Söhlde - Warum gehen die Landwirte auf die Straße? Wie sieht eigentlich ein Alltag in der Landwirtschaft aus? Und wie viele Liter Milch gibt ein Schaf am Tag? Dies sind nur einige Fragen, die Sibylle Himstedt bei ihren regelmäßigen Führungen durch ihren Schafbetrieb in Söhlde aufgreift. 360 Interessierte nahmen das Angebot im vergangenen Jahr an. Im Frühjahr geht es mit den Führungen weiter.
Landwirtschaft und Schafhaltung
„Ich möchte den Menschen einen Zugang zur Landwirtschaft ermöglichen“, sagt Sibylle Himstedt, die mit ihrem Mann Helge seit 2015 den Hof im Greth betreibt. Das Paar hält Schafe, in einer eigenen Käserei wird die Milch der Tiere verarbeitet, im Hofladen werden Käse, Fleisch und Lammfelle verkauft. Die Himstedts setzen auf Bio-Landwirtschaft. Was das bedeutet, auch das erfahren die Teilnehmer bei den Hofführungen. Im Hof im Greth wird nachhaltig gewirtschaftet. Dass heißt, die Landwirte versuchen den Boden so zu beackern, dass er bei Dürre nicht noch mehr austrocknet.
Tierwohl ist Thema
Als tierhaltender Betrieb mit 100 Mutterschafen ist auch das Tierwohl Thema auf dem Hof. So bleiben die Lämmer 45 Tage bei ihren Müttern, bevor sie als Landschaftspfleger beispielsweise an die Derneburger Teiche kommen. Auch bleibt der Nachwuchs auf dem Hof und wird nicht etwa in Mastbetriebe nach Frankreich gekarrt. „Es wäre schön, wenn die Mehrarbeit entlohnt würde“, sagt Sibylle Himstedt. Werde sie aber nicht. Einer der Gründe, warum die Landwirte sauer sind.
Bio aus Überzeugung
Dennoch, die Himstedts setzen auf diese Art der Landwirtschaft – aus Überzeugung. Denn sie wollen ein gutes Gefühl bei ihrer Arbeit, erklären sie. „Ich gehe bei den Führungen auch auf den Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft ein, wobei ich die aber nicht bewerte“, sagt Sibylle Himstedt. Sie würde nicht sagen, dass Bio per se besser sei, wohl aber regional. „Es gibt viele konventionelle Betriebe, die gute Arbeit leisten“, sagt die Söhlderin.
Warum der traditionell produzierte Käse aus Söhlde nicht zum Discounter-Preis zu haben ist, erfahren die Hofbesucher ebenfalls. Unter ihnen immer wieder Schulklassen und auch Gruppen, sogar Verkäufer und Verkäuferinnen, deren Chef mit der Führung die Chance auf Weiterbildung angenommen hat. Am Ende der zweistündigen Führung gibt es eine Käseverkostung. Zu probieren gibt es beispielsweise Weich- oder Bergkäse. „Für ein Kilogramm Weichkäse benötigt man 5,5 Liter Schafmilch, für einen Bergkäse etwa acht Liter“, erklärt Sibylle Himstedt. Ein Schaf gibt am Tag anderthalb Liter Milch, bei konventioneller Haltung wäre es mehr.
Die Führungen ab April
Jeweils den ersten Freitag im Monat bietet Sibylle Himstedt Führungen an. Auf Wunsch sind auch Termine für Gruppen ab 15 Personen zu vereinbaren. Los geht es wieder am 4. April. Anmeldungen sind auf der Homepage möglich. Der Hofladen ist freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet, an einem Automaten können Kunden und Kundinnen auch außerhalb der Öffnungszeiten Produkte erwerben.
