Sarstedt - 20 Liter Treibstoff pro Auto – gratis. So die kurzfristige Ankündigung des Jet-Konzerns, der das Versprechen am Montagmittag zwischen 13 und 14 Uhr an der Tankstelle in der Hildesheimer Straße eingelöst hat. 191 Autos und schätzungsweise 3800 Liter Frei-Benzin später sind viele Autofahrer glücklich – doch manch einer nimmt eher Stress und angespannte Nerven aus der Aktion mit.
Die Tankstelle darf aus organisatorischen Gründen in dem Zeitraum nur aus Richtung Sarstedt befahren werden. Das sorgt dafür, dass sich die Fahrzeuge bereits eine Viertelstunde vor Beginn bis zum kleinen Kreisel in Richtung An der Straßenbahn zurückstauen. Nicht nur Tank-Willige, auch Busse, Lastwagen und Pendler müssen entweder warten oder wenden.
Tankstelle hat genug Benzin im Tank
An der Tankstelle können immer sechs Autos gleichzeitig betankt werden. Damit es nicht zu chaotisch wird, werden die Zapfsäulen im Vorhinein eingestellt. „Jeder konnte nur exakt 20 Liter bekommen – wenn sie denn reinpassten“, sagt später Jet-Regionalleiter Uwe Söffker. Angst, dass der Tankstelle der Kraftstoff ausgeht, muss aber keiner haben: „Hier sind etwa 30 000 Liter in den Tanks“, so Söffker, „da kommen wir nicht ran.“
Mit 13 Mitarbeitern regelt Söffker den Betrieb auf dem Gelände der Tankstelle. Trotz einiger Hektik zieht er ein positives Fazit: „Ich habe viele begeisterte Kunden gesehen. Es ist schön, wenn man sich so für die Treue bedanken kann.“ Laut dem Portal „YouGov“ ist Jet seit zehn Jahren der beliebteste Tankstellenbetreiber Deutschlands. Das soll nun für drei Wochen an je fünf Tankstellen pro Werktag mit der Gratis-Aktion gefeiert werden.
Verständnis ist die seltenste Reaktion
Wie in den anderen Städten stellenweise auch, kommt es allerdings auch in Sarstedt zu teils massiven Verkehrsbehinderungen. Denn während die 191 Autos auf das Gelände gewunken wurden, zieht eine Vielzahl anderer Verkehrsteilnehmer den Kürzeren. Immer wieder versuchen Fahrer, an der auf der Straße stehenden Polizei vorbei auf das Tankstellen-Grundstück zu gelangen – meist ohne Erfolg und Einsicht. „Aber ich stehe doch schon so lange an“, versucht es eine Frau. „Ich diskutiere nicht mit Ihnen. Fahren Sie weiter, Sie halten alles auf“, antwortet der Polizeikommissar Harald Neumann – eine von sehr vielen ähnlich verlaufenden Konversationen. Bei manch einem, der versucht, über die Ausfahrt zu seinem Gratis-Benzin zu gelangen, wird der Ton auch schon mal rauer: „Wollen Sie eine Anzeige? Sie fahren jetzt weiter!“ – Verständnis bleibt die seltenste Reaktion.
„Es lief im Rahmen ab“
„Es war schon ein Chaos“, sagt Neumann im Nachhinein. „Aber wir haben erwartet, dass das passieren wird.“ Er selbst stand mit dem Streifenwagen direkt vor der Tankstelle und hat die Leute entweder drauf- oder daran vorbeigeschickt. Ein Kollege sprach schon weiter vorne in der langen Schlange mit den Autofahrern und versuchte, zu sortieren. „Viele waren uneinsichtig, haben versucht zu drehen und von der anderen Straßenseite draufzukommen“, sagt der Polizist. „Aber wenn die Tankstelle voll ist, ist sie voll.“ Trotz vieler Diskussionen und angegriffener Stimmbänder zieht Neumann ein gemischtes Fazit: „Klar war es vom Verkehr her eher negativ. Aber das lief schon alles im Rahmen ab.“
