Thema in Kreisentwicklungsausschuss

Sorge um Schadstoffe in Hildesheimer Berufsschulen – und Zweifel an Messungen

Hildesheim - 75 Minuten lang hagelte es in der Einwohnerfragestunde des Kreisentwicklungsausschusses Fragen vom Kollegium und der Schülerschaft der Berufsschulen an der Steuerwalder Straße. Ein besonders akutes Thema: die Schadstoffbelastung.

Die Berufsschulen an der Steuerwalder Straße in Hildesheim sind stark sanierungsbedürftig. Foto: Thomas Wedig

Hildesheim - Wie geht es mit den Berufsschulen weiter? Wie sehr diese Frage die Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler der Walter-Gropius-Schule und der Herman-Nohl-Schule bewegt, zeigte sich am Dienstag in der Sitzung des Kreis-Ausschusses für Bildung, Kreisentwicklung, Bau und Tiefbau. Die Einwohnerfragestunde dauerte so lange wie selten in solchen Sitzungen: 75 Minuten lang richtete das Publikum eine Frage nach der anderen an Dezernent Walter Hansen. In der Sitzungsvorlage hatte die Verwaltung deutlich gemacht, dass es bei der Sanierung der Berufsschulen wohl um ein Langzeitprojekt geht, das etwa ein Jahrzehnt dauern dürfte.

Schadstoffe „massiv“ in abgehängten Decken konzentriert

Es wird alle Beteiligten also noch lange beschäftigen. Eine Frage erscheint aber besonders akut: Wie problematisch sind die Schadstoffe, die sich laut Sitzungsvorlage der Verwaltung „massiv“ im gesamten Gebäudekomplex an der Steuerwalder Straße im Bereich der abgehängten Decken konzentrieren?Zwar haben Messungen ergeben, dass die Raumluft nicht belastet ist. Doch der stellvertretende Leiter der Walter-Gropius-Schule, Michael Kracke, gab zu bedenken, dass die Belastung nur in fünf von rund 80 Räumen gemessen wurde – und zwar in solchen, in denen die Deckenabhängung und die darüber liegende Sperrschicht noch in Ordnung sind. Genau das sei aber an vielen Stellen im Gebäude nicht der Fall. Zahlreiche Deckenplatten seien locker und hätten sich immer wieder verschoben, der Zwischenraum darunter liege frei – und damit auch der Bereich, der mit Schadstoffen belastet ist.

Räume für Messungen repräsentativ ausgewählt

Dezernent Hansen entgegnete, er habe bereits angeordnet, dass alle betroffenen Platten verschraubt werden sollen. Die Klassenzimmer, in denen Fachleute die Schadstoffbelastung gemessen haben, wurden laut Hansen repräsentativ ausgewählt. „Das waren nicht nur risikoarme Räume“, betonte der Dezernent. Für die meisten Klassenzimmer liegen allerdings keine Messwerte vor – besonders für diejenigen Räume, in denen die Zwischendecken nicht dicht sind, wie der stellvertretende Schulleiter bemängelt und den Schluss zieht: Repräsentativ seien die Ergebnisse aus seiner Sicht nicht.

Eine Gefahr für Menschen, die sich in den Schulen aufhalten, besteht nach Einschätzung der Kreisverwaltung aber nicht. „Solange das Material nicht angefasst und bearbeitet wird“, ergänzte Hansen, der nichts Genaueres dazu sagte, um welche Schadstoffe es sich genau handelt. Im Rahmen der Sanierung müssen sie entfernt werden. Das geschehe dann aber nach strengen Vorschriften, erläuterte der Dezernent. Die Bereiche, in denen gearbeitet wird, müssten dann durch Planen abgetrennt werden. „Da müssen wir besonders vorsichtig vorgehen.“

Das sind einige grundsätzliche Ziele der Planung

Nichts ist entschieden, vieles ist offen: Das ist, grob zusammengefasst, der derzeitige Stand der Planungen für die Zukunft der Walter-Gropius-Schule und der Herman-Nohl-Schule. In der Ausschusssitzung wurden aber einige grundsätzliche Ziele deutlich:

Die Erkenntnisse der sogenannten Phase 0, also der Ermittlung des Raumbedarfs in Zusammenarbeit mit den Schulen, sollen auf jeden Fall in die weitere Planung mit einfließen.

Die Kreisverwaltung würde die Herman-Nohl-Schule am liebsten an der Von-Thünen-Straße unterbringen – in dem bestehenden Gebäude, das derzeit von der Werner-von-Siemens-Schule genutzt wird, plus einem Neubau auf einem benachbarten Grundstück, das noch von der Stadt Hildesheim gekauft werden müsste – falls sie es hergibt. Wortmeldungen in der Ausschusssitzung zeigten, dass diese Lösung in der Herman-Nohl-Schule nicht gerade auf Begeisterung stößt. Denn beide Gebäude wären durch eine Straße getrennt – die aber kaum befahren ist, wie Dezernent Walter Hansen betonte. Die Entfernungen seien mit dem Berufsschulzentrum an der Steuerwalder Straße vergleichbar. Dort würde die Kreisverwaltung gern die beiden technisch orientierten Berufsschulen vereinen, also neben der Walter-Gropius-Schule auch die Werner-von-Siemens-Schule.

Die nötigen Sanierungsarbeiten an der Steuerwalder Straße könnten in etwa zwei Jahren beginnen, so die aktuelle Schätzung des Dezernenten. Sie sollen dann in sechs Bauabschnitte aufgeteilt werden.

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