Hildesheim - Die Wienerwald-Kette, 1955 gegründet, war einst eine gastronomische Legende. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. 850 Restaurants betrieb die Kette selbst, kaufte andere auf. Zu Spitzenzeiten soll Wienerwald unter dem Dach der Marke in bis zu 1600 Lokalen 700.000 Hähnchen verkauft haben. Täglich. Von den USA über Japan bis Ägypten, wo es heute noch ein Lokal mit dem Namen gibt. Irgendwann geriet das Unternehmen ins Schlingern, schlidderte gleich dreimal in die Insolvenz (1982, 2003 und 2007), der Stern verblasste. Nun will die vor einem Jahr gegründete Wienerwald GmbH mit Sitz in Hildesheim den Stern wieder aufpolieren, ihm neuen Glanz verleihen – und möglichst eine neue Erfolgsgeschichte starten.
Wer steht hinter der Wienerwald GmbH?
Hauptgesellschafter ist die SLV Vermögensverwaltung von Sebastian Lüder aus Hildesheim neben Hubert Sterzinger, Hannes Mairinger und Markus Bottler. Sterzinger ist mit seiner Superstudio21 GmbH aus Köln für die Architektur, die Einrichtung und das Design der Neuausrichtung verantwortlich. Die Geschäftsführung teilt sich Bottler mit Dmitri Fischer. In der gleichen Konstellation betreibt das Team seit kurzem schon das Ahoi Steffen Henssler am Hohnsensee in Hildesheim.
aktuell ein 65 Meter hoher „Harzturm“Alle noch bestehenden Restaurants der Marke schließen bis 2023
Als die Hildesheimer Gesellschaft vor einem Jahr die weltweiten Wienerwald-Markenrechte von den beiden Töchtern des verstorbenen Gründers Friedrich Jahn kaufte, gab es laut Markus Bottler noch 17 Restaurants. Eine Reihe von ihnen ist inzwischen geschlossen, die Verträge der verbliebenen Standorte laufen spätestens 2023 aus und werden nicht verlängert. Das Ziel: Alles soll neu werden. Dem mittlerweile etwas angestaubten Image der einstigen „Gastro-Ikone“, wie Hubert Sterzinger die Kette nennt, will die Gesellschaft ein runderneuertes, etwas peppigeres Profil entgegensetzen. „Wir wollen den Mythos Wienerwald neu beleben“, sagt Bottler.
Alles ist frisch, trendy und instagramable
Das neue Team will „zurück zur Gastlichkeit“: Die Gäste im Wienerwald sollen künftig wieder bedient werden, nachdem die Kette zuletzt eher durch Selbstbedienung geprägt war. Die „unvergleichliche Seele“ der einzelnen Gerichte soll sich auch in der Präsentation auf dem Teller fortsetzen, heißt es in einer Pressemitteilung. „Alles ist frisch, trendy und instagramable.“ Auf Deutsch: so arrangiert, dass es sich für einen schicken Post im Netzwerk Instagram eignet. Und: Durch optimierte Abläufe wollen die Wienerwald-Wiederbeleber auch die Wartezeiten für die Kundschaft verkürzen. Die Wienerwald GmbH will auch die Umweltfreundlichkeit und das Tierwohl im Blick behalten: Zutaten sollen in der jeweiligen Region eingekauft und die Hähnchen nur unter strengen Auflagen in Bodenhaltung herangezogen werden.
Torfhaus soll nur der Anfang sein. Über Franchisepartner ist eine baldige Expansion angepeilt. „Besonders in den deutschen Metropolen“, sagt Bottler. Zum Beispiel in München, wo es fünf der zuletzt verbliebenen Wienerwald-Restaurants gab. Eines könnte eventuell auf das neue Konzept umgestellt werden, sagt Bottler, die anderen seien zu klein.
„Unser Ziel ist es, Wienerwald wieder zu einer starken Marke der Systemgastronomie zu machen“, fasst der Geschäftsführer zusammen. „Ein preiswertes und gemütliches Gasthaus mit Tradition.“ Besagte Tradition ist quasi in einem Werbespruch zementiert, den viele von früher noch im Ohr haben dürften: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald.“

