Vor der Strafkammer

Überfall auf Rossmann-Filiale im Kreis Hildesheim: „Der Täter wedelte mit dem Messer vor mir“

Sarstedt/Hildesheim - Wegen besonders schweren Raubes steht ein 23-Jähriger vor dem Hildesheimer Landgericht. Er soll eine Rossmann-Filiale in Sarstedt überfallen haben. Eine Kassiererin berichtet, welche Folgen der Übergriff für sie hatte.

Zwei Justizbedienstete führen den Angeklagten am Montagmorgen in den Saal 147 des Hildesheimer Landgerichts, neben ihm geht einer seiner Verteidiger, Ugur Ogurtan. Foto: Chris Gossmann

Sarstedt/Hildesheim - Mit Handschellen gefesselt führen zwei Justizdienste den Angeklagten am Montag vor Gericht. Der Sarstedter sitzt in Untersuchungshaft und muss sich seit Montag vor der Strafkammer 9 des Landgerichts Hildesheim unter Vorsitz von Richter Steffen Kumme verantworten.

Ein schmaler Mann mit schwarzem Vollbart betritt den Saal 147 und verdeckt mit einem roten Aktenhefter sein Gesicht. Der 23-Jährige soll am 27. Dezember vergangenen Jahres eine Rossmann-Filiale in der Straße Vor der Kirche 2-4 in Sarstedt überfallen haben.

Mit Tuch vermummt

In dunkler Kleidung, dazu mit einem schwarz-weißen Mundtuch vermummt und einem beigen Käppi auf dem Kopf bedrängte er laut Anklage eine Kassiererin – und hat dabei ein Cuttermesser in der Hand.

Das bestätigt die 40-jährige Frau aus Elze im Zeugenstand. „‚Kasse auf, Kasse auf’“ hat der Täter zu mir gesagt, berichtet die Zeugin. Sofort habe sie die Kasse per Knopfdruck geöffnet. „Der Täter wedelte mit dem Messer vor mir her herum“, so die Frau weiter. Dabei sei der Mann nur 30 Zentimeter von ihr entfernt gewesen, dann habe er in die Schublade gegriffen und sei mit knapp 900 Euro zu Fuß geflüchtet.

In der Dunkelheit verschwunden

Mit einem Walkie-Talkie verständigt die 40-Jährige ihre Kollegen, berichtet die Kassiererin vor Gericht. Ein Kunde habe den Räuber verfolgt. Der aber verschwindet in der Dunkelheit.

Zurück bleibt die verängstigte Kassiererin, die nach dem Überfall zunächst nicht mehr arbeiten kann. Ihr Arbeitgeber stellt ihr einen Psychologen zur Seite. „Das hat gut geholfen“, sagt die Frau. Zwei Monate lang hat sie an den Folgen des Schocks gelitten, wie sie sagt. Mittlerweile komme sie mit diesem Erlebnis deutlich besser zurecht und könne wieder „normal arbeiten“, fügt sie im Zeugenstand hinzu.

DNA-Spuren helfen Ermittlern

Beamte der Polizei Sarstedt sind nach dem Überfall schnell zur Stelle, sie finden das Tuch, mit dem sich der Täter maskiert hat und auch sein Käppi in der Nähe der Rossmann-Filiale. DNA-Spuren an den Kleidungsstücken helfen den Fahndern später, ihn aufzuspüren. Der Mann ist für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Wegen Raub- und Gewaltdelikten steht er in den Akten der Ermittler, berichtet eine Polizistin vor Gericht.

Sie ist nach eigenem Bekunden bei der nächtlichen Festnahme des 22-Jährigen im vergangenen April in Sarstedt dabei gewesen. Gegen 2 Uhr morgens holen die Beamten den Angeklagten aus dem Bett, der seinerzeit bei seinen Eltern wohnte. Bei der Hausdurchsuchung stößt die Polizei auf ein Cuttermesser, das in einer Box in einer Garage liegt – möglicherweise die Tatwaffe, vermuten die Ermittler.

„Gereizte Stimmung“

„Es war eine gereizte Stimmung“, schildert die Polizistin die Festnahme. Der Vater sei sehr aufgebracht gewesen. Die Eltern hätten sich Sorgen gemacht, weil der Sohn als Diabetiker Medikamente bräuchte. Dann bringen die Ermittler den 23-Jährigen in die Polizeiinspektion Hildesheim, später muss er in Untersuchungshaft.

Vor der Strafkammer hüllt sich der Angeklagte bislang in Schweigen, zumindest vorerst, so sein Rechtsanwalt Ugur Ogurtan der gemeinsam mit Sebastian Ballauf und Yana Tchelpanova den Sarstedter verteidigt.

Wichtiges Gutachten

Eine wichtige Rolle bei dem Prozess spielt das Gutachten des Sachverständigen Till Wörpel, der den Angeklagten untersucht hatte. Dabei geht es darum, ob er möglicherweise während der Tat nicht schuldfähig war und daher in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Diese Frage muss die Strafkammer prüfen.

Zudem sollen noch weitere Zeugen gehört werden. Der Ausgang des Verfahrens ist derzeit noch offen. Bislang sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt worden.

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