Hildesheim - Es war ein Experiment zu ungünstigen Zeiten: Mit der ersten Hildesheimer Lichterfahrt hat Veranstalter Maik Kipry ein Signal setzen wollen, um vor allem Kindern in den Krankenhäusern Hildesheims ein frohes Fest zu wünschen – auf amerikanische Weise.
Mit großen Autos, Weihnachtsmännern und Lichterketten. Doch als der Tross mit dem Bernward-Krankenhaus sein erstes Ziel erreicht, ist Schluss. Die Polizei bricht die Fahrt ab, weil das Ansteckungsrisiko zu groß wurde.
An den Straßen konnten die Abstände nicht mehr gewährleistet werden
„Allein vom Start bis zum Langelinienwall waren rund 1500 Menschen an der Straße“, schätzt Polizeieinsatzleiter Dieter Brunotte. Er setzte sich mit Veranstalter Kipry in Verbindung, um ihm mitzuteilen, dass eine Fortsetzung der Fahrt zu riskant sei.
„Die Zuschauer haben sich zwar im Wesentlichen an die Maskenpflicht gehalten, auch die Veranstalter selbst haben alle Auflagen eingehalten, aber an den Straßen konnten die Abstände nicht mehr gewährleistet werden“, fasst Brunotte gegenüber der HAZ die Lage zusammen. Er schickt dann noch zwei Motorradfahrer los, die die Zuschauern am Rest der angekündigten Strecke über den Stopp der Veranstaltung informieren sollen.
Vorgeschmack auf Silvester?
Vielleicht ist dieses Event auch ein Vorgeschmack dafür gewesen, was zum Jahresende passieren könnte – wenn zu Silvester viele Menschen vor die Haustüre und auf die Straßen treten werden.
Aber Kipry hat mit seiner Lichterfahrt auch die Herzen viele Zuschauer erreicht. Das zeigte vor allem die Anwesenheit vieler Familien mit kleinen Kindern und der Applaus bei den Besuchern an Bernward-Krankenhaus und Godehardikirche: Als die Fahrzeuge gegen 17 Uhr ihre Lichterketten ausschalteten, bekamen die Fahrer und Begleiter herzlichen Applaus gespendet.
Gegen 14 Uhr war an diesem Samstag noch alles ruhig vor der Volksbank Arena. Die ersten Ordner sind dort eingetroffen und haben eine Art „Checkpoint Charlie“ eingerichtet, um die Fahrer der rund 40 Motorräder und Rettungsfahrzeuge in Empfang zu nehmen und einzuweisen.
Einige kommen von weither, erzählt Kipry. Bis zu 600 Kilometer Entfernung seien nichts: „Ich habe auch schon solche Veranstaltungen besucht zum Beispiel in Luxemburg“, sagt er. Dass man am selben Abend noch zurückfahren muss, sei für die Teilnehmer kein Problem.
Rund 15 bis 20 „Amerikaverrückte“ gebe es wohl im Landkreis Hildesheim, erzählt der Algermissener, der selbst beim Rettungsdienst in Alfeld arbeitet. Unter den Teilnehmern sind viele Liebhaber originaler Einsatzfahrzeuge von Polizei oder Feuerwehr, die in den Staaten ihren Dienst geleistet hatte und nun säuberlich gepflegt und gewartet weiter in Deutschland fahren.
Auch Hildesheimer Rettungskräfte sind dabei
In den Tross reihten sich aber auch Hildesheimer Retter mit ein – zum Beispiel von der Berufsfeuerwehr. Vorbild der Aktion ist die jährliche Lichterfahrt vieler amerikanischer Rettungswachen (Fire Departments), die sich vor allem für Kinder und Familien vor Weihnachten leuchtend bunt geschmückt auf den Weg durch ihre Städte machen.
Eine Idee, die auch in Hildesheim gut ankommt. Vor allem die Kleinen, die mit ihren Eltern am Straßenrand stehen, zeigen immer wieder begeistert auf leuchtende Elchschlitten, den Weihnachtsmann an der Spitze eines Drehleiterwagens oder vieler anderer Lichterkettenfiguren.
Doch bevor es endlich gegen 16.30 Uhr in Richtung Moritzberg losging, kam noch eine Abordnung der Gruppe Senioren stricken mit Herz vorbei, um den Teilnehmern kleine selbst gemachte Präsente mitzubringen. „Wer Kindern eine Freude macht, hat selbst seine verdient“, sagte deren Sprecherin Sabine Baraniak, die im Seniorenzentrum Köhlergrund in Grünenplan aktiv ist.
Doch die Aufbruchsstimmung wird am Ende durch den Abbruch wieder getrübt. Maik Kipry hatte alle Auflagen eingehalten, doch er hat auch eine Begeisterung ausgelöst, die nicht mehr zu bremsen und zu kontrollieren war. Trotzdem: Sein Experiment ist gut angekommen. Und er wird es nächstes Jahr wiederholen. In der Kette der Städte, in der es eine vorweihnachtliche Lichterfahrt zugunsten von Kindern geben wird, gehört Hildesheim nun auch dazu. 2021 möglichst ohne Corona.


