Hildesheim - Die Stadt will Gut Steuerwald an die Vinzentinerinnen verkaufen – das hat Oberbürgermeister Ingo Meyer jetzt gegenüber der HAZ bestätigt. Und auch die Generaloberin des Ordens, Schwester M. Teresa Slaby, bekräftigt: „Wir haben großes Interesse.“
Auf dem Gelände soll nach Vorstellung der Kongregation unter anderem das erste Hospiz Hildesheims errichtet werden, das von einer gemeinnützigen ökumenischen Gesellschaft betrieben werden soll, an der auch die Vinzentinerinnen beteiligt sind. Die Gesellschafterversammlung müsste dem Standort noch zustimmen.
Ordensschwestern planen Großes für das Gut Steuerwald
Doch was den Vinzentinerinnen vorschwebt, ist langfristig etwas noch viel Größeres: Ein Komplex, der Öko-Landwirtschaft, Hofladen, Hofcafé, inklusive Lernangebote und Arbeitsplätze bietet, ergänzt durch Kunst- und Kulturprojekte. „Wir wollen einen neuen Lebens- und Begegnungsraum für ganz unterschiedliche Menschen schaffen.“ Schwester Slaby verweist auf den heiligen Vinzenz von Paul, Ordenspatron ihrer Kongregation der Barmherzigen Schwestern: Nach dessen Vorbild wollten sie mit diesem Vorhaben soziale Verantwortung übernehmen und Sinnvolles für das Miteinander der Menschen tun – und das am liebsten in Hildesheim, wo auch das Mutterhaus und Verwaltungssitz des Ordens ist.
Der Reit- und Fahrverein Steuerwald, bereits seit 1974 Pächter der Anlage zwischen Himmelsthür und Nordstadt, soll nach derzeitigem Stand der Planungen auch nach einem Verkauf des Grundstücks und der Gebäude weiter auf dem Areal ansässig bleiben können, müsste sich aber räumlich vermutlich einschränken. Generaloberin Schwester M. Teresa Slaby sichert offene Gespräche zu. „Ich sehe Chancen, die Interessen miteinander zu verbinden.“
Oberbürgermeister: „Geht nicht um maximalen Profit“
Aus Sicht Ingo Meyers und auch der Stadtbaudezernentin Andrea Döring ist das Geschäft mit dem katholischen Orden, sollte es wie beabsichtigt bis Ende des Jahres besiegelt werden, die beste aller denkbaren Lösungen für das einstige bischöfliche Areal um die im 14. Jahrhundert errichtete Burg. So könnten die denkmalgeschützten Gebäude saniert und erhalten werden, ohne dass die Stadt das nötige Geld aufbringen müsse und für die auch dem Reitverein die Mittel fehlten, argumentiert der Oberbürgermeister. Zudem sieht er in einer weitgehenden Öffnung des Areals für Besucher die Chance, im Norden der Stadt ein attraktives „Pendant zur Domäne Marienburg“ zu erhalten. Das Gut könnte, so Meyers Hoffnung, auch zu einer festen Anlaufstelle für Radfahrer und andere Ausflügler werden. Auch Döring findet die angestrebte Nutzung für soziale Einrichtungen und den „Aspekt der Öffnung“ besonders wichtig.
Aus rein finanziellen Erwägungen gäbe es für die Stadt andere, lukrativere Varianten, sagt Meyer. So habe es in der Vergangenheit mehrfach Anfragen von Investoren gegeben, die auf der Suche nach Flächen für den Immobilienbau waren. „Es geht uns aber nicht darum, den maximalen Profit herauszuholen“, bekräftigt Meyer. Das Konzept der Vinzentinerinnen sei ausschlaggebend für die Entscheidung der Verwaltung, mit ihnen das Geschäft zu machen. Das letzte Wort hat allerdings die Politik, die Gremien sollen sich im zweiten Halbjahr mit dem Thema beschäftigen und konkrete Beschlüsse fassen, bis Ende des Jahres könnte der Rat den Deal dann endgültig abgesegnet haben, hofft Döring.
Dass der Reitverein auch nach Übernahme durch den Orden am Standort bleiben solle, das habe man von Beginn der ersten konkreten Gespräche mit den Barmherzigen Schwestern Anfang des Jahres zur Bedingung für den Verkauf gemacht, berichtet Andrea Döring im Gespräch mit der HAZ. „Der Verein ist eine wichtige Größe in der Stadt.“
Stadt will, dass Reitverein auf Steuerwald bleibt
„Es ist auch bei uns so angekommen, dass eine Zusammenarbeit in Steuerwald weiterhin möglich und auch gewünscht ist“, erklärt Oliver Tüpker, Vorsitzender des Reitvereins. Dessen Mitglieder hatte Andrea Döring selbst über den möglichen Verkauf der Anlage informiert. Er wisse, dass manche im Verein sich nun Sorgen machten, er selbst „stehe der Sache erst einmal neutral und offen gegenüber“, sagt Tüpker. Nun gehe es darum, alle offenen Fragen zu klären. Die erste Gelegenheit dazu gibt es bereits am Mittwoch, 12. Mai, dann trifft Tüpker mit Döring und der Generaloberin der Vinzentinerinnen zusammen.
Investitionskosten noch unklar
Über den möglichen Kaufpreis und das weitere Investitionsvolumen sagen Schwester M. Teresa Slaby und die Generalvikarin des Ordens, Schwester Canisia Corleis bisher nichts. Es sei aber klar, dass allein die Sanierung der historischen denkmalgeschützen Gebäude „einiges an Geld verschluckt“, sagt die Generaloberin.
Für das neue Hospiz würde die Kongregation einen Neubau errichten lassen, die Betreibergesellschaft Pächterin werden. Neben den Vinzentinerinnen selbst bilden das St. Bernward Krankenhaus, die Caritasverbände für die Diözese Hildesheim sowie für Stadt und Landkreis Hildesheim und der evangelische Kirchenkreisverband Hildesheim die Trägergesellschaft der Einrichtung.

