Steve Brian

Techno made in Burgstemmen: Musikproduzent aus der Region mit 150 Millionen Klicks bei Spotify – und einem Hit auf dem Platin-Album von Kerstin Ott

Burgstemmen - Wie man massenkompatible Beats produziert, weiß in der Region Hildesheim niemand so gut wie er: Steve Brian, mit bürgerlichem Namen Stefan Brünig, hat bei Spotify die 150-Millionen-Klicks-Marke geknackt. Gerade ist er auf dem Weg in die Karibik.

Für ihr Album „Ich muss dir was sagen“ hat Kerstin Ott gleich doppelt Platin eingeheimst. Einen der Erfolgssongs hat der Burgstemmer Stefan Brünig gemeinsam mit Sven Greiner komponiert und produziert. Foto: Ralf Neite

Burgstemmen - Die gerahmte Doppel-Platin-CD steht unter einem Schreibtisch, offenbar hat sich in den letzten drei Jahren noch kein passender Platz dafür gefunden. 2020 hat Kerstin Ott mit ihrem Album „Ich muss dir was sagen“ mächtig abgeräumt. Eins der Lieder hat Stefan Brünig komponiert und produziert, deshalb steht die Trophäe in seinem Studioraum. Um welches Stück handelt es sich eigentlich? „Ich weiß es gar nicht mehr“, grübelt der Burgstemmer und klickt sich bei Spotify durch die Songliste. „Ach doch, das hier war’s: ,Wir stehen zusammen’.“

Dass ein Musikproduzent einen Titel vergisst, für den er Platin bekommen hat, mutet seltsam an. Doch Brünig, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Steve Brian, hat so viel Musik veröffentlicht, dass man schon mal den Überblick verlieren kann. Neulich hat er nachgezählt und ist auf 450 Produktionen in 20 Jahren gekommen: eigene Tracks, Auftragsproduktionen, Remixe. Bei Spotify hat er jetzt die 150-Millionen-Klicks-Marke überschritten und fast 200.000 monatliche Hörerinnen und Hörer. Einzelne Songs wurden bis zu 15 Millionen mal geklickt.

Kooperation mit internationalen Labels

Der gebürtige Diekholzener erzählt solche Dinge auf eine bescheidene und zurückhaltende Art, man muss ihm die Sachen fast ein bisschen aus der Nase ziehen. Ein bodenständiger Typ, der halbtags bei der Diakonie Himmelsthür arbeitet und Menschen mit geistiger Behinderung begleitet. Außerdem ist er gerade dabei, gemeinsam mit seiner Frau Jasmin Oppermann das Angebot „Grenzenlos reisen“ zu etablieren – eine professionelle Reisebegleitung speziell für Menschen mit Assistenzbedarf.

Doch zurück zur Musik. Stefan Brünig alias Steve Brian produziert Techno-Tracks, Progressive House und Trance sind seine Domäne. Er arbeitet mit verschiedenen Labels zusammen, unter anderem mit dem größten deutschen Dance-Label Kontor Records, mit Armada Music in den Niederlanden und mit Enhanced Music in London. „Eigentlich noch viel mehr“, fügt er hinzu.

Einen kleinen Raum im Keller hat er als Studio ausgestattet. Wichtigstes Arbeitsmittel ist natürlich der Rechner. Ein Synthesizer steht daneben, und zum Teil setzt der 37-Jährige auch natürliche Instrumente wie Gitarre und Bass ein. Viele seiner Produktionen entstehen allerdings nicht hier in Burgstemmen, sondern in den Studios der Labels, mit denen er kooperiert. Oder noch weiter in der Ferne.

Gerade ist Brünig wieder auf dem Sprung in die Karibik. Auf Antigua besucht er seinen Freund Torsten Stenzel, im bürgerlichen Leben deutscher Botschafter der Inselwelt von Antigua und Barbuda, daneben, unter dem Namen York, ebenfalls Technoproduzent. Drei Wochen bleibt Brünig dort, zehn gemeinsame Produktionen sind geplant: „Da ziehe ich durch, jeden Tag acht bis zehn Stunden im Studio.“

Mit York hat er auch eine neue Version von „Shut Up and Dance“ von Walk The Moon eingespielt. „Komplett mit neuen Harmonien, das ist noch emotionaler geworden“, alles in Absprache mit der Band und deren Plattenfirma. „Je populärer man ist, desto einfacher wird’s“, sagt Brünig über derartige Absprachen.

Die eigenen Projekte sind ihm die liebsten, „aber man muss ja über die Runden kommen“. Bei Auftragsproduktionen, die oft nicht einmal unter seinem Namen erscheinen, knöpft er sich Hits vor und arrangiert sie von Grund auf neu. Das reicht von Fleetwood Mac, Bruce Springsteen oder Human League bis Sean Paul und diversen aktuellen Chartstürmern. Hinzu kommt die Kooperation mit dem vor einem Jahr gestorbenen Sven Greiner/DJ Shog: „Mit dem habe ich unzählige Schlagerproduktionen und -Remixe gemacht.“ Michelle, Wolfgang Petry, Nino de Angelo, Vanessa Mai, Axel Fischer, um nur ein paar Namen zu nennen.

Mitunter legt Steve Brian auch auf Partys und Festivals auf – in der Karibik, auf den Kanaren, in den USA oder Holland. Bleibt bei so vielen Aktivitäten überhaupt Zeit für Privates? Auf jeden Fall, sagt Brünig. „Mit Colin spielen“ (seinem dreijährigen Sohn) steht oben auf der Liste. Außerdem macht er jede Menge Sport, um sich fit zu halten – schwimmen, Rad fahren, surfen, „wenn es möglich ist“, Fitness-Studio. Ein weiteres Faible ist die Ernährung: Er kocht nicht nur gerne, sondern backt auch sein eigenes Brot, kocht Marmelade ein, stellt Säfte und Bärlauch-Butter her, sammelt Pilze.

Probleme im familiären Bereich haben ihn in den letzten drei Jahren sehr in Anspruch genommen, trotzdem ist bereits ein neues Album fertig. Es befindet sich nur leider auf einer Festplatte, die den Geist aufgegeben hat und von der es kein Backup gibt. Der Burgstemmer hat noch Hoffnung, dass eine Spezialfirma die Daten retten kann. Er zuckt mit den Schultern: „Sonst muss ich halt ein neues aufnehmen.“ Er sieht optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, ich werde jetzt wieder richtig Gas geben.“

  • Hildesheim
  • Burgstemmen
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.