Hildesheim - Es war ein spektakulärer Erfolg: Im Februar wurde die Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin festgenommen. Seitdem sind jedoch mehr als vier Monate vergangen – und die Suche nach ihren beiden Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg ist weiter erfolglos. Nun haben die Staatsanwaltschaft Verden und das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen neue Fahndungsfotos veröffentlicht und bitten die Bevölkerung um Hinweise.
Die neuen Fahndungsbilder
Die am Mittwoch veröffentlichten Bilder zeigen Ernst-Volker Staub. Die Ermittler werten nach der Festnahme von Klette aktuell weiterhin eine Vielzahl von Asservaten und digitalen Daten aus, darunter auch Fotos. Eines, auf das sie stießen, stammt laut LKA aus dem Jahr 2002 und soll Staub zeigen, der zu diesem Zeitpunkt 47 oder 48 Jahre alt war. Die Ermittler haben „gewichtige Indizien“, dass sich Staub zumindest zeitweise auch in der Wohnung von Daniela Klette aufhielt.
Neben dem Foto aus dem Jahr 2002 haben Staatsanwaltschaft und LKA zudem noch ein sogenannten „Aging-Bild“ veröffentlicht – eine Aufnahme also, bei dem digital berechnet wurde, wie Staub heute im Alter von 69 Jahren aussehen könnte.
Viele Fragen des LKA
Nachdem der Fall im Februar noch vor der Festnahme von Klette bereits in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... Ungelöst“ aufgegriffen wurde, erhoffen sich die Behörden mit dem erneuten Aufruf nun nicht nur Hinweise zum aktuellen Aufenthaltsort von Staub, sondern verbinden mit der Veröffentlichung viele weitere Fragen: Wer kann Angaben dazu machen, wann und wo sich Ernst-Volker Staub 2002 und später in Berlin oder anderorts aufgehalten und gewohnt hat? Wer gehörte zu seinen Freunden und Bekannten? Hatte er einen Lebensgefährten oder eine -gefährtin? Und die Ermittler stellen auch eine sehr spezifische medizinische Frage: Wo hat sich Staub medizinisch oder zahnmedizinisch behandeln lassen?
Es gebe Hinweise darauf, dass die Beschuldigten die Tatorte ihrer Überfälle in den Wochen oder den Monaten zuvor konsequent ausgekundschaftet und dafür eine Wohnung in Tatortnähe angemietet haben. Auch dazu erhoffen sich die Ermittler Hinweise oder gar den Kontakt zu jemandem, der den Gesuchten eine Wohnung vermietet hat.
Der Überfall auf einen Hildesheimer Rewe-Markt
Die Ermittler fahnden unter anderem wegen versuchten Mordes und mindestens elf Raubüberfällen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bereits seit mehreren Jahren nach den flüchtigen Staub und Garweg – bislang allerdings ohne Erfolg. Sie gehen davon aus, dass die beiden zusammen mit Daniela Klette „mindestens“ zwischen 1999 und 2016 in Deutschland wohnte, in diesem Zeitraum Hilfe von Dritten bekam, sich darüber hinaus aber auch mit Überfällen den Lebensunterhalt im Untergrund finanzierte. Insgesamt sollen sie so mindestens 3 Millionen Euro erbeutet haben.
Garweg und Staub sollen den Ermittlern zufolge auch für einen Überfall in Hildesheim verantwortlich sein, nämlich den vom 7. Mai 2016 auf den Rewe-Markt in der Siemensstraße im Stadtteil Bavenstedt. Veröffentlichte Aufnahmen aus einer Videokamera des Supermarktes zeigen die beiden mit Pistolen bewaffneten Täter, die einen Rewe-Mitarbeiter in einen Nebenraum drängen. Später kommen die Täter mit dunklen Tüchern vors Gesicht gebunden wieder aus dem Nebenraum heraus und laufen aus dem Sichtfeld der Kamera hinaus. Beute machten sie in diesem Fall nicht.
Hinweise auch anonym möglich
Hinweise nehmen das LKA Niedersachsen telefonisch unter 05 11 / 9873-7400 sowie jede andere Polizeidienststelle, beispielsweise die in Hildesheim (0 51 21 / 939-115), entgegen. Auch das anonyme Hinweisgeberportal BKMS ist weiterhin geschaltet.
Da Garweg und Staub bewaffnet sein könnten, rät das LKA Niedersachsen den Bürgerinnen und Bürgern dringend davon ab, die Gesuchten selbst anzusprechen.



