Handwerk

Traditioneller Handwerksbetrieb im Kreis Hildesheim bleibt – durch einen ungewöhnlichen Deal zweier Frauen

Groß Förste - Caroline Ebel ist erst seit Kurzem Raumausstatter-Meisterin – und übernimmt jetzt einen etablierten Betrieb. Dessen bisherige Inhaberin rückt ins zweite Glied. Wie kommt das, wie klappt das – und welche Trends gibt es beim Wohnen?

Caroline Ebel (links) hat den Betrieb von Elke Lorz übernommen. Das gibt auch deren Mitarbeitern André Härtwig und Andreas Seppelt Sicherheit. Foto: Tarek Abu Ajamieh

Groß Förste - Ein etablierter Raumausstatter-Betrieb im Kreis Hildesheim hat eine neue Eigentümerin. Caroline Ebel hat das Unternehmen von Elke Lorz in Groß Förste übernommen und in ihre eigene, in Diekholzen ansässige Firma eingegliedert. Lorz, seit Jahrzehnten im Geschäft und lange auch Obermeisterin der Innung, bleibt aber im Betrieb.

Als Polsterer gestartet

Dessen Zukunft ist durch die Übereinkunft der beiden Frauen langfristig gesichert, wie sie betonen. Und das in einer Branche, in der viele Firmeninhaber sich schwertun, Nachfolger zu finden, weshalb die Zahl der Betriebe stetig zurückgeht.

Den Betrieb von Elke Lorz gibt es seit Jahrzehnten. Ihr Vater Alfons Lorz, gelernter Polsterer, hatte ihn vor rund fünf Jahrzehnten gegründet. Elke Lorz übernahm das im Februar 1996 mit gerade einmal 25 Jahren die Führung. Ihren Meisterinnentitel hatte sie da schon seit zwei Jahren in der Tasche. „Viel jünger ging es damals nicht“, erinnert sich die heute 54-Jährige. Sie baute die Firma aus und prägte den Berufsstand weit über die eigene Firma hinaus: Von 2015 bis zum Sommer dieses Jahres war sie Obermeisterin der Raumausstatter-Innung Hildesheim-Alfeld, davor war sie bereits zehn Jahre lang stellvertretende Obermeisterin gewesen.

Aus der Kita ins Handwerk

Einen Großteil dieser Zeit war ihre heutige Chefin Caroline Ebel noch in einem ganz anderen Beruf unterwegs – als Erzieherin. Mehr als zwei Jahrzehnte lang kümmerte sie sich in Kindertagesstätten um Jungen und Mädchen, ehe sie den großen Schnitt wagte. Getrieben vom Wunsch, etwas Handwerkliches zu machen, begann sie im Jahr 2019 mit Anfang 40 eine Ausbildung zur Raumausstatterin. Und hatte ihre Berufung gefunden. Schnellstmöglich bildete sie sich weiter fort, sicherte sich den Meisterbrief und eröffnete in Diekholzen ihren eigenen Betrieb.

In der überschaubaren Branche war es nur eine Frage der Zeit, bis Caroline Ebel und Elke Lorz einander kennenlernten und ins Gespräch kamen. Die Chemie stimmte schnell – und schließlich rückte Lorz mit einem Thema heraus, das sie seit einiger Zeit beschäftigte: „Ich habe mir frühzeitig Gedanken gemacht, wie es einmal weitergehen könnte – denn meine Kinder sind in anderen Berufen glücklich“, berichtet sie. „Ich habe mich gefragt: Gibt es jemanden, der Spaß daran hätte, das einmal zu übernehmen?“ Gerade auch mit Blick auf ihre beiden Mitarbeiter sei es ihr wichtig gewesen, keine große Unsicherheit aufkommen zu lassen und Klarheit zu schaffen.

Gegenseitige Hilfe

Die Idee, dass Ebel doch die Firma übernehmen, Lorz dort aber weiterhin arbeiten könnte, sei dann recht schnell entstanden. „Je mehr wir uns unterhalten haben, desto mehr hatte das Hand und Fuß, passten die Vorstellungen zusammen“, erinnert sich Lorz. Die beiden Frauen hätten dann relativ schnell Nägel mit Köpfen gemacht. „Denn wer hat schon das Glück, seinen Betrieb aktiv in gute Hände übergeben zu können?“, fragt Elke Lorz rhetorisch.

Macht es ihr nichts aus, nach Jahrzehnten der Selbstständigkeit plötzlich Angestellte im eigenen Betrieb zu sein – noch dazu mit einer Chefin mit deutlich weniger Berufserfahrung? „Ich habe mir darüber Gedanken gemacht“, gibt Elke Lorz zu. Aber sie komme gut mit der neuen Situation zurecht: „Jeder bringt seine Erfahrungen ein, sie nimmt etwas von mir an, und ich bekomme auch noch einmal neue Anregungen“, stellt sie fest. Zumal Caroline Ebel Elke Lorz mit großem Respekt begegnet: „Wir profitieren beide voneinander, aber ich noch viel mehr, weil sie natürlich viel mehr Erfahrung hat als ich.“ Bislang sei es ihnen jedenfalls gelungen, sich ihren Stärken und Neigungen entsprechend abzustimmen. Geholfen habe zudem die positive Resonanz der Kunden: „Die freuen sich natürlich, dass es langfristig weitergeht“, sagt Elke Lorz.

Gardinen wieder stärker gefragt

Die neue Größe des Betriebs ermöglichte auch weitere Schritte. So sind die Bereiche Wandgestaltung und Fußbodenbeläge wieder im Programm, und seit dem Herbst hat die Firma auch eine Auszubildende. „In unserer Branche gibt es viele Kleinstbetriebe, oft nur Vater und Sohn, da ist es schwierig, Lehrstellen anzubieten“, unterstreicht die frühere Obermeisterin Lorz die Bedeutung.

Doch wie sieht die Zukunft der Branche überhaupt aus – in einer Zeit, da immer mehr Menschen aufs Geld achten müssen und große Einrichtungshäuser und Baumärkte als Konkurrenz lauern? Da sind Ebel und Lorz sehr zuversichtlich: „Die Nachfrage ist und bleibt groß“, sagt Caroline Ebel. Und Elke Lorz stellt fest, „dass es wieder einen Trend hin zu mehr Gemütlichkeit, mehr Wohnlichkeit gibt“. So kämen zum Beispiel Gardinen wieder stärker in Mode. Und Aufträge zu den Raumausstatterinnen, in deren Betrieb zudem auch alte Möbel aufgearbeitet werden – schließlich hat der Vater von Elke Lorz mal als Polsterer begonnen.

Neues Firmenschild

Die alte, neue Firma hat also gut zu tun. Und auch wenn das Firmenschild demnächst wechselt und der Name von Caroline Ebel draufsteht – Elke Lorz will noch lange bleiben.

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