Mythen und Tipps

Trotz Hitze zur Arbeit? Was Hildesheimer an den heißen Tagen wissen sollten

Hildesheim - In den nächsten Tagen wird es heiß in Hildesheim: Für Dienstag und Mittwoch sind Temperaturen über 30 Grad angesagt. Einige Tipps helfen dabei, gut durch die warmen Tage zu kommen – zählen kalte Duschen auch dazu?

In den nächsten Tagen sollen es auch in Hildesheim über 30 Grad werden. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - 32 Grad am Dienstag, 35 Grad am Mittwoch und blauer Himmel: Hildesheim stehen heiße Tage bevor. Die einen freuen sich über das Sommerwetter, andere ächzen unter der Hitze. Doch ganz gleich, ob man die Wärme mag oder nicht: Hohe Temperaturen sind eine Belastung für den Körper. Was hilft? Dürfen Eltern ihre Kinder bei Hitze einfach zu Hause lassen? Und gibt es Hitzefrei auch im Büro? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Viel trinken – aber manche Menschen sollten aufpassen

Viel trinken, im Schatten bleiben und es ruhiger angehen lassen: Wie man sich an heißen Tagen am besten verhält, lernt man schon im Kindesalter. Und manches macht man auch intuitiv: Schließlich haben die wenigsten Menschen bei 30 Grad im Schatten Lust auf deftige Hausmannskost oder ein intensives Sportprogramm.

Dr. Katja Weber ist Allgemeinmedizinerin in einer Gemeinschaftspraxis auf der Marienburger Höhe. Sie betont, dass Medizinerinnen und Mediziner je nach Fachrichtung unterschiedliche Tipps zum Umgang mit Hitze geben würden. So sei es zwar empfehlenswert, an warmen Tagen viel zu trinken; gesunden Erwachsenen mit normaler körperlicher Betätigung rät Weber drei bis vier Liter pro Tag. Wasser oder ungesüßter Tee sei hier am besten geeignet.

Menschen mit Herzerkrankungen sollten jedoch vorsichtig sein und die Trinkmenge mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen. Andernfalls könnte es zu Wassereinlagerungen kommen oder die Wirkung der eingenommenen Medikamente verringert werden.

Schatten aufsuchen, Anstrengung vermeiden

Ratsam sei außerdem, über den Tag verteilt immer wieder kleine Mengen zu trinken und nicht erst darauf zu warten, dass man durstig ist. Das gelte insbesondere für ältere Menschen, weil das Durstgefühl mit dem Alter oft nachlasse.

Wer die Möglichkeit hat, sollte versiegelte Flächen in der Stadt meiden und sich stattdessen einen schattigen Platz im Grünen suchen. Und sich dort dann auch nicht verausgaben: „Man sollte den eigenen sportlichen Anspruch der Witterung anpassen und beispielsweise lieber in den Morgen- oder Abendstunden joggen gehen. Stattdessen kann man auf Wassersport ausweichen.“

Helfen kalte Getränke oder Duschen?

Dr. Katja Weber räumt außerdem noch mit einigen Hitzemythen auf. So haben viele Menschen an heißen Tagen zwar Lust auf eisgekühlte Getränke, um sich zu erfrischen. Der Körper muss diese aber wieder erwärmen, sodass die Abkühlung nur von kurzer Dauer ist. Bei empfindlichen Menschen können kalte Getränke außerdem zu Magenschmerzen führen.

Und wie sieht es mit einer kalten Dusche zur Erfrischung aus? „Die ist für gesunde Menschen sicherlich erfrischend, es lohnt sich aber auch ein Ausflug in die Region zu einer Kaltwasseranlage zum Wassertreten.“ Hilfreich sei es auch, die Waden mit minzhaltigen Gels oder Eisgel einzureiben. Kurz vor dem Zubettgehen fördere das auch das Einschlafen. Ob man dann mit oder ohne Pyjama schläft, dürfte laut Katja Weber keinen Unterschied machen.

Was Eltern beachten sollten

Am Tag sehe das jedoch anders aus: Auch wenn viele Menschen bei hohen Temperaturen am liebsten so wenig Kleidung wie möglich tragen wollen, rät die Ärztin lieber zu langer, luftiger Kleidung und einer Kopfbedeckung. Diese verlangsamten den Anstieg der Hauttemperatur und würden außerdem vor einem Sonnenbrand schützen.

Eltern möchte die Medizinerin noch auf etwas aufmerksam machen: „Mit Tüchern verhängte und somit fast vollständig abgeschlossene Kinderwagen sind eine Gefährdung.“ Unter dem Tuch komme es zum Hitzestau und im schlimmsten Fall könne das Kind einen Hitzeschaden mit Todesfolge erleiden. Besser sei es, das Sonnenverdeck ganz vorziehen und die Lücke zur Belüftung offen zu lassen.

