Versuchter Totschlag

Totschlags-Prozess in Hildesheim: Flaschenöffner als Tatwerkzeug?

Bad Salzdetfurth - Zwei Männer müssen sich vor dem Landgericht Hildesheim wegen versuchten Totschlags verantworten. Eine Rechtsmedizinerin hat nun ein unübliches Tatwerkzeug ausgemacht.

Einer der beiden Angeklagten zusammen mit seinem Anwalt (links) während des Prozessauftakts vor dem Landgericht. Foto: Chris Gossmann

Bad Salzdetfurth - Im Verfahren gegen zwei Angeklagte wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung hat jetzt eine Rechtsmedizinerin der Medizinischen Hochschule Hannover vor der 1. Strafkammer des Landgerichts ausgesagt. Vor der Kammer sind zwei Männer im Alter von 31 und 40 Jahren angeklagt, einen 22-Jährigen mit einem Messer so schwer verletzt zu haben, dass es zu potenziell lebensgefährlichen Verletzungen gekommen ist. Die beiden Angeklagten wurden aus der Untersuchungshaft vorgeführt.

Die beiden waren nach ihrer vorläufigen Festnahme in der Nähe des Tatorts in Bad Salzdetfurth ins Dienstgebäude der Polizei nach Hildesheim gebracht worden. Dort wurden sie von einer Ärztin untersucht. In dem Bericht zur Untersuchung heißt es, dass beide Beschuldigte gegenüber der Ärztin aufbrausend, aggressiv und unkooperativ gewesen seien. Erst im Laufe der Zeit beruhigten sie sich. Einer schlief ein, der andere gab die Gegenwehr nach einer mit Zwang durchgesetzten Blutabnahme auf.

Eine stark blutende Verletzung auf der Stirn

Auch der 22-Jährige wurde ärztlich untersucht. Bei ihm zeigte sich eine stark blutende Verletzung an der Stirn, die einer der Angeklagten dem Opfer mit einem Messer zugefügt haben soll. Der andere Angeklagte habe das Opfer währenddessen festgehalten. Das Messer wurde einer DNA-Analyse unterzogen. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten ein verändertes Bild. Bei dem Messer handelt es sich um ein Klappmesser mit drei Funktionen: Messer, Korkenzieher und Kapselheber. Lediglich an dem Kapselheber, eine Art Flaschenöffner, zeigten sich DNA-Spuren des Opfers. Auch die Wunde zeigte Umrisse, die für eine Messerklinge unüblich sind.

An der grundsätzlichen Einschätzung der Rechtsmedizinerin änderte das aber nichts. Die Verletzungen waren potenziell lebensbedrohlich. „Im ungünstigsten Fall war ein Verbluten möglich“, sagte sie, „zudem gab es die Gefahr einer Augenverletzung.“ Eine weitere Verletzung im Bereich der Brust hätte zudem zu einer Beschädigung größerer Blutgefäße führen können. Das Verfahren wird in der übernächsten Woche fortgeführt.

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