Kreis Hildesheim - Obwohl es derzeit in der Ukraine noch sommerlich warm ist, fürchten viele Menschen dort schon jetzt den bevorstehenden Winter, wie Rita Limmroth, Vorsitzende des Hildesheimer Vereins Aktion Tschernobyl Hilfe berichtet. Der Verein sammelt Spenden und Material, damit die Familien ihre teilweise zerstörten Häuser winterfest machen können. „In besonders umkämpften Gebieten leben Familien schon ein Jahr lang ohne Strom und Wasser in ihren Häusern“, berichtet Limmroth. Zudem kümmert sich der Verein um die medizinische Ausstattung von Krankenhäusern – besonders um die der Kinderklinik in Luzk. Dort werden dringend Beatmungsgeräte für Neugeborene benötigt. Außerdem müssen sich die Mediziner dort zunehmend um traumatisierte Kleinkinder kümmern.
Traumatisierte Mädchen und Jungen
Im Keller der Kinderklinik in Luzk ist kürzlich ein Therapieraum für kleine Mädchen und Jungen eingerichtet worden. Dort werden Kinder behandelt, die seit ihrer Geburt während des Kriegs mit ihren Müttern in Kellern leben. „Diese Kinder bekommen Panik, wenn ihre Mütter mit ihnen ins Freie gehen“, berichtet Limmroth. Sonne, Wind oder Regen kennen diese Mädchen und Jungen so gut wie gar nicht und deshalb bekommen sie große Angst. Nun versuchen Therapeuten, diesen Kindern behutsam zu helfen.
Beatmungsgeräte für die Säuglingsstation
Auf der Säuglingsstation kämpfen die Mediziner dagegen um das Überleben von Neugeborenen. Viele Babys müssen beatmet werden. Dafür werden spezielle Beatmungsgeräte benötigt, um deren Kauf sich der Verein in Deutschland bemüht. „Wir hoffen auf Sonderkonditionen der Hersteller, so das wir für 8000 bis 10 000 Euro ein Gerät kaufen können“, berichtet Limmroth. Die Produzenten solcher Geräte unterstützen den Verein mitunter durch Rabatte oder indem sie ihm Vorführgeräte günstiger überlassen. Auch Zubehör für die vorhandenen Geräte wird benötigt. Aktuell ist es so, dass Beatmungsschläuche, die in deutschen Kliniken nur einmal benutzt werden, in ukrainischen Kliniken immer wieder verwendet werden.
Immer noch Spätfolgen der Reaktorkatastrophe
„Der Beschuss auf alle ukrainischen Städte nimmt zu und wir müssen damit rechnen, dass die Energieversorgung ausfällt“, berichtet Rita Limmroth. Spenden ermöglichten es ihr, vor wenigen Tagen einen großen Generator zu kaufen. Er wird dafür sorgen, dass das Medikamentenlager des Kinderkrankenhauses in Luzk unabhängig von der städtischen Stromversorgung gekühlt wird. Die Stationen sind bereits mit Generatoren aus Deutschland ausgestattet. Neben den zahlreichen Kriegsopfern werden in der Klinik zudem immer noch Kinder behandelt, die unter den Spätfolgen der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl leiden – Neugeborene mit Missbildungen, Mädchen und Jungen mit verschiedenen Krebsleiden.
Vielfältige Hilfe
Auch außerhalb der Klinik gibt es große Not. Es fehle an vielem, so Limmroth. In den vergangenen zwei Jahren schickte der Verein gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe 160 Wasserfilter in die Ukraine. Mit deren Hilfe kann selbst Wasser aus Pfützen trinkbar gemacht werden. Spenden vieler Hildesheimer ermöglichten zudem den Kauf von Generatoren, um Wärmestuben an verschiedenen Orten einzurichten.
Um die Häuser zumindest notdürftig winterfest zu bekommen, bittet der Verein nun um Planen, Werkzeug, Decken, Schlafsäcke, Gummistiefel, nicht angebrochenes Dichtmaterial, wie Silikon und ausgediente Öfen, die mit Holz befeuert werden können. „Öfen, die hier nicht mehr genutzt werden dürfen, sind dort noch zulässig“, sagt Limmroth. Neben finanzieller Unterstützung werden nach wie vor Lebensmittelspenden benötigt.
Der Verein nimmt Spenden immer dienstags von 14 bis 18 Uhr in der Schützenallee 35 bis 37 in Hildesheim an. Geldspenden können auf das Vereins-Konto DE14 2519 3331 0460 200 500 überwiesen werden.