Ab wann gibt es Hitzefrei?

Freibad statt Klassenraum – das haben sich schon Generationen von Schülerinnen und Schülern an heißen Sommertagen gewünscht. Eine bestimmte Temperatur, ab der es Hitzefrei geben muss, existiert aber nicht; ob und wenn ja, ab wann der Unterricht bei starker Wärme entfällt, entscheidet jede Schule individuell.

Bernd Wittenberg ist Schulleiter der Grundschule Nord und erklärt, dass verlässliche Grundschulen dazu angehalten seien, die Schülerinnen und Schüler nicht vor 13 Uhr nach Hause zu schicken. „Wenn es in den Klassenräumen zu warm ist, steht es den Kolleginnen und Kollegen aber frei, mit ihren Klassen nach draußen zu gehen. Wir haben ein großes, schattiges Schulgrundstück, auf dem das gut möglich ist.“

Unterricht im Freien

Nun stehen die Sommerferien kurz bevor, sodass in den Schulen ohnehin nicht mehr viel Betrieb herrscht. Im vergangenen Jahr habe man an heißen Tagen aber den Nachmittagsunterricht ausfallen lassen und die Kinder um 13 Uhr nach Hause geschickt. „Unser Schulgebäude ist Baujahr 1954, die Wärmeisolierung entsprechend gering“, erklärt Wittenberg.

Und was ist, wenn Eltern sich an heißen Tagen Sorgen um das Wohl ihrer Kinder machen? Dürfen sie sie dann einfach zu Hause lassen oder früher abholen? Bernd Wittenberg erklärt, dass hier die gleichen Regeln wie bei angekündigten Unwettern gelten. „Natürlich dürfen die Eltern sich bei uns melden und sagen, dass sie ihre Kinder zum Beispiel mit Beginn der zweiten großen Pause abholen. Wir sehen das aber nicht so gerne, weil es Unruhe in den Schulalltag bringt.“

Gibt es Hitzefrei auch im Büro?

Hitzefrei für Arbeitnehmer gibt es nicht – Arbeitgeber sind allerdings dazu angehalten, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch bei hohen Temperaturen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie gut arbeiten können.

Bei der Stadt Hildesheim als Arbeitgeber gibt es dafür offizielle Regelungen, wie Pressesprecher Helge Miethe erklärt: „In den Monaten Juni bis August wird den Mitarbeitenden Wasser auf Kosten der Stadt zur Verfügung gestellt.“ Im Juli und August werde außerdem der Arbeitszeitrahmen ausgedehnt, für die Kernverwaltung liege dieser dann zwischen 6 und 21 Uhr. Die Beschäftigten der Stadt könnten innerhalb dieses Zeitfensters dann selbstständig entscheiden, wann sie arbeiten, sofern dienstliche Belange dem nicht entgegenstehen.

Was Arbeitgeber tun sollten

„Auf Antrag beschafft das Gebäudemanagement für die Büros Ventilatoren.“ So steht es auch als Empfehlung in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Ab einer Raumtemperatur von 26 Grad sollen Arbeitgeber beispielsweise Ventilatoren aufstellen, die Büros in der Nacht oder am frühen Morgen lüften, zusätzliche Wärmequellen wie Drucker oder Kopierer nur bei Bedarf einschalten und Getränke verteilen.

Außerdem findet sich in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten die Empfehlung, die Bekleidungsregeln an besonders warmen Tagen zu lockern – statt Hemd und Krawatte sollten Angestellte dann beispielsweise auch T-Shirts tragen dürfen. Ab einer Raumtemperatur von über 30 Grad muss der Arbeitgeber mit diesen Maßnahmen für Abkühlung sorgen.

Und wenn es noch heißer wird?

Wird es im Büro noch wärmer und liegt die Temperatur dann bei 35 Grad oder mehr, ist das Büro den Arbeitsstättenregeln zufolge nicht mehr zum Arbeiten geeignet. Einfach nach Hause gehen und frei machen dürfen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deshalb aber nicht. Sie können dann jedoch auf ihre Vorgesetzten zugehen und diese um längere oder zusätzliche Pausen oder um Gleitzeit bitten – und dann zum Beispiel schon früher am Morgen bei noch moderaten Temperaturen mit der Arbeit beginnen.

Das gilt vor allem auch für Beschäftigte, die draußen arbeiten, zum Beispiel auf Baustellen. Stadtsprecher Helge Miethe erklärt, dass Mitarbeitende des Bauhofs, die im Freien arbeiten, an heißen Tagen eine halbe Stunde früher mit der Arbeit beginnen dürfen.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.