Lustgreis auf Zeitreise

So war der Abend mit Fips Asmussen im Hildesheimer Audimax

Hildesheim - Drei Stunden lang bespaßt Fips Asmussen sein Publikum im Hildesheimer Audimax mit Jux und Dollerei aus Großvaters Zeiten

Fips Asmussen begeistert im Audimax – allerdings nur eine Zielgruppe. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Dass ein 81-Jähriger „drei Stunden Humor-Power Nonstop“ bewältigt, ist aller Ehren wert. Der Titel des Programms klingt aber auch wie eine Drohung, wenn Fips Asmussen kommt. 81 Jahre ist der Hamburger mittlerweile, nur seine Witze sind noch älter. Wer bei diesem Satz die Augen verdreht, der gehört nicht zur Zielgruppe des Witzemachers. Die Herrengruppe hingegen, welche eine Kiste Bier mit ins Audimax schleppt, für die scheint an diesem Samstagabend der Heiland gekommen zu sein. „Fips, ich grüße Dich“, grölt jemand aus dem Publikum, während Asmussen auf die Bühne wankt. „Freunde, ich spüre das, mit Euch kann man reden.“

„Willst Du das Herz der Tochter erquicken, musst Du erst die Mutter fragen.“

Reden wird Asmussen die kommenden Stunden ununterbrochen, sich bewegen dagegen kaum. Wie gesagt: Der Mann ist 81 Jahre alt, alle Achtung, dass er sich das noch antut. Dass er uns das auch noch antut, steht auf einem anderen Blatt. „Willst Du das Herz der Tochter erquicken, musst Du erst die Mutter fragen“, beginnt Asmussen. „Der war für den Anfang doch nicht schlecht, oder?“ Das Thema für den Rest des Abends damit tatsächlich gesetzt. „Können wir eigentlich Feierabend machen.“ Macht er aber nicht, sondern weiter. „Was ist der Unterschied zwischen einer Möwe und Roberto Blanco? Die Möwe hat einen weißen Schwanz und Roberto kann nicht fliegen.“ Die Kronkorken knallen, die Flaschen klirren, das Bier fließt, die Leute lachen. Schon in der ersten Pause ist das Pissoir verstopft.

Die Stimmung kühlt ab, als Asmussen über Politik redet. „Da hätte ich jetzt Applaus erwartet“, scheint er selbst überrascht. Dass er und seine Kabarett-Bemühungen in die Jahre gekommen sind, zeigt sich an den Witzfiguren: Ulla Schmidt („Wir schicken eine Fregatte in den Libanon.“), Hans Eichel („Seine Tochter heißt Rosa.“) und Doris Schröder-Köpf („Die braucht ein Schild: Bei Vergewaltigung diese Seite nach oben.“) Es braucht keinen Abschluss mit Gender-Sternchen, um irgendwann genug davon zu haben. Männer sind Schlappschwänze, Frauen unansehnlich.

Der Pulli ist aus Kamelhaar ...

Die Tabubrüche und Provokationen dürften aber kaum kalkuliert sein. Asmussen denkt vermutlich schlicht so. Da stehen Witzchen aus dem „Micky Maus Magazin“ neben MeToo-untauglichen Anzüglichkeiten. „Der Pulli ist aus Kamelhaar. Ich seh‘ noch die Höckerlie.“ Der Mann ist 81 Jahre alt, es waren andere Zeiten und Vergewaltigung in der Ehe noch straffrei. Da haben Leute darüber gelacht und fanden nichts dabei. Geändert haben sich die Zeiten offenbar nicht. „Den muss ich mir merken, den fand ich gut“, meint ein Zuhörer und schlägt seinem Sitznachbarn auf die Schulter. Stimmung, wie sie sonst nur am Vatertag zu erleben ist. Asmussen rezitiert dann trotzdem noch ein Gedicht von Kurt Tucholsky. Passt genauso gut in drei Stunden voller Bandscheiben, Bölkstoff und Busenwunder wie Fips Asmussen ins 21. Jahrhundert.

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