Hildesheim - Das mit dem Zeitplan fürs eigene Leben ist ja immer so eine Sache, liebe Katharina: Mit Anfang 20 hatte ich einen wahnsinnigen Stress. Ich dachte, innerhalb der nächsten fünf Jahre müsse alles für die Zukunft stehen – Hochzeit, Haus, Job, Kind. Am besten in der Reihenfolge.
Wie ich darauf kam, kann ich dir selbst nicht so recht beantworten. Mittlerweile stresst mich das alles weniger – zum Glück. Denn diesen einen Plan, der für alle passt, den gibt’s halt nicht. Und auch nicht den einen Weg. Letztens war ich auf einer Hochzeit (nein, nicht meiner eigenen), und da hatten wir genau das Thema.
Alles haben kann man nicht
Eine erzählte vom Leben in der Großstadt, wie teuer das sei, aber auch wie abwechslungsreich, komfortabel. Ein anderes Paar lebt auf dem Land, genießt die Ruhe und die Natur, muss dafür aber auch zur Arbeit pendeln. Wieder andere bereisen die Welt, werden geformt von den Erfahrungen aus anderen Kulturen – können aber kein Konto mit viel Erspartem vorweisen.
Alles haben kann man nicht, Kompromisse muss man immer eingehen – vor allem aber sollten wir uns, liebe Katharina, nicht zu sehr davon stressen lassen, was andere machen. Immerhin haben wir nur das eine Leben, und nur weil etwas für den anderen passt, muss es mich noch lange nicht glücklich machen. Der beste Plan ist doch sowieso immer noch der, den man über Bord wirft, oder?
In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.
