Mehrum - Der Stromnetz-Betreiber Tennet will am Kohle-Kraftwerk Mehrum ein neues Umspannwerk bauen. Das Millionenprojekt soll die bestehende 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung zwischen Wahle (Landkreis Peine) und dem Kernkraftwerk Grohnde mit dem Knotenpunkt des 220-Kilovolt-Netzes an dem Kraftwerk verbunden werden. Dadurch soll die Stromversorgung im Raum Hannover und damit auch in Stadt und Landkreis Hildesheim noch sicherer werden. Zudem wird das bestehende Umspannwerk am Kraftwerk selbst erweitert. Der Kraftwerks-Betreiber sieht in dem Plan durchaus auch eine Stärkung des Standorts, dessen Zukunft bekanntlich fraglich ist.
Das neue Umspannwerk soll auf einer rund 300 mal 300 Meter großen Ackerfläche am Nordrand des Kraftwerks-Geländes entstehen. Der Bau soll möglichst noch im November dieses Jahres beginnen. Allerdings wartet Tennet noch auf die Genehmigung durch das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig. Dass das Okay bald kommt, scheint das Unternehmen aber nicht zu bezweifeln. Es hat die anstehenden Arbeiten bereits ausgeschrieben und will sich deshalb aktuell auch nicht zu seiner Kostenplanung äußern.
Ende 2021 in Betrieb
Allerdings dürfte es mindestens um einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag gehen. Zum Vergleich: Das derzeit bei Lamspringe entstehende Umspannwerk im Zuge der Stromtrasse Wahle-Mecklar, das mit einer kleineren Grundfläche auskommen soll, schlägt mit rund 45 Millionen Euro zu Buche. Die Anlage am Mehrumer Kraftwerk soll nach den Vorstellungen von Tennet Mitte bis Ende 2021 in Betrieb gehen.
Zeitgleich will Tennet auch das bestehende 220-Kilovolt-Umspannwerk im Westen des Kreistages vergrößern. An die schon jetzt 37 500 Quadratmeter große Anlage sollen im Norden noch einmal 22 500 angeschlossen werden. Insgesamt wäre dieses Umspannwerk dann 400 mal 150 Meter groß – Platz genug für sechs Fußballfelder.
Arbeiten gehen weiter
Danach ist es mit den Bauarbeiten rund um das Kohle-Kraftwerk aber noch lange nicht vorbei. Denn das bestehende Umspannwerk am Kraftwerk ist inzwischen 45 Jahre alt und soll deshalb komplett erneuert werden, kündigt Tennet an. Für diese Arbeiten sei der Zeitraum von 2021 bis 2024 veranschlagt.
Tennet betont, die Baupläne seien unabhängig von der Betriebszeit des Kraftwerks Mehrum zu sehen. Als Netzbetreiber sei das Unternehmen verpflichtet, diesem Kraftwerk wie anderen auch Zugang zum 220- und zum 380-Kilovolt-Netz zu bieten. Kraftwerks-Geschäftsführer Armin Fieber zeigte sich auf HAZ-Nachfrage dennoch sehr erfreut: „Das bedeutet durchaus eine Stärkung unseres Standorts.“ Wie berichtet hat der Kraftwerks-Eigentümer, der tschechische EPH-Konzern, für Mehrum eine Betriebsgarantie bis 2021 ausgesprochen. Die internen Planungen sind derzeit darauf ausgerichtet, in der Anlage in der Gemeinde Hohenhameln bis 2025 Strom aus Steinkohle zu erzeugen. Zugleich gibt es Überlegungen, auf dem Areal im Zuge des Kohleausstiegs ein neues Gaskraftwerk zu bauen – dann würde dort noch über viele Jahrzehnte Strom produziert.
