Sicher auf dem Fahrrad

So läuft das Fahrsicherheitstraining des Hildesheimer ADFC ab – ein Selbstversuch

Hildesheim - Wie fit bin ich auf dem Fahrrad? Die Frage hat sich auch HAZ-Reporter Joscha Röhrkasse gestellt und sein Können beim Fahrsicherheitstraining des ADFC Hildesheim auf die Probe gestellt. Wie das so lief.

Hildesheim - Stimmt der Luftdruck? Greift die Bremse? Sitzt der Helm richtig? Bevor das nicht geklärt ist, steigt beim Fahrsicherheitstraining des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Hildesheim niemand aufs Fahrrad. Der ADFC bietet das Fahrtraining zusammen mit der Polizei und der Deutschen Verkehrswacht Hildesheim an. „Fit mit dem Pedelec“ heißt das Kursangebot, das sich an ältere oder pedelec-unerfahrene Menschen richtet, die zwar schon ein Pedelec oder E-Bike nutzen, aber ihre Fahrfertigkeiten noch verbessern wollen. Ich habe zwar kein Pedelec oder E-Bike. Das mache aber nichts, sagt Kursleiter Hans-Jürgen Pütz. Durch den Parcours, den er für seine Kursteilnehmenden aufbaut, könne man auch mit dem normalen Fahrrad fahren – Pütz schlägt sich demonstrativ auf die Oberschenkel.

Schmale Gasse

Alles klar, denke ich, und will aufsatteln. Auf dem HAWK-Parkplatz an der Renatastraße liegen zwei Seile, sie bilden eine etwa 80 Zentimeter schmale Gasse. Durch die soll ich hindurchfahren. Füße auf die Pedale, drei Mal strampeln und schon rolle ich den Rest der Strecke im Stehen. Pütz sieht mir zu, prüft mit geschultem Blick, ob ich Fehler mache auf der etwa fünf Meter kurzen Strecke. Kinderspiel, denke ich; was soll da schon schief gehen? Pütz wird es mir gleich verraten. Aber vorher soll ich die Gerade noch einmal im Sitzen fahren. Auch das kein Problem. Denke ich zumindest.

Als ich wieder zum Stehen komme und Pütz erwartungsvoll ansehe, lächelt er vielsagend. Beim ersten Mal, als ich im Stehen durch die Gasse gefahren sei, da hätte ich instinktiv alles richtig gemacht. Beim zweiten Mal, im Sitzen, schon nicht mehr. Ich bin irritiert. Was kann man denn beim Geradeausfahren großartig falsch machen? Pütz klärt mich auf: Als ich im Stehen gefahren sei, wären meine Füße in der Waagerechten gewesen, die Pedale hätten jeweils etwa den gleichen Abstand zum Boden gehabt.

Immer wenn man nicht strampelt, sollten sich die Füße in der Waagerechten befinden

Hans-Jürgen Pütz

„Im Sitzen war das eine Bein durchgestreckt, das andere angezogen.“ Das, so Pütz, verringere die Stabilität auf dem Fahrrad. Um sich dessen bewusst zu werden, genüge es, sich mal auf ein Bein zu stellen und mit dem anderen in der Luft zu strampeln. Das könne man auch gut im Alltag üben, sagt Pütz – etwa beim Zähneputzen. Ich probiere es aus und klar: mit zwei Füßen auf dem Boden stehe ich eindeutig sicherer. „Immer wenn man nicht strampelt, sollten sich die Füße in der Waagerechten befinden“, sagt Pütz. Dann rollt er die Seile wieder auf und verteilt stattdessen bunte Kegel auf dem Boden, an denen entlang ich eine Acht fahren soll.

Tipp: Sattelstange umdrehen

Zuerst überprüfen wir aber noch meine Ergonomie auf dem Fahrrad. Die Sattelhöhe stimmt. Der Sitz könnte sich allerdings ein Stück weiter vorne befinden. Aber das Maximum ist ausgereizt, weiter vor lässt sich der Sattel auf der Sattelstange nicht schieben. Der Trick: „Man kann die Sattelstange umdrehen“, verrät Pütz. So lassen sich ein paar Zentimeter gewinnen.

Jetzt geht es los: An den Hütchen entlang eine Acht, dann in die andere Richtung und wieder zurück. Bei der nächsten Übung fahre ich eine Kehre, also eine sehr steile Kurve. Dabei sei es hilfreich, den Punkt anzuvisieren, zu dem ich fahren will und nicht etwa die Straße unter mir. Der Oberkörper neigt sich dann automatisch in die entsprechende Richtung. Außerdem sei es besser, von außen in die Kurve zu fahren und sie innen zu schneiden.

Dann kommt die spektakulärste Übung: Die Vollbremsung. Mit größtmöglichem Tempo soll ich auf eine Markierung zufahren, an der Dietmar Nitsche und Berthold Gentemann vom ADFC ruckartig die Arme hochreißen, sobald ich ankomme. Die Übung simuliert eine Autotür, die unerwartet aufgerissen wird. Bei der Vollbremsung sollten beide Bremshebel gezogen werden. Wichtig dabei ist, das Gewicht nach hinten zu verlagern. „Mountainbiker rutschen dabei mit dem Gesäß teilweise sogar hinter den Sattel“, berichtet Pütz.

So geht eine Vollbremsung

Die Füße müssen für die Vollbremsung fest in die Pedale gestemmt werden, das Gesäß so weit wie möglich nach hinten, die Hände fest am Lenker und die Arme durchgestreckt. Es klappt, aber anders als Radfahrende in einer echten Gefahrensituation, wusste ich natürlich, was auf mich zukommt. Trotzdem ist es gut, die Gefahrenbremsung einmal geübt zu haben, denke ich. Ob ich den Ablauf im Ernstfall erinnere, ist eine andere Sache. Aber dafür trage ich ja auch einen Helm. Dass der wirklich was bringt, zeigt Pütz mit einem kleinen Test. Er hat ein Ei dabei und einen Mini-Helm, in den es hineinpasst. Mit Helm überlebt das Ei einen Sturz aus Hüfthöhe problemlos. Ohne, zerplatzt die Schale schon nach wenigen Zentimetern. „Schädelbasisbruch, Gehirn quillt raus“, urteilt Pütz und zeigt mir das beschädigte Ei. „Der Helm schützt.“

Das nächste Fahrsicherheitstraining mit Hans-Jürgen Pütz ist am 27. April ab 15 Uhr in der Steingrube. Eine Teilnahme kostet 20 Euro. Anmeldeschluss ist der 19. April. Die Teilnehmendenzahl ist auf zehn Leute begrenzt. Anmeldung per Mail an hans.juergen.puetz@adfc-hildesheim.de

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