Männer waren auf Übungsflug

Tödlicher Tragschrauber-Absturz in Hildesheim: Zweites Opfer war Flugschüler

Hildesheim - Am Tag nach dem tödlichen Gyrocopter-Unfall in Hildesheim werden neue Details bekannt. Den Motor des Tragschraubers entdeckten die Ermittler weit vom Wrack des Fliegers entfernt.

Ein Experte der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) inspiziert das Tragschrauberwrack. Foto: Jan Fuhrhop

Hildesheim - Am Tag nach dem Tragschrauber-Absturz in Hildesheim mit zwei Toten steht nach Angaben der Polizeisprecherin Kristin Möller fest: Es handelte sich um einen Übungsflug.

Der Flugschul-Inhaber Thomas Kiggen war mit einem 53 Jahre alten, aus Oldendorf stammenden Flugschüler in dem doppelsitzigen offenen Gyrocopter-Modell MTO Sport unterwegs und im Landeanflug, als sich in der Luft Teile des Tragschraubers lösten, was zum Absturz führte. Der Ultraleichtflieger war aus etwa 50 Meter Höhe auf dem Gelände des Unternehmens reifen.com auf den Erdboden geprallt. Die beiden Männer waren sofort tot.

Motor rausgerissen und auf Hallendach gestürzt

Der Flugschüler hatte wie bei Übungsflügen üblich, in dem offenen Tragschrauber im vorderen der beiden hintereinander eingebauten Sitze gesessen. Wer in den Momenten vor dem Absturz das Fluggerät gesteuert hat, ist unklar, für die weiteren Ermittlungen aber vermutlich auch nicht relevant. Denn Polizei wie auch die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig gehen davon aus, dass technische Ursachen Grund für den Unfall sind. Fest steht, dass sich noch in der Luft ein Rotorblatt gelöst hat, es wurde später in etwa 200 Meter Entfernung auf einem Feld auf der anderen Seite der Baurat-Köhler-Straße entdeckt.

Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass der Tragschrauber in der Luft durch die Beschädigung beziehungsweise Verlust von Teilen (Experten sprechen dabei von einem Luftzerleger) ins Rotieren gekommen ist, so dass immense Kräfte auf den Gyrocopter eingewirkt haben müssen. Anders wäre auch kaum zu erklären, dass der Motorblock offensichtlich aus der Verankerung gerissen wurde – ihn fanden die Ermittler auf dem Dach der großen Logistikhalle von reifen.com, Kräfte der Feuerwehr bargen ihn später.

Experten untersuchen Bauteile in Braunschweig

Einer der beiden Tragschrauber-Insassen war offensichtlich während des Absturzes noch in der Luft aus dem Tragschrauber geschleudert worden. Der leblose Körper lag rund 100 Meter von der Stelle entfernt, an der der Ultraleichtflieger auf den Boden aufschlug. Beide Sitze befanden sich aber noch im Wrack.

Die weiteren Untersuchungen der BFU-Fachleute müssen nun zeigen, ob womöglich Material- oder Wartungsfehler Auslöser für den Unfall waren oder welche technische Ursache sonst infrage kommen. Die Experten haben einzelne Bauteile in Absprache mit der eingeschalteten Staatsanwaltschaft Hildesheim beschlagnahmt und für weitere Untersuchungen in die BFU-Zentrale nach Braunschweig gebracht.

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