Kolumne Gefundenes Fressen

Tiere, die in Hildesheim ausgesetzt werden, weil ihre Menschen Urlaub machen wollen – und die Frage: Wie kann man so grausam sein?

Hildesheim - Schluss mit lustig ist für HAZ-Kolumnistin Kathi Flau, wenn es um allein gelassene Tiere geht. Erst werden sie niedlich gefunden, kurze Zeit später sind sie lästig. Ihre Besitzer sind offenbar Wunder der Anatomie: Sie leben, haben aber gar kein Herz.

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Eigentlich wollte ich Ihnen grad eine superlustige Geschichte erzählen, liebe Leserinnen und Leser, echt ein Knaller, da hätten Sie sich vielleicht beömmelt! Geht aber nicht, weil in der heutigen HAZ-Ausgabe auch ein Text über ausgesetzte Katzen steht. Und wenn es um ausgesetzte Tiere geht, ist bei mir 100 Prozent Schluss mit lustig. Allein 25 Katzen zählt das Hildesheimer Tierheim, die grad urlaubsbedingt ausgesetzt wurden.

Ur-laubs-be-dingt. Wie geht sowas, können Sie mir das erklären? Wie steckt man ein geliebtes Tier in einen Karton oder eine Box und stellt die einfach in der Landschaft ab? In die Hitze und Trockenheit, in die absolute Ungewissheit? Wie kann man dieses unfassbar weiche Fell berühren und wissen, es ist das letzte Mal? Wie erträgt man das Miauen beim Weggehen? Wie kann man ein hilfloses Wesen derart verlassen? Und das alles bloß, um am nächsten Morgen nach Malle oder sonstwohin abzudüsen. Kapiere ich nicht. Und dann sitzt man da in irgendeiner Strandbar an der Playa de Palma, Cocktail am Start, und findet das Leben super, oder wie?

Vielleicht wissen diese Leute selbst, wie armselig sie sind

Irgendwie denke ich ja immer, dass diese Leute um ihre eigene Grausamkeit wissen. Sonst würden sie nicht alles tun, um anonym zu bleiben. Oder kennen Sie jemanden, der über’n Gartenzaun schon mal gesagt hätte: „Nö, doch, war schön da am Strand. Tolle Bars, tolle Mädels, hehe. Und unsere Katzen, oooch, die haben wir vorher da vorne an die Kreuzung gestellt, kleine Kiste, alle rein da, fertig. Nu sindse wech. Und sonst so? Kommt doch mal wieder zum Grillen rüber!“ Sagt keiner, klar. Aber machen, das geht.

Doch auch wenn euch niemand gesehen hat: Die Tiere wissen über euch Bescheid. Und die Menschen im Tierheim, die auch.

  • Hildesheim
  • Hildesheim