Hannover - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigt einen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr an: Am Dienstag, 11. Februar, sollen die Beschäftigten der Üstra die Arbeit ganztägig niederlegen. Damit bleiben alle Stadtbahnen und Busse von Betriebsbeginn, 3 Uhr, bis Betriebsende am frühen Mittwochmorgen, 3 Uhr, im Depot. Betroffen ist auch das Personal von Üstra-Reisen. Fahrgäste müssen auf alternative Verkehrsmittel wie S-Bahnen oder Regiobus ausweichen. Denn: „Es wird keinen Notfallfahrplan geben“, sagt Üstra-Sprecher Heiko Rehberg.
Für viele Fahrgäste, die erst im Februar und März 2024 etliche Streiktage im Nahverkehr bewältigen mussten, kommt die Arbeitsniederlegung überraschend. Dieses Mal geht es aber nicht um den Rahmentarifvertrag, für den das Personal im vergangenen Jahr gekämpft hatte. Es geht vielmehr um den Tarifvertrag zum Einkommen: Verdi fordert eine Anhebung des Lohnes um acht Prozent, mindestens aber 350 Euro monatlich, eine höhere Vergütung für Azubis und ein „Meine-Zeit-Konto“. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll bei zwölf Monaten liegen.
Verdi kritisiert fehlendes Angebot der Arbeitgeber
„Die ersten Verhandlungen sind ergebnislos verlaufen“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Marian Drews und kritisiert, dass die Arbeitgeber bislang kein Angebot vorgelegt hätten. Deshalb plane Verdi jetzt den Arbeitskampf bei unterschiedlichen kommunalen Arbeitgebern, zu denen neben der Üstra auch kommunale Kliniken, Enercity, der Abfallentsorger Aha oder auch Sparkassen und Jobcenter zählten. Da Verdi offenbar ahnt, dass das Verständnis der Betroffenen, insbesondere den Fahrgästen von Bussen und Bahnen, eher gering ist, stehen mehrere Aktionen an.
Dabei wollen die Beschäftigten mit Interessierten ins Gespräch kommen: „Ziel ist es, die Öffentlichkeit in den wichtigen Bereichen zu informieren und über die Forderungen der Tarifrunde zu diskutieren“, sagt Sinem Dogan von Verdi. „Der öffentliche Dienst ist das Rückgrat unserer Gesellschaft“, sagt Emanuel Gläß, bei der Üstra beschäftigt und bei Verdi organisiert. Er und seine Kollegen hätten in den vergangenen Jahren die Handlungsfähigkeit der öffentlichen Hand in Krisen erhalten, deshalb müssten die Arbeitgeber die Forderungen jetzt ernst nehmen.
Streik bei der Üstra: Regiobus nicht betroffen
Der Arbeitskampf betrifft nicht die Busse, die im Auftrag von Regiobus in den Umlandkommunen unterwegs sind, und den Sprinti, wie Gewerkschaftssekretär Marian Drews mitteilt. Einzige Ausnahme: die SprintH-Linie 800. Diese wird von der Üstra betrieben und fällt aus.
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Von Antje Bismark
