Stadt will Batteriespeicher zwischen Sarstedt und Gödringen ausbremsen

Titel: Batteriespeicher Sarstedt Gödringen Beschreibung:

Die Verwaltung sorgt sich um die Möglichkeit, weitere Baugebiete zwischen dem Sonnenkamp und dem Ortsteil zu schaffen. Der Konflikt dürfte auch andere Kommunen interessieren.

Von Tarek Abu Ajamieh

Sarstedt/Gödringen. Wird eine große Ackerfläche zwischen Sarstedt und Gödringen zum Standort eines großen Batteriespeichers – oder steht der Bereich vollständig für mögliche künftige Wohngebiete zur Verfügung? Diese Frage beschäftigt die Stadt Sarstedt weiter intensiv, wie Bauamtsleiter Rembert Andermann in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses deutlich machte. Es folgte eine kurze, aber intensive Debatte zur Bedeutung solcher Speicher für die Energiewende.

Schon vor einigen Monaten hatte die Nachricht, ein Investor plane einen Batteriespeicher nahe der Avacon-Trafostation zwischen Sarstedt und Gödringen, Politik und Verwaltung aufgeschreckt. Schließlich denkt die Stadt zumindest perspektivisch an eine weitere Osterweiterung des Sonnenkamps, hat dafür den Bebauungsplan „Wildes Feld“ aufgestellt. Batteriespeicher sollen aber laut Bauamtsleiter Andermann nach aktueller Rechtslage mindestens 200 Meter Abstand zur Wohnbebauung haben.

Die Sorge im Sarstedter Rathaus: Ist ein Batteriespeicher erst einmal genehmigt, blockiert er die mögliche weitere Siedlungsentwicklung. Und zwar aus beiden Richtungen. Sowohl vom Sonnenkamp aus als auch aus Richtung Gödringen. Dort böten zum Beispiel die Flächen der stillgelegten Gärtnerei Potenzial für mögliche künftige Baugebiete. Andermann deutete an, was viele Sarstedter schon länger vermuten: dass der Sonnenkamp und Gödringen irgendwann in den nächsten Jahrzehnten regelrecht zusammenwachsen könnten.

Wäre da nicht das Speicher-Thema. Andermann berichtete im Ausschuss jetzt von einer „zweiten Bauvoranfrage“ und konkret davon, dass der potenzielle Investor für das erste Projekt sein vorgesehenes Gebiet „einfach ein Stück weiter nach Osten verschoben hat“, um dem neuen Bebauungsplan der Stadt für das „Wilde Feld“ auszuweichen – und auf dieser Grundlage eben eine neue Voranfrage an den Landkreis Hildesheim als zuständige Behörde gerichtet habe.

„Wir begrüßen als Verwaltung jede Maßnahme, die zum Gelingen der Energiewende beiträgt“, betonte Bauamtsleiter Rembert Andermann in der Ausschusssitzung. „Im vorliegenden Fall kann die Lage eines Batteriespeichers aufgrund gegebenenfalls notwendiger Abstandsflächen zum Lärm- und Elektrosmogschutz aber dazu führen, dass angedachte Erweiterungsflächen für eine Wohnbebauung nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Da das Sarstedter Stadtgebiet in der Kernstadt wie auch in den sechs Ortsteilen generell nicht allzu viele Erweiterungsflächen zulasse, müssten Politik und Verwaltung sorgfältig abwägen, welche Ziele Vorrang haben.

Zudem seien aktuell geplante Speicher meist nicht so sehr darauf ausgelegt, Strom aufzunehmen, wenn ein Überschuss etwa durch Wind- und Solarstrom im Netz droht, und welchen abzugeben, wenn ein Mangel an Strom aus erneuerbaren Quellen herrscht: „Das Geschäftsmodell ist eher, Strom aus dem Netz zu ziehen, wenn er günstig ist, und ihn wieder einzuspeisen, wenn der Preis an der Leipziger Strombörse hoch ist.“

Andermann brachte auch eine sogenannte Veränderungssperre für den Bereich ins Gespräch und deutete an, die Verwaltung könne den Stadtentwicklungsausschuss dazu unter Umständen kurzfristig erneut zusammenrufen.

Unterstützung bekam der Bauamtsleiter vom Ausschussvorsitzenden Martin Reinckens (SPD), Gegenwind von Johann Härke (Grüne). Er sehe da gar keinen Widerspruch, sagte Härke – schließlich sei Strom günstiger, wenn viel davon vorhanden sei, und teurer, wenn er knapp sei. Folglich könne ein Speicherbetreiber zugleich wirtschaftlich und „netzdienlich“, wie die Fachleute das nennen, handeln.

Die Bundesnetzagentur erklärte dazu auf Anfrage der Redaktion, die Frage, wer Recht habe, lasse sich so pauschal nicht beantworten. Die Behörde arbeitet nach eigenem Bekunden derzeit an der Regulatorik für Batteriespeicher, Entscheidungen stehen aber noch aus.

  • Gödringen
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.