Tod von Karl M. – gemischte Reaktionen aus Ascq

Nordstemmen/Ascq - Bei den Nachkommen der Todesopfer von Ascq hat die Nachricht vom Tod des ehemaligen SS-Mannes Karl M. gemischte Gefühle ausgelöst.

Viele Nachkommen der Todesopfer aus dem französischen Ascq bedauern, dass es nach dem Tod von Karl M. nicht mehr zu einem Prozess kommen kann. Foto: Tarek Abu Ajamieh

Nordstemmen/Ascq - Bei den Nachkommen der Todesopfer von Ascq hat die Nachricht vom Tod des ehemaligen SS-Mannes Karl M. gemischte Gefühle ausgelöst. Die meisten bedauern, dass es nun nicht mehr zu einem Prozess kommen kann. Der Bürgermeister der Stadt äußerte sich in besonders scharfen Worten.

„Das ist ein Grund mehr für mich, nicht in der Hölle zu enden - um ihn dort nicht wiederzutreffen“, sagte Gérard Caudron, Bürgermeister von Villeneuve d’Ascq, der Regionalzeitung „La Voix du Nord“. Alexandre Delezenne, Urenkel des ältesten Massaker-Opfers und Initiator der ursprünglichen Ermittlungen gegen Karl M., sagte der HAZ: „Er ist also wieder der menschlichen Gerechtigkeit entkommen. Hoffen wir, dass er der himmlischen Gerechtigkeit nicht entgeht.“ Er betonte allerdings, ihm sei es bei seinen Bemühungen nie um Rache gegangen, sondern um Gerechtigkeit und Würde für die Opfer des Massakers und ihre Nachkommen.

Eine „große Enttäuschung“

Von einer „großen Enttäuschung“ sprach Jacqueline Ruckebusch-Béghin, deren Vater unter den Toten war. Ihre Schwester Marguerite-Marie Béghin erklärte diese Haltung: „Wir hatten gehofft, dass endlich Recht gesprochen wird.“ Nun habe sie die Sorge, dass das Massaker und seine Opfer langsam in Vergessenheit geraten könnten.

Ähnlich äußerten sich die Schwestern Cathérine Delaby und Francoise Tisseyre: „Unsere Hoffnung war, dass Leiden und Unschuld der Opfer durch einen Prozess öffentlich anerkannt worden wären.“ Die Historikerin Jacqueline Duhem aus Lille, die in Standardwerk über das Massaker von Ascq geschrieben hat, zeigte sich enttäuscht, „dass Karl M. ein zweites Mal der Justiz entgangen ist und nie für seine Verleumdungen bestraft wird.“

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