Hildesheim - Irgendwo im Osten ist Naika 2021 gezüchtet worden – wohl, um mit ihr und ihren Wurfgeschwistern Geld zu verdienen. Dann wurde die Hündin verkauft, einmal, zweimal, wahrscheinlich dreimal, bis sie für immer ein Zuhause in der Gemeinde Schellerten fand. Sie wurde unter anderem auf dem Portal eBay-Kleinanzeigen inseriert. Der Tierschutzverein Hildesheim und Umgebung warnt eindringlich davor, über dieses oder andere Portale Tiere zu kaufen. Denn oft verbergen sich hinter den vermeintlichen Privatpersonen Händler, die Profit aus dem Handel mit Hunden und Katzen schlagen. Aber nicht nur das.
Tiere werden weitergegeben
„Wenn der Hund nach zwei Tagen nicht stubenrein ist, nicht fertig erzogen und sich nicht von jedem anfassen lässt, muss er wieder weg“, sagt Martina Dechant, Vorsitzende des Hildesheimer Tierschutzvereins. Ganz schnell wird so ein Tier dann zum Wanderpokal, wechselt von Besitzer zu Besitzer, wird verunsichert und entspricht dann ganz und gar nicht mehr der Vorstellung eines Familienhundes. Landet er dann im Tierheim, hat er Glück. Denn dort sind Fachleute, die wissen, wie mit traumatisierten Hunden umgegangen werden muss. Aber diese Tortur könnte man Tieren ersparen.
Falsche Rasse angegeben
Seit ein paar Tagen lebt Ludwig im Tierheim. Er wurde als Labrador, also als ein Familienhund, auf eBay-Kleinanzeigen angeboten. „Da ist alles drin, aber kein Labrador“, sagt Dechant. Vielmehr vermutet sie, dass es sich um einen Pastor Mallorquin handelt. Eine spanische Rasse, deren Merkmal es ist, dass er nur einen Menschen als Leiter anerkennt, dem sich Fremde möglichst nicht nähern sollen. Die Rasse ist als Herdenschutzhund gezüchtet worden. So etwas sollte man wissen, bevor man sich einen Hund ins Haus holt, meint Dechant. Denn die Rasse hat nun einmal entsprechende Eigenschaften und auch Bedürfnisse. Wer einen gemütlichen Familienhund haben will, sollte sich für eine entsprechende Rasse oder Mischung entscheiden. Oft, so die Erfahrung der Tierschützer, würden Eigenheiten des Hundes nicht benannt, und bei Nachfragen sei die Telefonnummer des Verkäufers dann oft nicht mehr gültig.
Hund stark traumatisiert
Ludwig jedenfalls war von seiner Händler-Odyssee offenbar so verunsichert, dass er keinen Schritt gehen mochte. Seine Besitzerin musste ihn zum Gassigehen tragen. Nach einigen Tagen aber saß er auf seinem eroberten Platz und drohte gefährlich. Die Familie bekam Angst und holte sich Hilfe, wie Dechant berichtet. Nun ist Ludwig im Tierheim an der Mastbergstraße, wo Tierheimleiterin Sabine Witte mit ihm arbeitet. „Ich kenne mich mit Angsthunden aus“, sagt sie, und so sind schon nach wenigen Tage erste Erfolge zu verbuchen. Worüber die Tierschützerin sich sehr freut, ist, dass die Familie mitarbeitet, regelmäßig ins Tierheim kommt. „Die Familie möchte andere davor warnen, sich über eBay-Kleinanzeigen, einen Hund zu kaufen“, erklärt Witte.
Dass die Eigentümer mitarbeiten und das Tier behalten wollen, ist nicht die Regel, die meisten wollten so einen Hund schnell wieder loswerden, so Dechant. Nicht selten werden die Hunde dann erneut auf eBay-Kleinanzeigen inseriert und leicht sediert dem nächsten Besitzer übergeben. Dechant empfiehlt Familien, die sich einen Hund wünschen, sich zunächst über die eigenen Bedürfnisse und die der jeweiligen Rasse zu informieren. Dann könne man Kontakt zu Tierschutzorganisationen aufnehmen, die aus dem In- und Ausland Tiere vermitteln. „Die beraten auch gut“, erklärt Dechant und ergänzt, dass das Hildesheimer Tierheim nicht die einzige Anlaufstelle sein muss.
Hundeführerschein ist Pflicht
Außerdem weist die Vorsitzende darauf hin, dass vor der Anschaffung eines Hundes in Niedersachsen der theoretische Teil des Hundeführerscheins (50 bis 80 Euro) abgelegt werden muss. Ist der Hund erstmal da, bleibt ein Jahr Zeit, um auch die praktische Prüfung zu absolvieren, wenn der Hund bei der jeweiligen Kommune angemeldet und beim Land Niedersachsen registriert wird. Sich davor zu drücken, ist keine gute Idee. Denn kann dem Hundebesitzer die fehlende Registrierung nachgewiesen werden, ist eine Strafe von bis zu 10 000 Euro fällig.
