Kreis Hildesheim - Ob das Ziel Hohegeiß, Hamburg oder Wien ist – Klassenfahrten sind für die meisten Schülerinnen und Schüler ein Erlebnis, ein Höhepunkt der ganzen Schulzeit. Doch wegen der Corona-Pandemie sind in den vergangenen anderthalb Jahren etliche Fahrten abgesagt worden.
Die Infektionszahlen haben sich aber deutlich verbessert. Die Klassen dürfen wieder los. Wie handhaben Schulen in Stadt und Landkreis Hildesheim das Thema Klassenfahrten? Oder sind die noch immer ein Tabu?
Land stellt Regeln auf
Das Niedersächsische Kulturministerium hat klare Regeln für die Klassenfahrten aufgestellt. Grundsätzlich dürfen die wieder geplant werden – für In- und Ausland. „Soweit durch das örtliche Gesundheitsamt Szenario B oder C angeordnet wird, sind Schulfahrten unzulässig“, heiß es in der Verfügung des Ministeriums.
„Wir fahren wieder“, lässt Andrea Milbrod-Jakob keinen Zweifel aufkommen. Der 13. Jahrgang der IGS Bad Salzdetfurth ist kürzlich in Kroatien gewesen, eine Handvoll Schüler hat zudem am Erasmus-Programm teilgenommen und ist nach Istanbul gereist. Ab März soll das Klassenfahrtsprogramm der unteren Jahrgänge wieder starten. „Wir wollen zunächst eine mögliche Corona-Winterwelle abwarten“, sagt die Schulleiterin. Sie hofft auch, dass bis zum Frühjahr noch mehr Schülerinnen und Schüler geimpft seien. Derzeit liege die Quote bei gut 25 Prozent. „Im 13. Jahrgang war nur eine Person nicht geimpft, und die weil sie aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann“, sagt Milbrod-Jakob.
„Keinen ausschließen“
Eine Impfung sei keine Pflicht für die Teilnahme. Das hätten einige Eltern durchaus befürchtet. „Eine Klassenfahrt ist ein Gemeinschaftserlebnis, da wollen wir keinen ausschließen, der mitfahren möchte“, stellt die Schulchefin klar. Außerdem seien die Schüler die regelmäßigen Coronatests gewohnt, die für Klassenfahrten ein Maß an Sicherheit bieten, sagt auch die stellvertretende Schulleiterin des Scharnhorstgymnasiums in Hildesheim. „Unsere Jahrgänge fahren im zweiten Schulhalbjahr. Und gibt es dann noch die Testpflicht gilt die auch für Zeit der Klassenfahrt“, sagt Frauke Grade. Wie Milbrod-Jakob hofft aber auch sie, dass bis dahin noch mehr Mädchen und Jungen geimpft sind. In den Jahrgängen 7 bis 13 sei es bislang etwa die Hälfte.
Die allermeisten Fahrten des Scharnhorstgymnasiums haben Ziele innerhalb Deutschlands, bis Klasse 9. sogar innerhalb Niedersachsens. Ins Ausland dürften auch ohne Corona nur die Schüler des 13. Jahrgangs. Polen und Tschechien sei aktuell das Ziel zweier Studienfahrten.
Ein Stück soziale Arbeit
Ganz so streng sieht Christian Schwarze, Leiter der KGS Gronau, das nicht. Für Februar sei sogar die Skifreizeit in Österreich geplant. Doch die meisten Kollegen würden derzeit Ziele in Deutschland anvisieren. Denn solange die Coronagefahr nicht gebannt sei, müssten Eltern ihre Kinder abholen, wenn die sich bei der Fahrt infizieren. Die Impfquote sei an der KGS schon recht hoch. Und das Impfen bleibe eine ganz persönliche Entscheidung, „aber wir weisen schon darauf hin, dass es größtmögliche Freiheit bietet“, so Schwarze.
Ihm ist wichtig, dass Klassenfahrten wieder möglich sind. Sie seien nicht nur ein Erlebnis. „Die Pandemie hat gezeigt, dass Schulen viel soziale Arbeit leisten müssen, Klassenfahrten sind dabei ein wichtiger Teil“, so Schwarze. Zudem wünschten sich Schüler und Lehrer mehr Normalität, weiß der Schulleiter: „Und Klassenfahrten gehören zur Schulzeit einfach dazu.“
Hoher Organisationsaufwand
Doch in Corona-Zeiten auf Klassenfahrt zu gehen, ist gar nicht so einfach, allein was die Planungen im Vorfeld betrifft. „Der Organisationsaufwand hat sich stark erhöht“, sagt Christine Klein, Schulleiterin des Gymnasiums Sarstedt. Fragen, ob es beispielsweise ein Quarantänezimmer im Hotel gibt oder welche Möglichkeiten überhaupt vor Ort bestehen, etwas mit der gesamten Klasse zu machen, müssen die Lehrkräfte derzeit in ihre Überlegungen einbeziehen.
„Manche Einrichtungen lassen zum Beispiel nur Kleinstgruppen zu,“ so Klein. Und ebenso liege es beim jeweiligen Veranstalter, ob die 3-G- oder 2-G-Regel greife. Dazu kämen Aufklärungsgespräche mit den Eltern, wobei Klein betont, dass die Mehrzahl derer, Vorhaben wie Klassenfahrten unterstützten.
Von Ulrike Kohrs und Viktoria Hübner
