Platz 35 im Freibad-Ranking

Spurensuche nach Erfolgsranking: Was macht das Waldbad in Lamspringe so besonders?

Lamspringe - Das Waldbad Lamspringe liegt in einer Analyse der Online-Bewertungen für 1732 deutsche Freibäder weit vor der Hildesheimer Jo-Wiese und dem Innerstebad in Sarstedt. Beim Besuch vor Ort wird klar – das Erfolgsrezept schreiben viele gemeinsam. (mit Video)

Das Waldbad in Lamspringe hat keine Sensationen zu bieten, aber viele Bausteine, die zum Erfolg führen. Foto: Werner Kaiser

Lamspringe - 800.000 Google-Rezensionen zu Freibädern hat das Portal Testberichte.de ausgewertet. 1732 Freibäder standen auf dem Prüfstand. Die Hildesheimer Jo-Wiese landete auf Platz 1518 (723 Bewertungen), das Sarstedter Innerstebad auf Platz 1308 (1245) und das Bad in Garmissen auf Platz 1246 (173). Das Waldbad in Lamspringe aber schoss den Vogel mit seiner Platzierung ab: Platz 35 (366). Aber was macht das Waldbad in Lamspringe denn nun so besonders?

Zum Beispiel die Lage: Hinter dem Bad erhebt sich ein Buchenwald, von einer Anhöhe, auf der das Café liegt, kann man über Lamspringe in die Landschaft schauen. Das Areal bietet großzügige Liegeflächen mit altem Baumbestand, darunter auch eine Beach-Volleyball-Feld. Dort, wo keine natürlichen große Schattenspender stehen, haben knallrote Sonnenschirme ihren Platz. Die hat der Förderverein des Waldbades gekauft. Der Verein ist der große Aktivposten des Bades. Seit 2018 unter dem Vorsitz von Andreas Humbert. Er ist zudem Bürgermeister der Gemeinde Lamspringe. Das Portal kannte der Verwaltungschef bisher nicht, auch vom Ranking hatte er nichts erfahren, bis das Resultat stand. „Ein unfassbares Ergebnis“, freut sich Humbert. Neben der landschaftlich guten Lage hat das Bad den Vorteil, dass es ausreichend Parkplätze im Umfeld gibt. In den Sommerferien kann auch der Grundschulparkplatz gleich nebenan genutzt werden. Kostenlos versteht sich. An einem normalen Ferientag ohne Programm kommen gut und gerne 1200 Gäste ins Bad. An Tagen mit Programm, Party oder Musik, sind es schon mal 1700 Menschen, die das Bad aufsuchen.

Kleine Führung für Neulinge

Gleich im Eingangsbereich empfangen Birgit Meier und Andrea Walter im Wechsel die Gäste. Gerade schlappt Andreas Arlt, von B. B. & The Blues Shacks mit Handtuch über der Schulter vorbei. Wer im Gegensatz zu ihm das erste Mal im Bad ist, bekommt eine kleine Führung. „Es sind viele Kleinigkeiten, die den Gästen Freude machen“, sagt Meier. Etwa, dass Frühschwimmer gleich am Eingang einen Kaffee bekommen – schon um 5.45 Uhr. Dazu gibt es einen Keks, die Schwimmer zahlen, was sie wollen, eine Spende für den Förderverein. Selbst der Kaffee ist besonders: Lamspringer Freibad-Mischung in Hildesheim geröstet. Wo gibt’s denn sowas?

„Das Personal ist hervorragend. Die Bademeister unglaublich kompetent“, schwärmt Stammgast Dietmar Miensopust. Er könne das beurteilen, sagt der Lehrer im Ruhestand, er habe schließlich den DLRG-Lehrschein. Viele Schwimmkurse bieten die Bademeister an und es gibt auch Aquasport. Peter Marhauer ist einer der Bademeister, neben Marcus Grotjahn und Claus Noleppe. Eigentlich sollte Marhauer 2011 nur einspringen. Er ist geblieben und das findet er gut. „Er ist unsere gute Seele“, lobt Gitta Reckzeh, Ortsbürgermeisterin und Mitglied im Förderverein. Sie trägt einen Korb mit frischgewaschenen Handtüchern für das Café.

