Schnellere Hilfe

Das sollten Anrufer beachten: So lässt sich die Wartezeit bei Notrufen im Raum Hildesheim verkürzen

Kreis Hildesheim - Im Notfall zählt jede Sekunde. Doch wie können Anrufer dazu beitragen, dass Notrufe schneller abgearbeitet werden? Und wo landen die Notrufe aus dem Raum Hildesheim überhaupt? (Mit Video)

Viele Monitore: In der Integrierten Regionalleitstelle am Kennedydamm in Hildesheim gibt es sechs Arbeitsplätze an denen Notrufe angenommen werden können. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Wer einen Notruf absetzt, möchte in der Regel schnellstmöglich Hilfe bekommen. Manchmal dauert es jedoch einen Moment, bis am anderen Ende der Leitung jemand zum Hörer greift. Eine Zeitspanne, die sich, selbst wenn sie nur wenige Sekunden dauert, für Betroffene in einer Notlage wie eine Ewigkeit anfühlen kann. Doch wie lange müssen Personen im Raum Hildesheim tatsächlich warten? Und wer ist überhaupt zuständig für die Abwicklung der Notrufe?

Nicht alle Notrufe landen in Hildesheim

Zunächst einmal gibt es einen Unterschied, welche Nummer gewählt wird. Denn Notrufe, die im Raum Hildesheim über die 112 abgesetzt werden, landen in der Integrierten Regionalleitstelle. Die befindet sich am Kennedydamm und gehört zum Fachbereich Feuerwehren und Rettungsdienst der Stadt Hildesheim.

Wer hingegen die 110 wählt, landet bei der Kooperativen Regionalleitstelle Weserbergland in Hameln, die für die Städte und Gemeinden der Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden, Nienburg, Schaumburg und Hildesheim verantwortlich ist. Sie ist eine von zwei Leitstellen, die zur Polizeidirektion Göttingen gehören.

Mehr Anrufe durch Feiertage und Wetter

In der Hamelner Leitstelle sind im vergangenen Jahr etwa 97.000 Anrufe über die 110 eingegangen – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Einsätze gab es dabei wegen Verkehrsunfällen, Gefahrenstellen, Ruhestörungen und Streitigkeiten. In den letzten Jahren kam es außerdem vereinzelt zu einem Anstieg von sogenannten Hosentaschenanrufen. Dank Softwareanpassungen bei den Mobilgeräten sei die Anzahl der durch unbeabsichtigtes Drücken von Tasten automatisch ausgelösten Notrufe aber deutlich zurückgegangen, so eine Sprecherin der Göttinger Polizeidirektion.

Phasen, in denen sich Notrufe häufen gibt es vor allem bei Schnee, Glatteis, Wind und Sturm sowie bei Gefahrenstellen und Unfällen an stark frequentierten Orten wie Autobahnen. Hierdurch kann es auch mal zu längeren Wartezeiten kommen. An Feiertagen wie Silvester, Ostern und Himmelfahrt sei ebenfalls mehr los, berichtet die Sprecherin. Hier kommt es aber seltener zu längeren Wartezeiten, da die Polizeidirektion bei vorhersehbaren Ereignissen die Personalstärke entsprechend vorsorglich erhöht.

Beratung inklusive

Kann ein Anruf dennoch nicht sofort entgegengenommen werden, startet nach zehn bis 20 Sekunden automatisch eine Bandansage mit dem Hinweis, den Notruf nicht zu beenden und auf die Annahme zu warten. Wer dennoch auflegt – was bei weniger als ein Prozent der Notrufe der Fall ist – wird zeitnah zurückgerufen.

Doch nicht alle Anrufer haben wirklich einen Notfall zu melden. „In solchen Fällen werden die Anrufenden an die zuständigen Stellen weitergeleitet oder entsprechend beraten“, erklärt die Polizeisprecherin aus Göttingen und fügt hinzu: „Solange der Notruf nicht vorsätzlich missbraucht wird, helfen die Mitarbeitenden bei jeder Situation gerne weiter.“

Mehr Bagatellen

In der Feuerwehr- und Rettungsdienstleitstelle in Hildesheim gehen jährlich fast 170.000 Anrufe ein. Die Anzahl der Notrufe über die 112 lag bei 50.213 im vergangenen Jahr. Für die eingehenden Anrufe gibt es laut Fachbereichsleiter Heiko Pfänder sechs voll ausgestattete Einsatzleitplätze sowie vier Annahmeplätze für Sonderlagen wie Unwetter. Denn auch über die 112 erhöht sich die Anzahl an Notrufen bei schlechtem Wetter und an Feiertagen.

Hinzu kommt laut Pfänder aber auch ein anderer Punkt: „Es wird immer niedrigschwelliger, also wegen Bagatellen, angerufen.“ Das liege unter anderem daran, dass die Nummer vom Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oft belegt ist. Unter der 112 hingegen werden etwa 80 Prozent aller Notrufe in den ersten zehn Sekunden angenommen. Wer im Raum Hildesheim die 112 wählt, muss durchschnittlich acht Sekunden warten, bis der Anruf angenommen wird.

So verkürzt sich die Wartezeit

Damit die Leitungen wieder möglichst schnell für weitere Notrufe zur Verfügung stehen, sollten Anrufende auch in außergewöhnlichen Situationen versuchen, ruhig zu bleiben. „Am schnellsten kann ein Notruf abgearbeitet werden, wenn der Anrufende die Fragen, welche er gestellt bekommt, beantwortet und sich vom Mitarbeitenden durch das Gespräch führen lässt“, erinnert Pfänder mit Blick auf die strukturierte Notrufabfrage.

Zudem sei es wichtig, nur bei lebensbedrohlichen Zuständen wie einer akuten Atemnot, einem Herz-Kreislauf-Stillstand oder einer starken Blutung die 112 zu wählen. Für alle anderen Fälle, in denen ärztliche Hilfe benötigt wird, kann die 116 117 angerufen werden, wenn Hausarzt- und Facharztpraxen nicht erreichbar sind. Wer unter Begleitung von medizinischem Fachpersonal transportiert werden muss, kann dies unter 19 222 anmelden.

900 Notrufe in zehn Minuten

56.977 Notrufe gingen im Jahr 2023 über die 112 in der integrierten Regionalleitstelle in Hildesheim ein. Das sind durchschnittlich 156 pro Tag – der höchste Wert in den vergangenen sechs Jahren. Das liegt unter anderem an einem Starkregen am 22. Juni. Damals gingen etwa 900 Notrufe in knapp zehn Minuten in der integrierten Leitstelle Hildesheim ein.

Und auch bei den polizeilichen Leitstellen in Niedersachsen gab es 2024 weniger Notrufe als noch im Vorjahr. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1.139.642 Notrufe über die 110 in Niedersachsen registriert. Das sind durchschnittlich 3119 Anrufe pro Tag. Sie wurden nach durchschnittlich sechs Sekunden angenommen. 2023 gingen mit insgesamt 1.185.468 registrierten Anrufen durchschnittlich 130 Notrufe pro Tag mehr ein.


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