Hildesheim - Früher war alles besser – dem Satz würden wahrscheinlich nicht mal die Bluesanovas zustimmen. Denn früher, im Jahr 2015, waren sie nur als Newcomer in der Bischofsmühle, am vergangenen Freitagabend hatten sie nun gleich eine Reihe an Erfolgen im Handgepäck: Gewinner der German Blues Challenge, bereits zwei Studioalben auf dem Markt und wäre das nicht genug, waren sie als Vorband mit einem der einflussreichsten Musiker der Geschichte, Eric Clapton, dieses Jahr auf sechs Konzerten.
„Das war noch richtige Musik“
Jedoch eines finden die Bluesanovas womöglich an Früher doch besser: die Musik. „Das ist noch richtige Musik“, hört man auch unter den grob 60 Besuchern immer wieder. Die Bluesanovas präsentierten am Freitagabend eine Mischung aus Blues, Boogie-Woogie und klassischem Rock ’n‘ Roll, mit größtenteils selbstgeschriebenen Songs.
Auch wenn die Lieder von der Band stammen, sind sie rhythmisch doch ganz klar an die großen Bluesklassiker von unter anderem B.B. King oder John Lee Hooker angelehnt. Dies spiegelt sich auch auf der Textebene wider: „Baby will you hold me tight“, oder „Baby, will you love me“ sind Kernelemente von fast jedem Song – das Wort „Baby“ hat insbesondere eine Dauerkarte bei den Bluesanovas.
Großartige Blues-Stimme
Dieses scheint aber auch eine Spezialität vom hervorragenden Sänger Melvin Schulz zu sein – der eine großartige Blues- und noch bessere Rock ’n‘ Roll-Stimme besitzt. Auch wenn die Texte durchaus einseitig sind, wirken sie fürs Publikum jedes Mal aufs Neue, wenn sie aus seiner Kehle gepresst kommen. Währenddessen spielt er die Texte geradezu mit: Wenn sein Baby ihn weinen lässt, hält Schulz seine Hände vors Gesicht und wenn sein Baby ihn warten lässt, haut der Sänger vor Ungeduld mit der Faust an die Decke.
Jedoch hat er auch einige Minuten zum Verschnaufen und Bier trinken. Denn die Songs der Bluesanovas waren den ganzen Abend über gleich aufgebaut: zum einen gibt es den Rhythmus, präsentiert vom Schlagzeuger Phillip Dreier, Nico Dreier an der Hammond-B3-Orgel und vom Bassisten und Kontrabassisten Nikolas Karolewizc. Daneben gibt es den Gesang, der aber nicht so lange dauert, wie die mehrere Minuten langen Solos von Gitarrist Filipe de la Torre. Bei denen seine Finger konzentriert über seine Gitarre wandern. Konkurrieren können diese Solos nur mit denen von Nico Dreier, wobei der ruhig sitzen bleibt und so begeistert auf die Tasten einhaut, dass teilweise selbst seine Bandkollegen erstaunt zu ihm rüber blickten.
Ein Song bleibt im Gedächtnis
Weil jedoch so gut wie jeder der sechs- bis siebenminütigen Songs gleich aufgebaut war, mit immer zwei Solos, wurde es, umso länger der Abend dauerte, repetitiv. Jedoch ein Song blieb am Ende des Abends besonders hängen: das Cover „Night Life“ von B. B. King und Willie Nelson. Der begann mit einem langen Solo von de la Torre, das über den ruhigen Rhythmus tanzte und ganz Blues-melancholisch machte. Man fühlte sich, als würde man in einer dunklen Bar sitzen, der fünfte Bourbon ist bereits leer und man ist traurig, weiß aber gar nicht genau warum. Genau in diese Stimmung hinein taucht auf einmal die Stimme von Schulz auf, der sich in das Publikum geschlichen hat. Ohne Mikrofon, einfach mit seiner Stimme schafft er es, den ganzen Saal zu beschallen und klingt dabei noch besser, schärfer und berührender als jemals an diesem Abend.
Nicht nur dieser Song konnte das Publikum überzeugen. Während am Anfang nur ein paar Köpfe und Füße mitnickten, tanzten während des Konzertes immer wieder einige vor der Bühne und die Menge jubelte nach den Solos. Die Band begeisterte die Hildesheimer so sehr, dass sie sich gleich zwei Zugaben wünschten.
