Festnahme

U-Haft für TikTok-Totenkopf-Mann aus Hildesheim: Hat er Kreismitarbeiter bedroht und Auto in Brand gesteckt?

Hildesheim - Ein 37-jähriger Hildesheimer soll einen Mitarbeiter des Landkreises massiv bedroht haben, nachdem die Behörde ihm seinen als gefährlich eingestuften Hund weggenommen hat. Und dann brennt vorm Kreishaus ein Auto – jetzt sitzt der Verdächtige in U-Haft.

In mehreren Videos soll der Beschuldigte aus Hildesheim einen Mitarbeiter des Landkreises bedroht haben – dabei zeigte er sich stets durch einen Totenkopffilter unkenntlich gemacht. Foto: Jan Fuhrhop

Hildesheim - Er soll einen Mitarbeiter des Landkreises Hildesheim mehrfach bedroht und schließlich auf dem Parkplatz des Kreishauses ein Auto angezündet haben – jetzt hat die Polizei den mutmaßlichen Täter festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das Amtsgericht den 37-jährigen Hildesheimer am Mittwoch in Untersuchungshaft geschickt: Die Strafverfolger sehen den dringenden Tatverdacht der Brandstiftung und außerdem Fluchtgefahr, da der Beschuldigte derzeit keinen festen Wohnsitz hat.

Videos auf TikTok – immer mit Totenkopfgesicht

Der Festnahme des Verdächtigen am Dienstag sind langwierige Ermittlungen vorausgegangen. Der 37-Jährige war zwischenzeitlich abgetaucht, nachdem er mutmaßlich in E-Mails und vor allem auf TikTok drastische Drohungen gegen einen Mitarbeiter der Kreisverwaltung ausgesprochen hatte. Auslöser für eine Serie von Videos mit teils wirren Aussagen und verzerrter Stimme, in denen der Ersteller stets einen Filter benutzte, der sein Gesicht als Totenkopf darstellte, ist offensichtlich eine Entscheidung des Landkreises aus dem November.

Die Behörde nimmt dem Mann damals seinen Hund weg, verbietet ihm die Haltung des als gefährlich eingestuften Tieres. Fortan postet er diverse Fotos und Videos, verschickt E-Mails. Der Tenor ist immer der gleiche: Der Landkreis und vor allem der verantwortliche Mitarbeiter hätten kein Recht zu dem Schritt gehabt, sein Hund und er seien Opfer, sie würden leiden. Und immer wieder fordert er, das Tier freizulassen.

Polizei und Kreisverwaltung nehmen die bedrohlichen Äußerungen rasch ernst. Der von dem nun in U-Haft sitzenden 37-Jährigen immer wieder namentlich genannten Mitarbeiter wird sicherheitshalber ins Homeoffice geschickt, der Sicherheitsdienst im Kreishaus erhält Fotos und Namen des Verdächtigen. Versuche, den Mann zu Gesprächen zu bewegen, um zu deeskalieren, scheitern. Zu einem vereinbarten Termin taucht er nach Informationen dieser Zeitung nicht auf. „Wie soll ich euch vertrauen, wenn ich nicht mal meiner Mutter vertraue?“, fragt er auf seinem TikTok-Kanal im Vorfeld des geplanten Termins.

Seine Äußerungen in den von ihm veröffentlichen Videos, die der Redaktion vorliegen, werden im weiteren Verlauf immer drastischer. Man solle seinen Hund freilassen, fordert er in einem am 27. November veröffentlichen Statement und kündigt an: „Ich hole ihn mir mit Gewalt wieder zurück. Ich schwöre es, Alter, die Lunte ist so am Ende. Es ist der letzte Tag. Ihr verfickten Menschen.“ Den Kreismitarbeiter, auf den er seinen Hass projiziert, spricht er direkt und namentlich an: Er werde ihm nehmen, „was dir heilig ist.“ Er droht weiter mit „Blutvergießen“ und kündigt an: „Alles wird brennen.“

Der Verdacht liegt nach der Brandstiftung nahe

Wer damals in den Fall involviert ist und die Vorgeschichte kennt, schreckt einen Tag später auf: Denn in der Nacht vom 28. auf den 29. November brennt es tatsächlich – und zwar auf dem Parkplatz des Kreishauses. Die erste Meldung über ein Feuer auf dem Gelände an der Marie-Wagenknecht-Straße geht gegen 1 Uhr bei der Berufsfeuerwehr ein. Als die Brandbekämpfer vor Ort eintreffen, steht ein Toyoto Aygo bereits voll in Flammen. Die Einsatzkräfte können nicht mehr verhindern, dass der Kleinwagen komplett zerstört wird, zudem wird ein neben dem Toyota geparkter Citroën C1 durch das Feuer beschädigt, ebenso eine Hecke. In ersten Stellungnahmen teilt Polizeisprecher Jan Makowski mit, man ermittele in alle Richtungen. Der Verdacht gegen den Totenkopf-Mann von TikTok liegt aber auf der Hand.

In den folgenden Wochen wird es zunächst ruhiger. Auch, weil sich der Verdächtige nach Erkenntnissen der Ermittler zwischenzeitlich im Ausland aufhält. Anfang Januar meldet er sich auf TikTok: Mit einem Foto des Kreismitarbeiters und dem Zusatz „1000 Euro Belohnung für die Adresse“. Tage später geht eine E-Mail in der Verwaltung ein: Der Absender droht mit einer Bombe. Polizei und auch Landrat Bernd Lynack gehen damals davon aus, dass der Gesuchte auch dafür verantwortlich ist. An jenem Tag rückt die Polizei am späten Nachmittag im Kreishaus an, die Mitarbeitenden werden aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Ein Sprengsatz wird nicht gefunden.

Mitte Januar, der Mann hält sich inzwischen wieder in Hildesheim auf, rücken Beamte aus, um ihn bei einer Gefährderansprache klarzumachen, dass er die Bedrohungen einzustellen habe. Bei dem Einsatz stellen die Polizisten auch das Smartphone des Mannes sicher – die folgende Auswertung des Mobiltelefons erhärtet schließlich nach Angaben der Staatsanwaltschaft und der Polizei den Verdacht der Brandstiftung am Kreishaus und auch bezüglich der Drohungen.

Haftbefehl – doch der Gesuchte ist untergetaucht

Den daraufhin erwirkten Haftbefehl kann die Polizei aber zunächst nicht vollstrecken, denn der 37-Jährige taucht erneut ab. Am Dienstag, 29. April, sieht dann ein Hildesheimer Polizist den Gesuchten in der Stadt und informiert umgehend Kollegen der Dienststelle in der Schützenwiese – schließlich gelingt wenig später die Festnahme des Mannes.

Am Mittwochmorgen verkündet ein Richter schließlich den Haftbefehl, der 37-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft. Dessen Pflichtverteidiger Sebastian Ballauf teilt gegenüber der Redaktion mit: „Mein Mandant hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert.“ Er selbst müsse sich nun zunächst in die Unterlagen einarbeiten und sich einen Überblick über die Ermittlungen und die Vorwürfe verschaffen, so Ballauf.

Landrat Bernd Lynack zeigt sich erleichtert, dass der mutmaßliche Täter nun vorerst hinter Gittern sitzt. „Ich freue mich über den Fahndungserfolg.“ Die Staatsanwaltschaft prüft nach Angaben ihres stellvertretenden Sprechers Constantin Rawohl derzeit noch, ob ein psychiatrischer Sachverständiger eingesetzt werden soll, um den Beschuldigten zu begutachten.

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