Sieben Monate nach dem Start

Staus, aber kein Hinweis, manchmal auch umgekehrt: Hildesheims Verkehrsleitsystem läuft nicht rund

Hildesheim - Sieben Monate sind seit dem Start des neuen digitalen Verkehrsleitsystems in Hildesheim vergangen. Doch noch immer läuft die Anlage nicht rund – was die Stadt jetzt plant.

Das Verkehrsleitsystem in Hildesheim läuft noch nicht. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Sieben Monate sind seit dem Start des neuen digitalen Verkehrsleitsystems vergangen. Doch noch immer läuft die Anlage nicht rund, stimmen Anzeigen auf den Info-Tafeln nicht mit der Wirklichkeit überein – wenn es denn überhaupt Anzeigen gibt. Die Stadtverwaltung hat deshalb für die nächsten Tage ein Treffen mit Vertretern der Firma, die das System erstellt hat, und dem Planungsbüro, das dessen Betrieb begleitet, anberaumt: Es geht einmal mehr darum, die Vorgaben zu justieren.

Die junge Frau aus Springe war irritiert: Als sie dieser Tage auf der B1 nach Hildesheim fuhr, leuchtete auf der Info-Tafel an der Tankstelle in der Bückebergstraße ein Stau-Hinweis für die Kaiserstraße auf. Doch dort gab es gar keine größere Verkehrsbehinderung. Viele Autofahrer machen derzeit allerdings genau gegenteilige Erfahrungen: Die Displays, die sie auf dem Weg in die Stadt passieren, bleiben dunkel, obwohl der Verkehr im Zentrum stockt, wie sie später feststellen müssen.

Testfahrten mit einem der externen Experten geplant

Dabei soll das neue System genau solche Situationen verhindern – schließlich ist die Idee, den Verkehr mit Hinweisen am Stadtrand weiträumig um die Innenstadt herumzuführen, wenn es in dieser ohnehin schon zu eng ist. Doch das funktioniere noch nicht, sagt Bettina Beyer, die Verkehrstechnik-Expertin der Stadt. Sie hatte bereits zum Start des Systems im August die Erwartungen relativiert: Während der Vertreter der Herstellerfirma von dessen „Einmaligkeit in Deutschland“ schwärmte, wies Beyer nüchtern darauf hin, dass die Anlage erst einmal anhand der Wirklichkeit geeicht werden müsse. Und das könne durchaus einige Zeit dauern.

Beyer behielt Recht: Zuerst waren die Vorgaben für die Verkehrsmenge und die „Reisezeit“ (wie schnell kommt man von Punkt A nach B?) zu niedrig eingestellt, so dass die Info-Tafeln ständig Warnungen vor Staus anzeigten, die es gar nicht gab – weshalb die Stadt die Einstellungen neu justieren ließ. Seither allerdings springen die Displays offenkundig zu selten an, wie auch Beyer einräumt. Sie will deshalb mit Hersteller und Planungsbüro über eine weitere Neujustierung sprechen. „Das geht eben nicht automatisch“, betont die Verwaltungsmitarbeiterin. Um die richtigen Vorgaben zu finden, plant Beyer Testfahrten mit einem der externen Experten. Dass die Stadt das System gemeinsam mit Hersteller und Planungsbüro noch zum Laufen bekommt, steht für sie außer Frage: „Wir müssen Geduld haben.“

Das gilt auch für sie selbst. Denn Beyer wollte mit der Neujustierung des Verkehrsleitsystems schon weiter sein. Doch in den vergangenen Wochen hatte zunächst die Auswertung der Umgestaltungen an den Kreuzungen am Hindenburgplatz, an der Arneken Galerie und der Ecke Hohnsen/Struckmannstraße Vorrang – dort hat die Stadt im Herbst die Ampelphasen und Spuraufteilungen verändert, um den Durchgangsverkehr mit diesen sogenannten „Netzwiderständen“ dazu bringen, das Zentrum zu meiden. Die Idee dahinter: Die Autofahrer, die dort eigentlich nicht hinwollen, sondern nur aus Bequemlichkeit durchfahren, sollen merken, dass der Weg um die Stadt für sie schneller ist.

Bauverwaltung will Anfang April im Stadtentwicklungsausschuss über Lage nach Umgestaltungen an Kreuzungen informieren

Doch das ist noch nicht gelungen, wie die Verwaltung bereits vor einigen Wochen einräumte. Genaueres werde man Anfang April im Stadtentwicklungsausschuss berichten, hat Baudezernentin Andrea Döring bereits mehrfach angekündigt. Netzwiderstände und Verkehrsleitsystem sollen sich ergänzen, um die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Doch warum hat die Tafel an der Bückebergstraße jüngst einen Stauhinweis für die Kaiserstraße angezeigt, wo doch das Leitsystem aktuell eher zu spät reagiert, wenn es das überhaupt tut? Beyer führt dies auf Störungen im Verkehrsrechner der Stadt zurück. „Da kommt gerade einiges zusammen.“ Das Verkehrsleitsystem hat rund zwei Millionen Euro gekostet, der Betrag ist von Bund und Land bezahlt worden. Anlass war die damals zu hohe Belastung der Schuhstraße mit Stickstoffdioxid. Die Kosten von rund 400.000 Euro für die Netzwiderstände hat fast komplett das Land getragen.

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