Coronavirus

„Spaziergänge“ im Kreis Hildesheim: Polizei nennt Zahlen und plant härtere Gangart

Kreis Hildesheim - Die Polizei rechnet am Montag wieder mit zahlreichen unangemeldeten Kundgebungen will in einem Ort schärfer vorgehen. Zudem nennen die Beamten Zahlen zu den bisherigen „Spaziergängen“ und zu Verstößen.

"Spaziergang" in Hildesheim: Die Polizei setzt weiter auf Videografie gegen Verstöße. Foto: CHRIS GOSSMANN

Kreis Hildesheim - Die Polizei rechnet für den kommenden Montag mehr als 15 sogenannten Spaziergängen in Stadt und Landkreis Hildesheim gegen eine mögliche Impfpflicht und aktuelle Corona-Maßnahmen, sowie mit weiteren Kundgebungen. Um der Situation Herr zu werden, bekommen die Hildesheimer Beamten einmal mehr Verstärkung durch die Bereitschaftspolizei Niedersachsen.

Die Ordnungshüter kündigen an, bei den größtenteils nicht angemeldeten Kundgebungen weiter auf Dialog setzen zu wollen – nehmen sich aber vor allem in Bad Salzdetfurth eine härtere Gangart vor, weil es dort besonders viele Verstöße gegen die Maskenpflicht gebe.

Jeder Fünfte ignoriert Maskenpflicht

„Ein Großteil der Versammlungen wurde und wird nach wie vor nicht angezeigt“, stellt die Polizei fest. „Die Teilnehmenden zeigen sich oftmals unkooperativ und ignorieren häufig die Beschränkungen in Bezug auf das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen.“ Eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen dazu spielen Videoaufnahmen. Die Polizei hat nach eigenen Angaben bislang insgesamt 71 Ordnungswidrigkeiten-Verfahren im Zuge der „Spaziergänge“ eingeleitet, 29 davon mithilfe der Videografie.

 Beim „Spaziergang“ am Montag dieser Woche in Hildesheim hätten sich rund 80 Prozent der Beteiligten an die Maskenpflicht gehalten, betonte die Polizei – was zugleich bedeutet, dass jeder fünfte Teilnehmer die Vorgabe ignorierte.

Polizei: darum geht es „im Kern“

„Die Aufnahmen werden im Nachgang ausgewertet und Personen, die gegen die Beschränkungen verstoßen, aus der Anonymität geholt“, betont die Polizei. Dieses Verfahren läuft mit Blick auf den jüngsten Hildesheimer „Spaziergang“ aktuell noch, weitere Verfahren können hinzukommen. Die Ermittler setzen nach eigenen Angaben „szenekundige Kräfte“ ein, um Personen zu identifizieren.



Im Kern gehe es ausschließlich darum, dass Versammlungen angezeigt und dass die geltenden Corona-Beschränkungen wie die Maskenpflicht beachtet werden. „Ist das nicht der Fall, sind die Teilnehmenden durch ihr ordnungswidriges Verhalten selbst dafür verantwortlich, dass die Polizei unmittelbar Personalien feststellt, individuelle Verstöße dokumentiert und Verfahren einleitet.“

Härter in Bad Salzdetfurth

Insgesamt führt die Polizei zudem sieben Ermittlungsverfahren nach Strafanzeigen unter anderem gegen Personen, die gegenüber Polizisten gewalttätig wurden oder Medienvertreter bedrohten und beleidigten.



Mit Blick auf Bad Salzdetfurth erklärt die Polizei: „Wir haben die Erkenntnis, dass sich insbesondere die Teilnehmenden der nicht angezeigten Versammlungen dort in großen Teilen nicht an die Maskenpflicht halten.“ Deshalb würden die Beamten dort künftig „eine Ahndung der Verstöße forcieren“. Bislang habe die Polizei in der Kurstadt nur immer wieder dazu aufgefordert, die Masken zu tragen, sagt Cord Stünkel, Leiter Einsatz bei der Polizeiinspektion Hildesheim.

Bisher 57 Kundgebungen

Seit Mitte Dezember fanden in Stadt und Landkreis Hildesheim nach Erkenntnissen der Polizei insgesamt 57 Versammlungen – also „Spaziergänge“, angemeldete Kundgebungen und Gegendemonstrationen – in Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen statt. An all diesen knapp fünf Dutzend Kundgebungen zusammen haben sich nach Einschätzung der Polizei mehr als 4000 Personen beteiligt. Das wären etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung – geht man davon aus, dass die meisten Teilnehmer mehrmals an „Spaziergängen“ und Kundgebungen teilgenommen haben, ist diese Zahl noch deutlich geringer.

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