Wirtschaftlicher Tiefpunkt für Betreiber

Trübe Saison beendet – Blick nach vorn: Wie geht es mit der Hildesheimer Jo-Wiese weiter?

Hildesheim - Bad-Betreiber Matthias Mehler muss erneut eine schlechte Saison verkraften und verhandelt über neuen Vertrag mit der Stadt. VfV-Freibad kann durch Zuschuss für 2022 planen.

Die letzten Schwimmer sind weg, die Saison der Jo-Wiese ist vorbei – nun müssen Betreiber Matthias Mehler und die Stadt über eine mögliche Vertragsverlängerung verhandeln. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Bei trübem Herbstwetter haben am vergangenen Wochenende die letzten Schwimmer dieser Saison ihre Bahnen im Freibad Jo-Wiese gezogen. Es waren wieder vor allem die Dauergäste mit Saisonkarten, auf die sich Badbetreiber Matthias Mehler verlassen konnte. Doch auch dieser fest einkalkulierte Posten im Etat konnte nicht verhindern, dass die Badesaison 2021 zur wirtschaftlich schlechtesten seit Mehlers Übernahme des Bads im Jahr 2013 wurde. Genaue Zahlen will der Unternehmer erst in gut zwei Wochen nach gründlicher Auswertung vorlegen, doch dass die abgelaufene Betriebszeit ganz unten auf der Rangliste der bisherigen Sommer unter seiner Regie rangiert, ist seinen Angaben nach schon jetzt klar. Vor allem drei Faktoren haben Einfluss genommen: Corona, der ausgefallene Jo-Beach sowie das mäßige Wetter.

Treue Dauergäste

Wegen der Pandemie-Auswirkungen durfte Mehler das Bad erst Ende Mai öffnen, und auch im laufenden Betrieb gab es Einschränkungen. Ein Beispiel: Weil die vorgeschriebene Abstandsregelungen in den Duschen schwer umzusetzen gewesen wären und der Betrieb angesichts der erwarteten Nutzerzahlen zu viel Aufwand bedeutet hätte, blieben die Warmduschen während der vergangenen Monate aus. Insgesamt hielten sich nach Mehlers Einschätzung die Corona-Regeln zwar in Maßen, doch während Dauergäste sich auch mit vielem arrangierten, so lange sie ihrem Hobby nachgehen könnten, seien Tagesgäste zurückhaltender. Das gleiche gilt auch für einen anderen Faktor, die Mehlers Einschätzung nach noch einen größeren Einfluss auf die Besucherzahlen hatte und sich schon seit einigen Jahren deutlich niederschlägt: das Wetter. Oder, genauer gesagt: Der Blick auf die Wetter-App.

Wenn die App mehr zählt als das echte Wetter

Damit das Bad richtig voll wird, so wie es in der gerade abgelaufenen Saison nur einige Tage Anfang Juni war, müssten die Apps schon für mehrere Tage im voraus ganz deutlich wolkenlosen Himmel und 30 Grad anzeigen, sagt Mehler. „Es ist verrückt, aber schon ein paar Wolken in der Anzeige oder ,nur’ 29 Grad führen dazu, dass deutlich weniger Menschen kommen, ganz egal, wie das Wetter an dem Tag dann wirklich ist.“ In der Tat ließ sich das auch in diesem Jahr immer wieder beobachten: Da hatten nachmittags bei sonnigen 25 Grad wenige Familien und einige Sportschwimmer Wiese und Becken für sich – weil es morgens leicht genieselt hatte und ein paar Wölkchen am Himmel umherzogen.

Zuschuss sichert VfV Freibad

Das gleiche App-Phänomen und die verloren gegangene Spontaneität vieler Leute beschreibt auch Dieter Engelke. Er ist Vorsitzender des Vereins für Schwimmsport (VfS), der das VfV-Freibad betreibt. Auch dort ist die Saison seit wenigen Tagen abgeschlossen und Engelke zieht verhalten Bilanz – angesichts der coronabedingt um etwa fünf Wochen verkürzten Öffnungszeit und des Wettereinflusses ist das Ergebnis jedenfalls kein Desaster. Um gut ein Drittel niedriger im Vergleich zum Jahr 2019 lag die Zahl der erwachsenen Gäste mit rund 5000, bei den Kindern waren es 1600 statt 2000 im Jahr 2019. 2020 hatte das Freibad aus finanziellen Gründen nur wenige Tage geöffnet – ohne städtische Zuschuss sei es nicht zu betreiben, hatte Engelke bekräftigt. Und die erhoffte Geldspritze war ausgeblieben. Inzwischen ist aber ein regelmäßiger Zuschuss der Stadt von 8000 Euro jährlich gesichert, im Gegenzug bekommen Vereine und Schulen Bahnzeiten im VfV-Freibad zugesichert. Einem entsprechenden Beschlussvorschlag hatte der Verwaltungsausschuss im Mai zugestimmt.

Mehler und Stadt verhandeln

Über die künftigen finanziellen Details ihrer Beziehung müssen auch Jo-Wiese-Betreiber Matthias Mehler und die Stadtverwaltung verhandeln – wenn es denn ein weiteres Miteinander geben soll. Mehlers Vertrag läuft noch bis Ende 2022, und grundsätzlich hat er noch Lust weiterzumachen und auch neue Ideen für das Bad. Aber dass unter den bisherigen Bedingungen weiter zur Verfügung stünde, gilt als unwahrscheinlich. Der laufende Vertrag zwischen Stadt und Mehler sieht grundsätzlich vor, dass es einen jährlichen städtischen Betriebskostenzuschuss von 314 000 Euro gibt, dafür muss der Betreiber die ersten 100 000 Euro aus den Eintrittsgeldern sowie 5 Cent pro eingenommenem Euro an die Stadt überweisen. Im Gespräch mit der HAZ nennt Mehler keine konkreten Forderungen und Zahlen, deutet aber an, dass es in den anstehenden Gesprächen mit der Stadtverwaltung ums Geld gehen werde. „Wir brauchen im Vertrag eine Anpassung.“

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