Hildesheim - Seit knapp einem Jahr steht der frühere Real-Markt am Hildesheimer Cheruskerring leer. Nun ist klar, dass erneut ein großer Supermarkt einziehen soll. Immobilien-Eigentümer Edeka will dort einen Marktkauf etablieren. Das bestätigten mehrere frühere Untermieter von Real auf HAZ-Anfrage, der Redaktion liegt auch ein Belegungsplan für die kleine Ladenzeile im vorderen Bereich des Gebäudes vor. Marktkauf ist eine Marke der Edeka-Gruppe, im Landkreis Hildesheim aber bislang nicht vertreten. Edeka Hannover-Minden kündigte eine „schnellstmögliche“ Rückmeldung an.
Warum 2025 so wichtig war
Real hatte im Juni vergangenen Jahres überraschend seine Tore geschlossen, nachdem die bundesweit massiv geschrumpfte Kette wenige Monate vorher noch angekündigt hatte, in Hildesheim bleiben zu wollen. Allerdings lief im Sommer 2022 der Mietvertrag aus. Real und Edeka konnten sich nicht über eine Verlängerung einigen. Edeka bot nach HAZ-Informationen nur eine Ausweitung um zweieinhalb Jahre an, um den Markt ab 2025 selbst betreiben zu können. Das war Real zu kurz. Rund 100 Beschäftigte bekamen die Kündigung, rund 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche liegen seither brach.
Das Jahr 2025 spielte in den Überlegungen zur Zukunft der Immobilie eine zentrale Rolle. Das lag an folgender Konstellation: Ende 2020 kaufte Edeka Hannover-Minden über eine Tochtergesellschaft Gebäude und Grundstück von Real in Hildesheim aus privater Hand. Allerdings hält eine Tochterfirma des Metro-Konzerns, der Real lange betrieb, noch bis zum Jahr 2025 ein Erbbaurecht für die Immobilie. Für dieses Erbbaurecht wiederum hatte sich der Real-Konkurrent Kaufland, der sich lange für eine Übernahme des Hildesheimer Marktes interessiert hatte, eine sogenannte Vormerkung gesichert. Was praktisch bedeutete, dass Kaufland einen Umbau des Marktes durch Edeka blockieren konnte.
Marktkauf sucht Untermieter
Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass Edeka und Kaufland sich in dieser Frage geeinigt haben. Ein eindeutiges Indiz dafür: Der Marktkauf soll bereits im nächsten Jahr eröffnen und nach einem Umbau 6900 Quadratmeter Verkaufsfläche haben – also etwas weniger als Real, aber immer noch weitaus mehr als große Rewe- oder Edeka-Märkte. Das schrieb Edeka zumindest an potenzielle Untermieter. In einem Schreiben, das der HAZ vorliegt, heißt es wörtlich: „Wir streben die Eröffnung in 2024 an.“ Auf Anfrage erklärte das Unternehmen dennoch, an der vertraglichen Situation habe sich nichts geändert, das Erbbaurecht laufe bis 2025.
Sicher ist jedenfalls, dass Edeka mehrere Unternehmer, die im Real als Untermieter (auch „Konzessionäre“ genannt) kleine Filialen betrieben hatten, darauf angesprochen hat, nach der Eröffnung von Marktkauf in dieser Rolle an den Cheruskerring zurückzukehren.
Friseur geht ins Ostend
Einer, der das offen bestätigt, ist Sebastian Machens von der Friseur-Kette Huth Machens. Das Unternehmen betrieb 38 Jahre lang einen Friseursalon im Real-Markt. Ein Comeback am Cheruskerring wird es aber nicht geben, sagt Machens: „Wir haben uns zwar über das Angebot von Edeka gefreut, haben uns jetzt aber neu orientiert und freuen uns, ab 4. September im Ostend mit einem größeren, moderneren und neuen Salon für unsere Kunden da sein zu können – mit deutlich besserem Parkplatzangebot.“
In den Plänen von Marktkauf sind neben einem Friseursalon auch ein Reisebüro, eine Apotheke, eine Wäscherei, ein Optiker, ein Feinkost-Geschäft und ein kleines Bekleidungsgeschäft vorgesehen und damit viele Branchen, die auch schon bei Real vertreten waren. Inwieweit dafür schon Konzessionäre gefunden worden sind, ist noch unklar.
Räumungsklagen
Allerdings gibt es unverändert Ärger zwischen Real und seinen verbliebenen Untermietern am Cheruskerring. Zwar ist die Änderungsschneiderei Terzi gerade ausgezogen und sucht einen neuen Standort in Hildesheim. Doch das Restaurant Dynastie und das Reisebüro von Funda Tasar sind unverändert an Ort und Stelle – und die rechtliche Situation weiter strittig.
Real hat den beiden verbliebenen Betrieben offenbar Räumungsklagen angedroht. Zumindest im Fall des Reisebüros gab es zuvor eine Sonderkündigung, die Real mit Mietrückständen begründete. Doch Betreiberin Tasar will das nicht hinnehmen. Sie berichtet, dass sie nach der Schließung von Real die Miete gemindert habe, da sich die Rahmenbedingungen geändert hatten und Laufkundschaft ausbleibe. Zudem habe sie Real immer wieder Gespräche über die Miethöhe angeboten. Das Unternehmen habe aber nicht reagiert und zum Jahreswechsel wie im Mietvertrag vereinbart turnusgemäß die Miete erhöht.
Zoff wegen Einbruch
„Die sagen, die Bedingungen hätten sich nicht geändert – das ist ja wohl ein Witz!“, empört sich die Hildesheimerin. Was die Sache weiter verkompliziert: Noch immer streiten Tasar und Real darüber, wer die wirtschaftlichen Folgen eines Einbruchs im Vorjahr tragen muss, bei dem das Reisebüro massiv verwüstet wurde.
Real steht jedenfalls offenbar unter Zeitdruck: Wenn Edeka seine Umbaupläne für Marktkauf vorantreiben will, müssen die Untermieter das Gebäude verlassen haben.
