Landkreis Northeim

Ein Besuch am Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden

Salzderhelden - Bei Einbeck soll ein zentrales Hochwasserrückhaltebecken das Wasser der Leine in Richtung Hildesheim regulieren. So funktioniert es. (mit Video)

Am 116 Meter langen Abschlussbauwerk des Überlaufbeckens Salzderhelden strömt Wasser in die Leine. Foto: Christian Harborth

Salzderhelden - Wie viel Wasser aus dem Harz in die Leine und damit in Richtung Landkreis Hildesheim strömt, hängt maßgeblich vom Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden im Landkreis Northeim zusammen. Seit 1994 regelt das Land Niedersachsen hier über seinen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auch, wie viel Wasser durch Alfeld, Gronau, Nordstemmen oder Sarstedt fließen darf.

Am Donnerstag strömen zahlreiche Schaulustige zum zentralen Bauwerk der Anlage am Ortsrand des Einbecker Ortsteils. Alte Luftaufnahmen zeigen eine schmale Leine beiderseits des Staudamms. Am Donnerstag wirkt die Umgebung nördlich wie südlich des Staudamms wie eine Seenlandschaft. Braune Wassermassen schieben sich aus Richtung Northeim heran, verschwinden brausend in großen Strudeln – sichtbare Folgen der unter der Wasseroberfläche geöffneten Verschlüsse – und schießen jenseits des Rückhaltebeckens unter hohem Druck wieder an die Oberfläche.

Was das Wasser mitreißt, sammelt sich am Staudamm

Offenbar drückt aber deutlich mehr Wasser nach als kontrolliert in die Leine gegeben wird. Wassermassen fließen entlang des 116 Meter langen Bauwerks auch über die obere Kante und ergießen sich auf der anderen Seite in die schäumende Flut. Was das Wasser entlang der Strecke mit sich reißt – Bäume, Büsche und Unrat – bildet an der Kante eine tonnenschwere feste Masse. „In der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember wurde im Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden der Vollstau erreicht“, sagt NLWKN-Sprecher Fabian Buß.

Das Hochwasserrückhaltebecken nahe Einbeck, rund 50 Kilometer von der Stadt Hildesheim entfernt, bildet das Herzstück einer üppigen Schutzanlage, mit dem das Land eigentlich Situationen wie die jetzt eingetretene verhindern will. Vom gesamten Niederschlagseinzugsgebiet der Leine von 6500 Quadratkilometern zwischen Quelle und Mündung beeinflusst das Hochwasserrückhaltebecken mit 2200 Quadratkilometern ein gutes Drittel, darunter die niederschlagsstarken Gebiete des Harzes und seines Vorlandes. Die Pläne für die Anlage gibt es seit einem halben Jahrhundert. Vor fast 30 Jahren wurde die Leine zum ersten Mal bei Salzderhelden gestaut.

Ein Nadelöhr mit 38 Milliarden Liter Wasser im Becken

Bei Hochwasser hat das NLWKN die Möglichkeit, die Verschlüsse zu steuern und so den Abfluss in das Unterwasser zu regeln. Als Ober- und Unterwasser bezeichnet man im Wasserbau die Seiten diesseits und jenseits der künstlichen Fallstufen. In Salzderhelden wird sie Abschlussbauwerk genannt.

Es ist so etwas wie ein Nadelöhr innerhalb der Dammbauwerke, die sich über 26 Kilometer ziehen und in fünf einzelnen Bereichen, auf einer Fläche von etwa 1000 Hektar, zusammen 37,4 Millionen Kubikmeter Wasser stauen können. Am Donnerstag um 15 Uhr befinden sich fast 38 Millionen Kubikmeter im Becken. Das sind 38 Milliarden Liter Wasser. Das NLWKN lässt zu dieser Zeit fast 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Anlage. Zum Vergleich: Am 22. Dezember waren es noch rund 80 Kubikmeter pro Sekunde.

Über Siele und Schöpfwerke werden die Bereiche geregelt

Die einzelnen Bereiche des Rückhaltebeckens werden Polder genannt. Über Siele und Schöpfwerke regeln die Fachleute des NLWKN die Verteilung innerhalb der Polder. Kommt das Hochwasser, wird es zunächst in Polder 1 zurückgehalten. Er fasst allein 16 Millionen Kubikmeter. Läuft er voll, fließt das Wasser über gestaffelte Überlaufstrecken in die Polder 2, 3 und 4. Polder 5 wird nur in Extremfällen genutzt.

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