Nordstemmen/Hannover - Die Querelen um die Marienburg haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Stiftungsrat der Stiftung Schloss Marienburg hat Vorstand Ulrich von Jeinsen gefeuert – „aus wichtigem Grund, mit sofortiger Wirkung“, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Als Begründung nannte der Stiftungsrat „grobe und wiederholte Pflichtverletzungen“ seitens von Jeinsen. Dadurch sei das Vertrauensverhältnis empfindlich gestört. Der 72-Jährige ist bereits der sechste Vorstand seit Gründung der Stiftung vor fünf Jahren.
Stiftungsrat und Stiftungsaufsicht seien sich einig, „dass die sofortige Abberufung geboten ist, um die Funktionsfähigkeit der Stiftung sicherzustellen und Schaden von der Stiftung abzuwenden“, hieß es weiter in der Mitteilung. Bis zum Jahresende wurde Christine Fiedler zum Stiftungsvorstand berufen. Die Stelle soll in den kommenden Tagen neu ausgeschrieben werden.
Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Ministeriums
Der Vertrag mit von Jeinsen wäre Ende dieses Jahres ausgelaufen. Angesichts der Spannungen zwischen ihm und dem Ministerium galt eine Vertragsverlängerung ohnehin als unwahrscheinlich. Insider sprechen von einem regelrechten Machtkampf. Auch frühere Beschäftigte der Marienburg klagten immer wieder über eine Gängelung durch das Haus von Kulturminister Falko Mohrs (SPD). Die Kritiker haben den Verdacht, dass das Ministerium die Stiftung aushöhlen und abwickeln möchte, um die Marienburg zum Landesmuseum machen zu können.
Das Tischtuch war offenbar endgültig zerschnitten, als von Jeinsen Strafanzeige gegen einen Ministeriumsmitarbeiter gestellt hat. Dabei geht es um den Tatvorwurf der Nötigung beziehungsweise der versuchten Nötigung. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft die Vorwürfe. Zu Details schweigen die Beteiligten. „Mit Blick auf ein laufendes Verfahren werde ich mich nicht äußern“, sagte von Jeinsen jüngst.
Minister Mohrs will sich zur Personalie nicht äußern
Kulturminister Mohrs will sich zur Personalie von Jeinsen nicht äußern. „Für die Marienburg ist es wichtig, den Blick nach vorne zu werfen“, sagte er dieser Redaktion. Priorität habe ein zügiger Beginn und Abschluss der Sanierungsarbeiten. „Wir möchten die Marienburg schnellstmöglich wieder besuch- und erlebbar machen.“
Derzeit sind die wichtigsten Räume des Schlosses aufgrund einer umstrittenen baufachlichen Stellungnahme wegen Einsturzgefahr behördlich gesperrt. Für die Sanierung haben Land und Bund mehr als 27 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zuletzt wurde bekannt, dass die Fertigstellung sich bis mindestens 2031 verzögern soll.
