Keine Kanalsanierung

Doch keine Sperrung: Stadt Hildesheim stoppt geplante Bauarbeiten in der Osterstraße

Hildesheim - Am kommenden Montag sollte die Kanalsanierung in der Hildesheimer Osterstraße beginnen. Im letzten Moment hat die Stadt Hildesheim das Vorhaben gestoppt. Und das hat einen ganz besonderen Grund.

Alles bleibt beim Alten: Die geplante Kanalsanierung der Osterstraße ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Foto: Sabrina Kleinertz

Hildesheim - Kuriose Wendung bei der geplanten Kanalsanierung in der Osterstraße: Die Stadt hat die zuvor von ihr selbst erteilte „verkehrsbehördliche Genehmigung“ für das Projekt am späten Donnerstag widerrufen. Damit kann die Stadtentwässerung Hildesheim (SEHi) mit ihren Bauarbeiten nicht, wie geplant, am kommenden Montag beginnen.

Die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren: Eine Fachfirma hatte ein Verkehrskonzept erarbeitet, wie die Verkehrsströme laufen können, wenn wechselnde Abschnitte der Osterstraße bis voraussichtlich Mai für die anstehenden Tiefbauarbeiten gesperrt werden müssen. In den betroffenen Straßenzügen war bereits mit der Aufstellung der neuen Verkehrsschilder begonnen worden.

Kommando zurück

Doch nun heißt es plötzlich: Kommando zurück. „Die Gefahr, dass in der Jakobistraße oder der Osterstraße Kampfmittel gefunden werden, ist vorhanden. Größere Baumaßnahmen wurden in den Straßen nach der Wiederherstellung noch nicht durchgeführt“, argumentiert die Stadt. Was heißt: Wenn es hier tatsächlich noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg geben sollte, hätte die bislang noch niemand entdeckt.

Im vergangenen Jahr hatte die SEHi allerdings schon den Mischwasserkanal der angrenzenden Jakobistraße erneuert, der nach dem Krieg verlegt und in den 1990er Jahren mit einem „Inliner-Verfahren“ saniert worden war. Allerdings wies er zum Schluss immer wieder Schäden auf, so dass eine Erneuerung überfällig wurde.

Kampfmittel wurden während dieser Bauarbeiten nicht gefunden. Der Kanal in der Osterstraße sollte eigentlich unmittelbar im Anschluss saniert werden, aus Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft der Kaufleute wurden die Arbeiten dann aber ins neue Jahr verschoben.

Grünes Licht zum Jahresende

Ende des Jahres erhielt die SEHi von der Stadt die kurz zuvor beantragte „verkehrsbehördliche Genehmigung“ zum Weiterbauen im Januar. Baufirmen wurden entsprechend instruiert, Material wurde geordert, Anlieger informiert. Und wie schon in der Jakobistraße wären die ganze Bauzeit über Experten der Kampfmittelbergung vor Ort gewesen, versichert die SEHi.

Nun argumentiert die Stadt: „Eine Kampfmittelsondierung hat an keiner Stelle stattgefunden, so dass ein Fund bei den Arbeiten am genehmigten Bauabschnitt nicht ausgeschlossen werden kann.“

Bedenken im Krisenstab

Daraufhin habe der Corona-Krisenstab der Stadt Bedenken geäußert, dass bei einem möglichen Fund erforderliche Evakuierungsmaßnahme in der derzeitigen Corona Situation „eine Gefahr für das Gemeinwohl“ darstellen könnten. „Nach sorgfältiger Abwägung aller Gesichtspunkte“, so die Stadt, habe ein Widerruf der bereits erteilten verkehrsbehördlichen Anordnung erfolgen müssen.

Der Geschäftsführer der SEHi, Dr. Erwin Voß, empfindet „dieses Rein in Maßnahme, Raus aus der Maßnahme“, als „nicht glücklich“. Wann die SEHi mit der Kanalsanierung beginnen kann, ist derzeit noch offen. Ein mögliches Datum wurde der SEHi bislang nicht in Aussicht gestellt, zudem ist fraglich, ob die Baufirmen jederzeit Gewehr bei Fuß stehen. Offen auch die Frage, ob Firmen wegen des geplatzten Auftrags Regressforderungen stellten können.

Immer wieder Bombenfunde

In der jüngeren Vergangenheit waren bei Erdarbeiten immer wieder Weltkriegsbomben gefunden worden: 2016 wurde eine 250-Kilo-Bombe im Rosenhagen entdeckt, 2010 mussten wegen einer Bombe in der Kreuzstraße 18 000 Menschen evakuiert werden, Bombenfunde gab es 2003 am Berliner Kreisel und in Himmelsthür, eine Fünf-Zentner-Bombe schlummerte bis 2000 in der Eckemekerstraße, 1999 wurde eine 2,5-Zentner-Bombe am Römerring entschärft, 1998 sogar eine 5-Zentner-Bombe in der Pieperstraße.

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