Hildesheim - Wir freuen uns auf diese Spiele“, sagte VfV 06-Trainer Ridha Kitar nach dem 2:1-Heimsieg am vergangenen Sonntag gegen den BSV Schwarz-Weiß Rehden. „Diese Spiele“ – das sind die bevorstehenden Duelle mit den Topteams Atlas Delmenhorst und Heeslinger SC. Zu Topspielen wurden die Partien durch die jüngste Mini-Siegesserie der Hildesheimer Oberliga-Fußballer.
Dreimal in Folge haben sie zu Hause gewonnen, dreimal war es ziemlich knapp – 2:1 gegen Egestorf, 1:0 gegen Wilhelmshaven und 2:1 gegen Rehden. Gegen Delmenhorst und Heeslingen müssen die Borussen jeweils auswärts ran. An die Hinspiele haben sie keine guten Erinnerungen. Gegen Delmenhorst gab es eine deftige 1:5-Pleite – und gegen Heeslingen unterlagen die Borussen im Friedrich-Ebert-Stadion mit 0:2.
Eigentlich einfache Rechnung
Das muss korrigiert werden: Mit zwei Erfolgen wären sie voll drin im Rennen um die Meisterschaft. Andersherum wären weitere Niederlagen gegen die beiden Topteams empfindliche Dämpfer für die Hildesheimer Aufstiegsambitionen. „Die Jungs können rechnen und wissen, was möglich ist“, sagt Kitar. Beim Blick auf die Tabelle wird deutlich, dass Atlas und Heeslingen mit jeweils 44 Punkten zwar sieben Zähler vor Hildesheim liegen, aber der VfV 06 (37 Punkte) hat drei Partien weniger absolviert.
Die Rechnung ist also einfach: Gewinnt der VfV 06 alle Nachholspiele, dann wäre er mit 46 Punkten Tabellenführer. Doch sich allein darauf zu verlassen, wäre kein guter Plan – das ging schon in der Vergangenheit selten gut. „Die Jungs setzen sich da auch selbst unter Druck“, erklärt Kitar.
Keine tolle Heim-Ausbeute
Doch zu viel Rechnerei bringt nichts und könnte die Köpfe blockieren. Der Trainer selbst hält sich an eine altbekannte Floskel: „Das nächste Spiel ist immer das wichtigste. Wir tun uns keinen Gefallen damit, wenn wir zu weit vorausdenken.“ Deshalb gilt: Voller Fokus auf Delmenhorst.
Vor den eigenen begeisterungsfähigen Fans im Düsternort-Stadion galt Atlas eigentlich immer als heimstark. Doch davon kann in dieser Saison keine Rede sein. Drei Siege, vier Unentschieden und drei Niederlagen stehen zu Buche – das ist keine besonders tolle Heim-Ausbeute für ein Spitzenteam. Daheim verlor Atlas gegen Rehden (1:3), Wilhelmshaven (1:2) und Lüneburg (1:3).
Luxusprobleme für Kitar?
Sehr eindrucksvoll liest sich dagegen die Delmenhorster Auswärtsbilanz: Zehn Siegen und einem Remis steht nur eine Niederlage in Heeslingen gegenüber. 31 der 44 Punkte holte Atlas also auswärts. Das ist schon sehr bemerkenswert. Man kann also durchaus etwas holen in Delmenhorst, aber Spitzenspiele sind nochmal etwas anderes. Da wird um jeden Zentimeter gekämpft. Darauf sollte sich der VfV 06 einstellen.
Erfreulich aus Hildesheimer Sicht: Einige Akteure haben ihre Verletzungen auskuriert und sind zurück im Kader. Gegen Rehden waren auch Oliver Stephen Giesing und Jo-Willem Tewes wieder mit von der Partie. Beide machten einen frischen und spielfreudigen Eindruck. Ein Trainer, der gute Fußballer wie Karsan Doski, Carlos Christel, Tom Kinitz, Yusuf Akdas, Mahdi Biso und Cenay Üzümcü von der Bank bringen kann, hat ein Luxusproblem - oder?
„Bis zum Saisonende ein strammes Programm“
Kitar streitet dies nicht ab: Das könne schön sein. Wenn irgendwann auch noch Jannis Pläschke, Mick Gudra sowie die Brüder Hady und Hassan El-Saleh wieder fit sind, dann würde der VfV 06 über einen 26-Mann-Kader verfügen. Dann könnten auch Unzufriedenheiten entstehen. Doch da winkt der Trainer ab: „Wir haben bis zum Saisonende ein strammes Programm. Wir brauchen jeden Spieler.“
Kitars Aufgabe ist es nun, alle Akteure bei Laune zu halten. Andererseits könnten allzu umfangreiche Rotationen das Gefüge und den Spielrhythmus stören. Denn gerade auf der Saisonzielgeraden geht es darum, eine eingespielte und stabile Stammformation auf dem Platz zu haben, die konstante Leistungen abruft.
Planungen für die kommende Spielzeit laufen
Ridha Kitar, der die Borussen liga-unabhängig auch in der nächsten Saison trainieren wird, wird sicher genau hinschauen, wer voll mitzieht – und wer eventuell die Zügel schleifen lässt. Denn während die aktuelle Saison in die entscheidende Phase tritt, laufen auch schon die Planungen für die kommende Spielzeit. Fragt sich noch, für welche Liga die Verantwortlichen planen müssen. Nach den Partien in Delmenhorst und Heeslingen werden sie wohl etwas schlauer sein, wohin die Tendenz geht.
Das Spiel in Delmenhorst beginnt am Ostermontag um 15 Uhr. Man kann davon ausgehen, dass sich auch etliche Fans aus Hildesheim auf den Weg machen werden, um ihre Mannschaft zu unterstützen.
