 1937) erwirkte er unter anderem den Bau des Hafens und die Eingemeindung der bis dahin unabhängigen Gemeinden Moritzberg und Steuerwald. 1937 ging er in den Ruhestand, wurde aber nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal von den britischen Besatzungsbehörden übergangsweise als Bürgermeister eingesetzt.

Die zentrale Ehrlicherstraße, die quer durch Drispenstedt verläuft, wurde am 21. September 1959 nach ihm benannt. Bekannter ist aber vermutlich der noch zu seinen Lebzeiten umgetaufte Ernst-Ehrlicher-Park südlich von St. Godehard.

3. Leonie-Meyerhof-Ring

Leonie Meyerhof (1858 – 1933) war eine deutsch-jüdische Schriftstellerin und Literaturkritikerin aus Hildesheim. In ihren vielgelesenen Werken und Zeitungsrepliken nahm sie die gesellschaftliche Rolle der Frau aufs Korn und engagierte sich so für die Verbesserung der Frauenrechte im deutschen Kaiserreich.

Der Leonie-Meyerhof-Ring am äußersten Rand des Moritzerger Viertels Bockfeld erhielt seinen Namen am 22. April 1990. Leonies Schwester Agnes, Malerin und Opfer des Nationalsozialismus, wurde 2010 ebenfalls zur Benennung einer Hildesheimer Straße herangezogen.

4. Bugenhagenstraße

Johannes Bugenhagen (1485 – 1558) war ein einflussreicher Mitarbeiter Martin Luthers und maßgeblich an der Einführung der Reformation im Hildesheimer Raum beteiligt. Zu seinen theologischen Arbeiten zählt auch die erste Kirchenordnung Hildesheims, die er 1544 veröffentlichte.

Die Bugenhagenstraße in der Nordstadt, passenderweise eine Seitenstraße der Martin-Luther-Straße, erhielt ihren Namen am 15. Juni 1934. Der Reformator war ebenfalls Namenspate für den Bugenhagenbrunnen vor der Andreaskirche und die Bugenhagen-Hochschule des im Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt.

5. Albrecht-Dürer-Straße

Albrecht Dürer (1471 – 1528) war einer der berühmtesten Künstler der Renaissance. Seinem künstlerischen Schaffen entstanden zahlreiche Gemälde, Holzschnitte und Kupferstiche, die oftmals theologische Motive abbilden.

Die Albrecht-Dürer-Straße im Nordwesten von Himmelsthür hieß ursprünglich „Agnes-Miegel-Straße“. Da es eine Straße unter diesem Namen aber in Hildesheim bereits gab, wurde der Renaissance-Künstler herangezogen, um nach der Eingemeindung Himmelsthürs keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Die Straße erhielt ihren neuen Namen am 27. Januar 1975.

6. Magdalenenweg

Maria Magdalena (Geburts- und Sterbedatum unbekannt) wird im Neuen Testament als Wegbegleiterin von Jesus Christus erwähnt und im Christentum als Heilige verehrt. In Hildesheim wurde das Magdalenenkloster nach ihr benannt, das im Mittelalter einen Klosterhof in Sorsum unterhielt. Maria Magdalena ziert zudem das Wappen der Ortschaft.

So ist es nicht verwunderlich, dass am 29. Juni 1981 mit dem Magdalenenweg auch einer Sorsumer Straße die Ehre zuteil kam, den Namen der Heiligen zu tragen.

7. Beaulieustraße

Carl Freiherr von Beaulieu-Marconnay (1777 – 1855) war Mitglied eines ursprünglich französischen Adelsgeschlechts und als Generalleutnant 1813 am Schlachtgeschehen der Befreiungskriege beteiligt. In Hildesheim erlangte er aber vielmehr aufgrund seines forstwirtschaftlichen Engagements Ruhm und Ehre. Die Baumbestände im Bergholz und Hildesheimer Wald konnten dank seiner Bemühungen erhalten bleiben. Seine Verdienste wurden 1845 mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Hildesheim gewürdigt.

Fast 100 Jahre später, am 19. Januar 1939, erhielt die Beaulieustraße in Neuhof ihren Namen in seinem Andenken. Im südlichen Waldbereich auf dem Klingenberg steht dazu ein Gedenkstein, der ihm zu Ehren von Forstkollegen errichtet wurde.

Von Milan Bauseneik

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