Energiekrise

Sarstedt bereitet Rathaus, Bauhof und Jugendzentrum auf möglichen Blackout vor

Sarstedt - Für den Schutz der Sarstedter Bevölkerung erhalten wichtige Gebäude Anschlüsse für eine externe Versorgung über Notstromaggregate. Damit wird auch eine neue Anlaufstelle bei einer Großschadenslage eingerichtet.

Der Sarstedter Stadtbrandmeister Jens Klug mit der Netzersatzanlage in der Feuerwache. Foto: Andreas Mayen

Sarstedt - Die Sarstedter Stadtverwaltung bereitet sich derzeit intensiv auf mögliche Stromausfälle im kommenden Winter vor. Bis Anfang November werden das Rathaus, der Bauhof und das Kinder- und Jugendzentrum Klecks mit Zugängen für elektrische Energie ausgestattet. An diese Stecker werden dann Notstromaggregate angeschlossen, damit die Gebäude unabhängig von der Versorgung über das Avacon-Netz weiterbetrieben werden können. Die Vorbereitungen sind Teil eines landkreisweiten Vorsorgekonzepts, das alle Landkreiskommunen verpflichtet, sich auf einen Strommangel vorzubereiten.

Ohnehin auf einen Stromausfall vorbereitet ist das Feuerwehrhaus im Gewerbegebiet Im Kirchenfelde. Dort wurde bereits beim Bau vor zehn Jahren eine Netzwerkersatzanlage eingebaut. „Gut, dass wir das damals gleich gemacht haben“, sagt Stadtbrandmeister Jens Klug. Die Netzwerkersatzanlage ist fest in der Wache eingebaut und springt bei einem Stromausfall innerhalb weniger Sekunden automatisch an. Sie verfügt über einen 1000-Litertank für Heizöl oder Diesel und einen Generator mit einer Leistung von 120 Kilowatt. Stadtbrandmeister Klug: „Die Anlage wird ein Mal im Monat überprüft und ist bisher immer angesprungen.“

Preise für Notstromaggregate sind hochgeschossen

Notstromaggregate sind derzeit naturgemäß am Markt schwer zu bekommen. „Ich habe eine Firma gefunden, die noch diesen Monat drei Aggregate liefern kann“, sagt Jens Klug, „aber die Preise dafür sind in die Höhe geschossen.“ Die Geräte werden dann bei Bedarf von einer Lagerstätte zu den Gebäuden transportiert und angeschlossen. Das soll maximal eine Stunde dauern. Die Funktionsfähigkeit von Feuerwache, Rathaus, Bauhof und Jugendzentrum soll im Krisenfall erhalten bleiben, da sie eine zentrale Rolle spielen.

Im Rathaus tagt bei einer größeren Notlage der Krisenstab der Stadt unter der Leitung von Bürgermeisterin Heike Brennecke, trifft die für Sarstedt notwendigen Entscheidungen und hält den Kontakt mit dem Krisenstab des Landkreises. Auch der Bauhof wird als kritische Infrastruktur eingestuft und soll in jeder Situation einsatzbereit sein.

Klecks wird zur Versorgungsinsel

Eine besondere Rolle nimmt das Kinder- und Jugendzentrum Klecks in der Friedrich-Ebert-Straße ein. Bei einem länger andauernden oder einem großflächigen Stromausfall wird das Klecks zu einer sogenannten Betreuungsinsel oder Wärmehalle. Jede Kommune im Landkreis muss diesem gegenüber ein entsprechendes Gebäude ausweisen. „Die Betreuungsinsel wird erst in einer zweiten Stufe bei einem Blackout über mehr als 24 Stunden aktiviert“, sagt Stadtkämmerer Sven Janisch, „diese zweite Stufe ist für ein großes Ausfallszenario vorgesehen.“ Die Entscheidung über die Aktivierung der Betreuungsinseln liegt bei den Krisenstäben Brandschutzabschnitte. Dann werden die Ortswehren auch in den Dorfgemeinschaftshäusern ihre mobilen Notstromaggregate aufstellen. Sven Janisch: „Wir schützen unsere kritische Infrastruktur.“

Bei einer kleineren Lage, etwa einem sogenannten Brownout sind die jeweiligen Feuerwehrhäuser Anlaufpunkte für die Bevölkerung. Als Brownouts bezeichnet man gezielte und zeitlich begrenzte Abschaltungen einzelner energieintensiver Großbetriebe oder von Stadtteilen, um das Stromnetz zu stabilisieren und die Gesamtversorgung zu sichern.

Bevölkerung soll vorsorgen

Doch Sven Janisch warnt davor, sich allein auf die Stadt zu verlassen. „Jeder Bürger und jede Bürgerin sollte auch für sich Vorsorge betreiben“, empfiehlt Janisch. Er verweist auf einen Infoflyer, die der Landkreis und deren Kommunen herausgeben sowie auf Infoblätter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Diese Flyer können bereits hier auf der Internetseite der Stadt Hildesheim runtergeladen werden.

Auch Stadt Hildesheim bereitet sich vor

Die Stadt Hildesheim hat nach Angaben von Stadtsprecher Helge Miethe bereits vor drei Jahren ein Blackout-Szenario vorzubereiten. Dabei seien auch die Akteure der Strom- und der Wasserversorgung sowie der Abwasserentsorgung eingebunden. Auch Notstromaggregate habe die Stadt bereits angeschafft und will die Notstromkapazitäten kurzfristig erweitern. Auch ein Konzept für eine Notlage liegt bereits vor. „Wir sind aktuell dabei, für zwingend notwendige Aufgaben ein Notrathaus zu implementieren“, sagt Miethe, „auch die Einrichtung einer Wärmehalle ist in Vorbereitung.“

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