Kein Pächter mehr

An diesem Tag steuert Reckzeh mit Monika Kaether und Gabi Wittkamp das auf dem Wall gelegene Café an. Früher bewirtschaftete ein Pächter den Kiosk. Doch der öffnete nicht bei schlechtem Wetter. Das Förderverein-Team ist in der Saison immer da. Und so werden dort Kindergeburtstage gefeiert, kommen Gäste nur zum Kaffeetrinken, ohne Eintritt ins Bad bezahlen zu müssen. Auch Gruppen von Menschen mit Beeinträchtigungen kommen und genießen die Freibad-Atmosphäre. Das Bad ist barrierefrei, fair und nachhaltig.

Kaffee und Kuchen gibt es auf Geschirr und „die besten Pommes der Welt“, wie sie Monika Kaether nennt, in Porzellanschälchen. 3,20 Euro kostet eine Portion mit Majo und Ketchup, für Currywurst Pommes sind 7 Euro fällig. An jedem Tag gibt es zwei verschiedene Kuchen und zum Beispiel Krümelmonster-Muffins für Kinder. „Wir haben eine Kuchenbäcker-App, da schreibt jeder rein, der etwas backt“, erklärt Monika Kaether, das erleichtert die Planung. Und garantiert Vielfalt. Vergangene Woche gab es Mon-Mandarine-Torte, Zwetschgenkuchen und Venezia-Torte mit Amaretto. „Neulich fragte eine Zehnjährige, ob sie auch für uns backen dürfte“, berichtet Reckzeh gerührt. Und, darf sie? „Na klar!“ Der Erlös aus dem Kuchenverkauf kommt in einen Spendentopf und das Geld fließt ins Freibad. Die roten Sonnenschirme wurden so bezahlt, ein Trampolin, Wasserfiguren im Kinderbereich, neue Stühle und Tische für das Café, ein Kuchenkühlschrank, eine Lade zum Tassen vorwärmen und, und, und.

Backen, putzen und bedienen

30 Ehrenamtliche im Alter von Anfang 40 bis fast 80 Jahren teilen sich die Arbeitsschichten im Café. Vor 19.30 Uhr kommt keiner der diensthabenden Ehrenämtler aus dem Bad. Sie bewirtschaften nicht nur den Kiosk, in dem es große und kleine bunte Tüten gibt. Sie kaufen ein, putzen – auch die Toiletten und waschen die Handtücher. Aufs Ganze gesehen sagt Monika Kaether, die ihrem Mann in dessen Tischlerei unterstützt: „Das hier ist genau mein Ding.“ Nur zum Schwimmen kommt sie kaum. Und wenn, dann ist für sie das Schönste, bei gleichmäßigen Zügen zu den großen Buchen am Waldrand zu schauen.

Das Waldbad-Lamm

Das Bad bietet einen Dreier, zwei Einer, eine große Rutsche, Startblöcke ein 50 Meter Becken, Zeitmessanlage für die Rutsche und ein eigenes Schwimmabzeichen – das Waldbad-Lamm. Am letzten Öffnungstag der Saison, dürfen die Hunde ins Wasser, 80 waren es im vergangenen Jahr.

200.000 Euro schießt die Gemeinde Lamspringe jährlich dazu. „Ein Minus-Geschäft“, sagt Bürgermeister Humbert. Allein die Personalkosten seien hoch. Dass das Bad dennoch eine gute Investition für die Gemeinde ist, das steht offenbar außer Frage. Platz 35 ist offenbar ein Beleg dafür, dass das Engagement aller im Waldbad honoriert werden.

Öffnungszeiten:

Die Öffnungszeiten Bad außerhalb der Sommerferien: 12 bis 20 Uhr, Wochenende 10 bis 20 Uhr. Öffnungszeiten Café: 14 bis 18 Uhr, Wochenende 12 bis 18 Uhr.

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