So überschuldet sind Bürger in Stadt und Landkreis Hildesheim

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Von Tarek Abu Ajamieh

Hildesheim. In zwei Bereichen Hildesheims ist mehr als jeder sechste Einwohner über 18 Jahren überschuldet, die verlässlichsten Kreditnehmer wohnen in den Gemeinden, Diekholzen, Harsum und Algermissen. Das sind zwei Ergebnisse aus dem „Schuldenatlas“, den die Wirtschaftsforscher des Unternehmens Creditreform für das Jahr 2018 erstellt haben. Das Zahlenwerk weist allerdings auch aus, dass die sogenannte Überschuldungsquote in Stadt und Landkreis Hildesheim in den vergangenen Jahren entgegen dem Bundestrend leicht zurückgegangen ist – von 11,1 Prozent im Jahr 2014 auf jetzt 10,6 Prozent.

Doch was heißt eigentlich überschuldet? „Wenn jemand einmal mit der Miete im Rückstand ist, zählt das noch nicht“, betont Jörg Kruse, Geschäftsführer der Hildesheimer Creditreform-Niederlassung. „Als überschuldet bezeichnen wir Menschen, die zum Beispiel von verschiedenen Firmen jeweils mehrfach Mahnungen erhalten haben – und natürlich solche, gegen die schon gerichtliche Titel vorliegen.“

Besonders in der Nordstadt, der Stadtmitte und mit Abstrichen der Oststadt ist der Anteil überschuldeter Privatleute an der Gesamtbevölkerung hoch. „Der Anteil Betroffener ist unter Menschen mit geringerem Einkommen höher als unter besser Situierten, auch sind Menschen mit geringerem Bildungsniveau überdurchschnittlich oft betroffen“, stellt Kruse fest. Die Nationalität spiele seines Eindrucks nach hingegen keine messbare Rolle.

Wichtige Gründe für Überschuldung seien unter anderem Mietsteigerungen („Die Miete ist für viele der größte Kostenblock“). Das betreffe zunehmend ältere Menschen, die feststellen müssten, dass es nach Eintritt der Rente nicht mehr für den bisherigen Lebensstandard reiche und die Miete kaum noch zu stemmen ist. Was ein Grund für das Nord-Süd-Gefälle im Landkreis sein dürfte – das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Alfeld und Freden ist höher als in Sarstedt oder Giesen. Auch Jobabbau spielt eine Rolle. In Bockenem, wo der Automobilzulieferer Meteor binnen zehn Jahren rund 1000 Stellen gestrichen hat, ist die Überschuldungsquote im gleichen Zeitraum erheblich gestiegen.

Kein Zufall dürfte auch sein, dass die Überschuldungsquote in Hildesheimer Stadtteilen mit hohem Anteil an Wohneigentum wie Ochtersum oder Itzum geringer ausfällt.

Ein Problem für jüngere Erwachsene bleiben zu teure Telekommunikationsverträge. „Da spielt mitunter auch mangelnde Erfahrung im eigenverantwortlichen Umgang mit Geld eine Rolle“, glaubt Kruse. Unverändert machten sich viele Menschen durch zu viele Bestellungen im Internet das Leben schwer – und umgingen auch Sicherungen der Anbieter: „Wenn Karl-Heinz Müller mal als Karl und mal als Heinz bestellt, reicht das oft.“

Auffällig sind bei der langfristigen Betrachtung der Statistik die unterschiedlichen Entwicklungen in den Kommunen: So ist zum Beispiel die Überschuldungsquote in Algermissen, Söhlde und im Südwesten Hildesheims in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, in der Stadtmitte sowie in Alfeld, Freden, Bockenem und Lamspringe stieg sie hingegen klar.

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