Hildesheim - „Wir suchen dich!“: Mit diesen Worten beginnt so manche Stellenanzeige. Das Bild daneben ist für eine Ausschreibung einer Steuerberater-Kanzlei allerdings ungewöhnlich. Es zeigt einen Hund. Einen Beagle, um genau zu sein. Großklaus und Kollegen aus Hildesheim suchen Verstärkung für ihr Team. Auch ein neuer Büro-Hund ist willkommen. Dass es in der Kanzlei tierlieb zugeht, das ist bereits bewiesen. Denn im Haus gibt es schon eine tierische Kollegin: Seli, vier Jahre alt, Terrier-Mix.
Ein Terrier-Mix am Empfang
Seli gehört seit Februar zum Team der Kanzlei an der Theaterstraße. Sie ist das erste vierbeinige Mitglied im Team. Immer an ihrer Seite: die Sekretariatsmitarbeiterin Susanne Boßerhoff. Sie hat ihren Platz am Empfang der Kanzlei, neben ihrem Schreibtisch liegt eine kleine Decke auf dem Boden, hinter dem Büro-Stuhl stehen ein Schnüffel-Geduldspiel für Hunde, Wassernäpfchen, in der Fensterbank eine Schale mit Leckerlies. „Hätte ich Seli nicht mit zur Arbeit bringen können, hätte ich eine Betreuung für sie suchen müssen“, sagt Boßerhoff. Es ist natürlich für beide schöner und unkomplizierter, wenn sie am Morgen gemeinsam zur Arbeit gehen können.
Als sich Boßerhoff bei Großklaus und Kollegen vorgestellt hatte, fragte sie, ob sie ihren Hund mit zur Arbeit bringen dürfte. „Da haben wir natürlich erst einmal die Mitarbeiter befragt“, erzählt Steuerberater Matthias Rusack, der mit Gregor Ernst die Kanzlei leitet. Da das Team nichts gegen einen Hund einzuwenden hatte, durfte Seli mit anfangen.
Herzen des Teams erobert
Die Hundedame hat schnell die Herzen der Kollegen und Kolleginnen erobert. Mal liegt sie bei dem einen Mitarbeiter im Büro in der Sonne, mal holt sich von einer anderen Kollegin einen Kohlrabi-Snack ab, mal darf sie Joghurtbecher auslecken. Oder sie läuft in den ersten Stock ins Büro von Chef Ernst, um dort ein Nickerchen zu machen. „Er hat extra für sie eine Decke auf den Boden gelegt“, sagt Boßerhoff und schmunzelt. Ja, die Atmosphäre ist ein bisschen anders geworden, seitdem Seli im Sekretariat mit von der Partie ist. „Es ist schon nett, wenn sie hier herumläuft und jeden begrüßt“, sagt Rusack.
Und in dieser netten Atmosphäre sei noch reichlich Platz für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ab sofort. „Wir suchen Steuerfachangestellte, Steuerfachwirte, Buchhalter und Lohnbuchhalter“, zählt Rusack auf. Es sei schwer geworden, neue Mitarbeiter zu finden, da müsse man sich schon etwas einfallen lassen. Dass ein Büro-Hund dazugehören könnte, daran wäre vor 15 Jahren noch nicht zu denken gewesen, meint er.
Anzeigen-Kampagne gestartet
Nun hat die Kanzlei eine Online-Anzeigen-Kampagne in Auftrag gegeben. Bietet Stellen in Voll- und Teilzeit an, es werden die Vorzüge der Kanzlei, etwa Homeoffice-Tage, und die Leistungen für die Mitarbeiter aufgeführt. Rücklauf sei da, aber in keinem Vergleich zu noch vor ein paar Jahren. „Früher haben wir eine Anzeige in der HAZ geschaltet und bekamen zehn Bewerbungen“, erinnert sich der Steuerberater. Die Zeiten sind vorbei. Wer weiß, vielleicht ist der Hund im Büro ja ein Argument für eine Bewerbung. Zum Vorstellungsgespräch muss der Vierbeiner übrigens nicht mitkommen. Auch wird es kein separates Gespräch vor der Einstellung mit Seli geben. Es wäre schon gut, wenn sie sich gut verstehen und vielleicht später gemeinsam losziehen, um Kohlrabi-Stücke oder andere Leckerlis einzuheimsen. Doch das ist keine Bedingung. „Denn jeder Mitarbeiter hat hier sein eigenes Büro“, sagt Rusack. Und jeder Hund damit auch.



