Streik am Mittwoch

„Transfeindliche Strukturen“ an der Hildesheimer Uni? Aktionsgruppe plant Protest – und erntet selbst Kritik

Hildesheim - Ein Zusammenschluss von Hildesheimer Studierenden fordert unter anderem genderneutrale Toiletten, macht aber an der Uni auch noch ein umfassenderes Diskriminierungsproblem aus – so reagiert die Hochschule.

Diskriminierende Machtstrukturen an der Hildesheimer Uni? Ein Aktionsbündnis macht unter anderem Transfeindlichkeit aus und ruft deswegen zu einem Streik auf. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Sie nennen sich „Aktionsgruppe trans*“, kritisieren angebliche „transfeindliche“ und „neokoloniale Strukturen“ an der Hildesheimer Universität und rufen Mitstudierende heute zu einem Streik auf: ein loser Zusammenschluss „aus studierenden trans*/nicht-binären Personen und Kompliz*innen“ – so bezeichnen sich diejenigen, die entsprechende Aufrufe per Mail verschickt haben.

Forderung nach genderneutralen Toiletten

Sie seien müde, genervt und wütend, heißt es in dem Text. Bei der Protest-Aktion auf dem Kulturcampus auf der Domäne wollen sie das zum Ausdruck bringen und sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Konkrete Forderungen hat das Bündnis auch, zum Beispiel sollten alle WCs der Hochschule zu genderneutralen Toiletten werden. Auch sollten in Uni-Formularen Angaben zum Geschlecht nur noch auf freiwilliger Basis erfolgen.

Die Gruppe holt aus zur Fundamentalkritik. Wörtlich heißt es: „Viel zu oft engagieren sich Studierende am Rande ihrer Kapazitäten, erarbeiten wertvolle Ideen und Forderungen, die häufig erst ignoriert werden und sich dann unter dem Leistungszwang eines neoliberalen kapitalistischen Unisystems und dem auslaugenden Leben in einer von Diskriminierung geprägten Gesellschaft im Sande verlaufen.“

Uni-Leitung zeigt sich „überrascht“

Und wie stehen jene Verantwortlichen dazu? Eine Antwort gibt es aus der Pressestelle der Uni. Das Aktionsbündnis spreche durchaus „wichtige Themen von gesamtgesellschaftlicher Tragweite“ an, und gerade an Universitäten dürfe offen diskutiert und gestritten werden – doch man sei „überrascht, durch Aushänge von dem Aufruf erfahren“ zu haben.

Die von der Gruppe beschriebenen Anliegen seien „seit längerem“ Gegenstand verschiedener Initiativen und Maßnahmen an der Uni, heißt es in der Stellungnahme an die HAZ. Eine „(laut-)starke Studierendenvertretung sei auch seitens des Präsidiums ausdrücklich erwünscht – eine Bestreikung des eigenen Studiums hingegen halte man nicht für einen geeigneten Weg. Die Ideen- und Beschwerdestelle der Uni habe der Aktionsgruppe ein Gesprächsangebot gemacht, und dieses bestehe weiterhin. Allein, es „wurde bislang nicht angenommen“.

Die Gruppe wiederum erklärt: Gespräche mit den Verantwortlichen der Universität seien bisher ohne „nennenswerte Erfolge“ geblieben.

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