Hildesheim - Autofahrern ist das Verkehrszeichen VZ 209 geläufig: hier nur rechts abbiegen. An der Ausfahrt vom Uni-Parkplatz auf die Ortelsburger Straße wird es jedoch fast ununterbrochen ignoriert. Wann sich vor allem dann bemerkbar macht, wenn in der Hochschule Hochbetrieb herrscht und die meisten Seminare laufen: dienstags bis donnerstags in der Zeit von 9 bis 14 Uhr. Weil der eigene Parkplatz schnell gefüllt ist, suchen die Studierenden dann nach Ausweichplätzen im anliegenden Wohngebiet. Zum Ärger der Anlieger.
Ein Dauerproblem, das mit dem Wachstum der Uni ebenfalls gewachsen ist. Längst gibt es eine Bürgerinitiative der Anlieger. Gestern Vormittag haben deren Vertreter, Mitglieder des Ortsrates Marienburger Höhe/Galgenberg und Vertreter der Uni an der Ausfahrt die Situation beobachtet und Flyer verteilt. Vor allem Katalin Kuse, Klimaschutzmanagerin der Uni, spricht die Autofahrer und -fahrerinnen direkt bei der Ausfahrt an und weist auf das neue Verkehrsschild hin.
Neues Verkehrsschild wird ignoriert
Die nicken dann leicht genervt, biegen meist auch nach rechts ab, drehen eine kleine Kurve und fahren – völlig korrekt – dann wieder in die Ortelsburger Straße, um den nächstbesten freien Parkplatz zu ergattern. Rund 300 Mitarbeiter plus 800 Studierende täglich während des laufenden Semesters. So rechnet die BI die bislang ermittelten Zahlen hoch, die Anliegerin Christina Kutzner vorlegt. Auf dem Parkplatz der Uni gibt es Stellflächen für 350 Autos. Drei davon sind reserviert – für ein Car-Sharing-Angebot an der Hochschule.
Die Stimmung unter den Anwesenden ist verhalten freundlich. Uni-Baudezernent Thomas Hanold erläutert geduldig die langfristigen Ziele, wenn es mit der Realisierung einer Mobilitätsstation klappen werde. Doch das kann noch etliche Jahre dauern. Den Anliegern brennt das Problem jedoch täglich auf den Nägeln, macht auch Jürgen Sommer von der BI deutlich: „Wir fordern sofort Maßnahmen.“ Unter anderem einen verstärkten Einsatz des Stadtordnungsdienstes, um das Parken im Halteverbot zu ahnden.
Hoffen auf Politessen
Denn mehr geht auch rechtlich nicht, sagt Hanold: „Jeder darf hier parken.“ Doch er sieht die Nöte der Anlieger und hat deswegen das Rechtsabbiegerschild aufstellen lassen. Nun setzt er darauf, dass an der Marienburger Straße auch die Ausweichparkplätze am Südfriedhof und den gegenüberliegenden Sportplätzen ausgeschildert werden: „Dann entfällt hier der Parksuchverkehr.“
Kuse und weitere Mitglieder der Uni verteilen fleißig kleine Pappkarten mit entsprechenden Hinweisen und auch der Bitte, das Semesterticket für Bus und Bahn zu nutzen. Auf Nachfrage von BI-Vertretern sagt Hanold gleich zu, weitere Flyer nachdrucken zu lassen, damit auch Anlieger welche verteilen können.
Forderungen stoßen auf Granit
Doch deren Forderungen reichen weiter. Bislang auf Granit gestoßen sind sie mit dem Wunsch nach einer Anwohnerparkzone. Stadtbaurätin Andrea Döring hatte bislang immer darauf verwiesen, das sei rechtlich nicht möglich. Sorgen bereitet den Anlieger auch die Verkehrsgefährdung durch den Parksuchverkehr. Das betont unter anderem auch Uni-Mitarbeiter Daniel Gad, der ebenfalls Anlieger ist und mit dem Fahrrad zu der Gruppe stößt.
Hanold hofft, dass sich der Anfangseffekt, wenn das neue Semester startet und viele Studierende zunächst mit dem Auto kommen, wieder nachlassen werde. Vor allem, wenn der Ordnungsdienst „massiv das Falschparken ahndet“, betont er. Auch er würde sich ein Anwohnerparkkonzept wünschen und setzt nun auf die neuen Schilder für die Marienburger Straße: „Die sind bereits in der Produktion.“
Frust im Stadtteil
Was sie bringen, bleibt abzuwarten, auch, ob verstärkt der Ordnungsdienst kommen wird. Vor allem bei den Anliegern herrscht Frust gegenüber der Stadtverwaltung. „Wir haben den Eindruck, dass die nicht an unserer Situation interessiert sind“, sagt zum Beispiel Axel Rehbock. Das Gegenteil hat die Stadtbaurätin jedoch in der Vergangenheit vor allem bei öffentlichen Runden immer wieder betont – mit dem Hinweis: rechtlich seien ihr eben die Hände gebunden. Auch der Ortsrat wünscht sich mehr Initiative von der Stadt, betont der stellvertretende Ortsbürgermeister Cristinel-Ioan Parecker: „Wir fordern endlich klare Lösungen.“
VCD diskutiert im RPM über Verkehrssituation in Hildesheim
Was machbar sein könnte – auch im gesamten Verkehrsverbund der Stadt – das will die Ortsgruppe Hildesheim des Verkehrsclubs Deutschland am Freitag, 29. April, um 19 Uhr öffentlich im RPM besprechen.

