Kolumne: Echt jetzt!

Sind wir 2026 nicht schon viel weiter? Wie ein Mann auf einer Baustelle im Kreis Hildesheim einer Frau hinterherpfiff

Hildesheim - Pfeifen kann ein netter Zeitvertreib sein, na klar. Aber hinterherpfeifen? Das muss doch wirklich nicht mehr sein.

Auf der Baustelle im Kreis Hildesheim arbeiteten an jenem Tag etwa sechs Männer, vielleicht waren es auch sieben oder acht. Und einer von ihnen tat, was man in ferner Vergangenheit verortet hätte – und auch damals war es schon uncool. Foto: HAZ

Hildesheim - Es gibt Menschen, die pfeifen eine Melodie, wenn es ihnen gut geht – zum Lieblingslied im Radio oder einfach so beim Spaziergang. Mir kommt bei diesem Thema dummerweise sofort ein Bild in den Kopf: wie ein älterer Herr mit Hut auf dem Kopf die Hände auf dem Rücken verschränkt, in den frühlingshaften Himmel blickt und: pfeift. Ich weiß nicht, woher dieses Bild stammt, aber es hat sich rund ums Melodiepfeifen festgesetzt. Ob das erklärt, weshalb ich zu den Menschen gehöre, die man mit einer gepfiffenen Melodie auf die Palme bringt? Selbst wenn meine Laune fantastisch ist, nervt mich ein gepfiffenes Lied unfassbar.

Viele Männer, ein Pfiff

Jüngst dachte ich zwangsläufig darüber nach, ob das auch daran liegen könnte, dass so mancher Pfiff eben einfach völlig daneben ist. Ich ging an einer Baustelle vorbei, so wie fast jeden Tag zurzeit, denn diese Baustelle im Kreis Hildesheim gibt es schon seit einigen Monaten. Dort arbeiteten an jenem Tag etwa sechs Männer, vielleicht waren es auch sieben oder acht. Und einer von ihnen tat, was ich in ferner Vergangenheit verortet hätte. Er pfiff mir hinterher, laut und deutlich. Da ich mein Kind dabei hatte und keinen Tumult anzetteln wollte, ging ich einfach weiter.

Reaktionen auf Catcalling

Und fragte mich, wie viele Frauen das sogenannte Catcalling im Jahr 2026 noch immer wegstecken müssen. Ignoriert man den Pfiff, wirkt das womöglich wie ein stilles Einverständnis. Reagiert man darauf, riskiert man Sätze, die man weder sagen noch hören möchte. Und ich komme zu dem Schluss: Dann doch lieber eine wunderschön gepfiffene Melodie!

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