Hildesheim - „Jeder Schüler muss diesen Film gesehen haben, bevor er die Schule verlässt“, sagt Theaterleiter Till Ruppelt. Darum entschied er „Schindlers Liste“, der vor über 30 Jahren erstmals in die Kinos kam, kostenlos für Schulklassen im Thega-Filmpalast in Hildesheim anzubieten. Die Aktion gilt für einen unbegrenzten Zeitraum und entsteht durch den Filmverleih, welcher den Film kostenfrei für Kinos zur Verfügung stellt. Das Besondere am Film ist laut Ruppelt, dass er das Leid der Juden in der NS-Zeit einfängt. Wieso sind dann aber Kinder die Zielgruppe? Weil er keine expliziten Gewaltszenen zeigt, eigne er sich gut für Jugendliche ab 12 Jahren, erläutert Ruppelt. Gerade in Zeiten des politischen Rechtsrucks sei so ein Film wertvoll.
Wie bedrückend und gleichzeitig eindrucksvoll der Film ist, zeigen zum Beispiel Videoaufnahmen aus der Zeit des Filmstarts: Der Film ist aus, das Publikum verlässt den Saal, die meisten Besucher sind sprachlos, glauben die dargestellten Ereginisse kaum. Ein damaliger Besucher bringt es in einer Aufnahme auf den Punkt:„Das muss man erstmal verarbeiten, aber solche Filme sind wichtig.“
„Sadismus in Reinkultur“
Der Film basiert auf wahren Begebenheiten. Protagonist Oskar Schindler wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und wurde Mitglied der rechtsextremen Partei NSDAP. Mit dem Ziel möglichst viel Profit zu schlagen, ging er nach Krakau, kaufte dort eine Fabrik, deren jüdische Vorbesitzer von den Nationalsozialisten enteignet worden waren.
Er beschäftigte von Beginn an jüdische Zwangsarbeiter. In einem Interview mit der Hessenschau aus dem Jahr 1965 nannte er die Behandlung der Juden durch die Nationalsozialisten „Sadismus in Reinkultur“. Er beschloss sie zu retten, anstatt weiter auszubeuten. So begann Schindler mehr Zwangsarbeiter einzustellen, als er benötigte, um ihr Überleben sicherzustellen. Als das Zwangsarbeitslager in Krakau geräumt wurde, bestand Schindler darauf, seine Arbeiter, die er auf seine Liste setzte, mit in die neue Fabrikstelle in Brünnlitz zu nehmen. 1.200 Menschen rettete er damit das Leben. Auch Schindler selbst begann einen neuen Lebensabschnitt und lernte in Jerusalem die Hildesheimerin Annemarie Staehr kennen. Ihretwegen verbrachte er viel Zeit in Hildesheim, bis er am 9. Oktober 1974 im St. Bernward Krankenhaus verstarb.
Buchung per E-Mail
Lehrer, die Interesse an dem Angebot des Thega haben, erreichn die Theaterleitung unter der E-Mail info@thega-filmpalast.de.
Von Rosalie Busse
