Alfeld/Hildesheim - Mit viel Sonne und Temperaturen, die an der 20-Grad-Marke kratzten, hat der März einem langen Winter ein jähes Ende gesetzt. Das Frühlingswetter veranlasste viele Menschen dazu, das Fahrrad aus dem Keller zu holen und für den Start der neuen Fahrradsaison fit zu machen. Dass dieser Tage die Lust aufs Radeln wieder steigt, merken auch die Fahrradhändler und -werkstätten aus Alfeld, Hildesheim und der Region. Wer ein kaputtes Rad reparieren lassen will, muss Wartezeiten in Kauf nehmen.
Terminbuchungen schnellen in die Höhe
„Seit vor ungefähr zwei Wochen die ersten Sonnenstrahlen rausgekommen sind, ist die Zahl der gebuchten Termine schlagartig in die Höhe gegangen“, sagt Alexander Schneider, Geschäftsführer von Kelpe Bikes in der Alfelder Borsigstraße. Kunden, die ihr Rad bei ihm gekauft haben, warten auf einen Termin für Reparatur und Inspektion derzeit etwa eine Woche, andere zwei Wochen. Vor zwei Jahren habe das Unternehmen die Zahl seiner Werkstattarbeitsplätze massiv aufgestockt – fünf gibt es inzwischen.
„Davon sollen zuerst unsere Kunden profitieren, weil inzwischen auch viele kommen, die ihr Rad in einem Betrieb mit weniger Werkstattkapazität gekauft haben“, erklärt Schneider. „Natürlich nehmen wir diese Kunden trotzdem gern, aber unsere loyale Kundschaft hat Vorrang.“ Seine Werkstatt sei jedoch nicht nur jetzt im Frühling, sondern fast das ganze Jahr über gut ausgelastet – „eigentlich immer außer im Dezember und Januar“. Das liege auch an der großen Zahl von E-Bikes, die inzwischen im Umlauf sind. Deren Wartung sei aufgrund der vielen elektrotechnischen Bauteile und der Software-Updates merklich aufwändiger als die eines klassischen Fahrrads.
Im Ernstfall auch schneller
In Hildesheim sind die Wartezeiten gerade mitunter etwas länger: Wer ein funktionsfähiges Fahrrad zur Wartung in die Werkstatt von Fahrradideen Dynamo bringen möchte, wartet laut Mitinhaber Christian Fricke aktuell rund vier Wochen. Aber: „Als Geschäft, das sich als Dienstleister der Mobilität sieht, erledigen wir mobilitätserhaltende Arbeiten möglichst kurzfristig.“
Der Trend geht, wie alle befragten Händler bestätigen, tendenziell weiter zum Fahrrad mit Elektromotor. „Das Bio-Bike hat immer weniger Interessenten, damit wird die Auswahl dort von Jahr zu Jahr geringer“, sagt Christian Emmel, Inhaber von Räder Emmel aus Hildesheim. Wer sich in diesem Jahr ein E-Bike zulegen will, muss den Hildesheimer Händlern zufolge mindestens 2000 Euro in die Hand nehmen. Alexander Schneider von Kelpe Bikes in Alfeld setzt das mittlere Preissegment bei etwa 3500 Euro an.
Der Preis ist stark davon abhängig, wie groß der Akku und wie stark der Motor sein sollen. Vielfahrende sollten laut Dynamo-Chef Christian Fricke mindestens 4000 Euro für den Kauf eines passenden E-Bikes einplanen. Der Trend gehe bei ihm in diesem Jahr aber eher zu leichten Pedelecs mit einem Gewicht unter 20 Kilo, die sich im Fahrverhalten, der Tragefreundlichkeit und der Optik kaum noch von herkömmlichen Fahrrädern unterscheiden ließen.
Das ist 2026 gefragt
Etwas anders in Alfeld, wo das Leinebergland andere Anforderungen an die Radelnden und ihre Gefährte stellt als die Hildesheimer Börde: Hier sind starke Motoren gefragt. Bosch – „der deutsche Klassiker“, wie Schneider sagt – und das sonst im Bereich der Drohnen marktführende Unternehmen DJI hätten in dieser Saison entsprechende Systeme vorgelegt. Für den Kelpe-Geschäftsführer sind sie „die kleinen Highlights“ der Saison. Auch Mountainbikes seien in Alfeld beliebt, denn in den Bergen des Umlands „nutzen viele die Waldautobahn“, berichtet Schneider. Auch Gravel Bikes – also Fahrräder, die die Robustheit eines Mountainbikes mit der Geschwindigkeit eines Rennrads verbinden – liefen bei ihm daher gut.
Bei den Händlern aktuell ebenfalls beliebt: Vario-Sattelstützen, die sich entweder per Bowdenzug oder per Bluetooth-Sender heben oder senken lassen. Das ist besonders vorteilhaft für jene, die das Fahrrad früher immer gemieden hätten – aus Angst, damit nicht gut anhalten zu können. Christian Emmel nennt einen weiteren Trend: Nachrüstbare Blinker seien sowohl für E-Bikes als auch für Bio-Räder angesagt.
Angebote für Familien
Was bei Kelpe Bikes in Alfeld auffällt: „Das Interesse an Kinderrädern nimmt bei uns wieder zu“, berichtet Schneider. Für Familien, die gerne mit dem Rad unterwegs sind, gibt es 2026 neue Angebote. Laut Christian Emmel sind Familienräder erschwinglich geworden, Longtails zum Beispiel. Das sind Lastenräder mit leicht verlängertem Radstand und Gepäckträger, wie Christian Fricke erklärt.
