Hildesheim - Die beiden Stadtteile Itzum und Marienburger Höhe zählen zu den verkehrsreichsten im Stadtgebiet. Das soll sich ändern: weniger Autoverkehr, weniger Parkraum, dafür mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Außerdem soll der Bus besser und vor allem häufiger rollen. Das ist in Kurzform das Ergebnis des neuen Mobilitätskonzepts Hildesheimer Süden, das nun Stadtplaner Michael Veenhuis erstmals im Ortsrat Itzum am Dienstagabend präsentiert hat.
Das gesamte Konzept umfasst fast 220 Seiten, voll mit Erläuterungen, Grafiken und Beispielen. Es gibt aber auch eine Kurzfassung. Am Beispiel der Marienburger Straße macht Veenhuis im Ortsrat deutlich, wie die in Teilabschnitte künftig aussehen könnten. Fuß- und Radwege werden getrennt zum Beispiel durch eine Baumreihe. Parkplätze entfallen oder liegen weiterhin direkt an der Straße. Es gibt derzeit zahlreiche neuralgische Punkte, führt Veenhuis aus. Direkt hinter dem Klingeltunnel sei beispielsweise ein Engpass vor dem Discounter, wo auf engem Raum Radler und Fußgänger aufeinandertreffen.
„Wir wollen das Zufußgehen als Basismobilität stärken“, zitiert Veenhuis eine Aussage des Konzeptes. Das bedeutet nicht, längere Wege zu Fuß gehen zu müssen, sondern sicherer über die Straße zu kommen – wie zum Beispiel im Bereich der Einmündung Spandauer Weg. Dort soll durch Wegführung und Farbmarkierungen auf der Straße das Augenmerk auf Fußgänger und Radfahrer gelenkt werden.
Und hier soll für Radler auch die neue Veloroute in Richtung Stadtzentrum starten, die über die Ackerfläche Wasserkamp am Südfriedhof vorbei in Richtung Zentrum führen soll, erläutert Veenhuis. Ein Gedanke dahinter: Radwege zügig ausbauen, besonders dort, wo Wohngebiete geplant werden. Dann erkennen die künftigen Bewohner frühzeitig, dass sie leichter aufs Auto verzichten können. Quasi eine Trendwende in der Stadtplanung.
Fünf Bausteine in fünf Jahren
Es sind viele Bausteine, die in den nächsten fünf Jahren an den Start gehen sollen. Dabei spielt der Marienburger Platz vor dem Hauptcampus der Uni eine zentrale Rolle. Mit dem anvisierten Umbau des Einkaufszentrums soll der Bereich neu gestaltet werden. An der Hochschule und auch im Bereich Ostbahnhof sollen sogenannte Mobilitätszentren entstehen, wo der Umstieg vom Rad in den ÖPNV erleichtert werden soll, es aber auch Plätze fürs Carsharing geben soll.
Dazu passt, dass 2024 der Nahverkehrsplan der Stadt wieder neu konzipiert wird, wie alle fünf Jahre. Mit möglicherweise gravierenden Veränderungen, kündigt Veenhuis an: Geplant sei die Anbindung der Domäne Marienburg, eine neue und bessere Taktung, möglicherweise auch komplett neue Linienführungen. Die Stadt will nun ernst machen mit ihrer Mobilitätswende. Ein Ziel, dass das Land Niedersachsen bereits mit einem Datum versehen hat: 2040 soll sie landesweit umgesetzt sein.
Klingeltunnel bleibt Knackpunkt
Doch bei aller Euphorie wurde im Ortsrat auch deutlich, dass Knackpunkte bleiben werden. Dazu zählt neben dem Klingeltunnel auch die Situation im Bereich der Scharfen Ecke, die Hoffnung auf einen Bahnhaltepunkt für die Domäne Marienburg dürfte sich auch noch über Jahre hinziehen. In den Sternen steht zudem, wann und ob überhaupt der Wasserkamp bebaut wird.
Einig sind sich jedoch Rat und Verwaltung mit Vorlage des Konzeptes darin, dass der Teilbereich Hildesheimer Süden Vorbild auch für die anderen Stadtteile werden kann. Über die Kosten oder gar die Option, künftig für den ÖPNV auch ausreichend Personal zu finden – darüber kann Veenhuis keine Aussagen machen. Nun wird das Konzept zunächst die weiteren Gremien passieren und im Herbst dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. Klar dürfte zumindest sein, dass sich in den nächsten Jahren und auf den Hildesheimer Straßen einiges tun wird, um vor allem Autofahrer zum Umsteigen auf andere Verkehrsmittel zu motivieren.
Kommentar: Gute Lösungen für ein neues Verkehrskonzept
Die Stadt will nun endlich Tempo machen beim Thema Mobilitätswende. Ein Beispiel dafür ist ein neuer Radweg, der über den Acker am Wasserkamp am Südfriedhof in Richtung Stadtzentrum führen soll. Der soll gebaut werden, bevor dort das geplante Wohngebiet entstehen könnte. Die Idee ist, es so Neusiedlern schmackhaft zu machen, aufs eigene Auto oder den Zweitwagen zu verzichten. Das gleiche Prinzip soll nun auch für den Rest der Mobilitätswende eine Rolle spielen. Also neue Angebote schaffen, um den Umstieg aufs Rad oder in den Bus leichter zu machen. Ein guter Ansatz, der möglichst schnell mit ersten Projekten umgesetzt werden sollte. Wenn der Rat dem Konzept am Ende zustimmt, sollte er auch die ersten Mittel dafür zur Verfügung stellen. Denn erst mit guten Alternativen kann man diejenigen überzeugen, die die Bequemlichkeit des eigenen Autos weiterhin so hoch einschätzen.


