Hildesheim - Am Dienstag nach Ostern geht es für Taras Savchuk in die Heimat. Nach Luzk in der Ukraine. Die längst nicht mehr die Heimat ist, die der junge Mann vor nicht allzu langer Zeit verlassen hat, um in Hildesheim an der HAWK Kindheitspädagogik zu studieren.
Es ist kein Besuch aus familiären Gründen oder Heimweh, es geht darum, den Menschen dringend benötigte Lebensmittel zu bringen. Taras hat eine Bedarfsliste geschickt bekommen, ganz aktuell, geschrieben von denen, die selbst am besten wissen, was sie benötigen.
Taras arbeitet als Kellner im Alazani – immer freitags
Und er möchte, sagt er, Hildesheimer bitten, ihm zu helfen, diese Liste abzuarbeiten. Indem sie ein oder zwei der genannten Sachen als Spende im georgischen Restaurant Alazani im Immengarten abgeben. Warum genau hier? „Ich arbeite hier als Kellner“, sagt Taras, „jeden Freitag“. Und weil er inzwischen zu den Inhabern ein vertrauensvollen Verhältnis hat und die wiederum ein großes Lager besitzen, biete sich der Ort als Annahmestelle an.
Die Menschen aus Luzk benötigen haltbare Lebensmittel: Getreide, Nudeln, Öl, Konserven, Tee, Kaffee, Milch und Babynahrung. An Hygieneartikeln vor allem Windeln verschiedener Größen, Zahnpasta und Zahnbürsten, Duschgel und Seifen, Deo, Waschmittel, und Toilettenpapier. An Kleidung vor allem Frühjahrsgarderobe, Shirts, Schuhe und Turnschuhe, Strümpfe und Bettwäsche. Ansonsten Schlafsäcke, Decken, Kissen, Medikamente, Elektrogeräte wie Mikrowellen, Handys, Powerbanks und Batterien.
Eine Fahrt ohne Halt, einfach von A nach B
Was Taras bekommt, fährt er direkt dorthin, wo es gebraucht wird. Ohne zwischengeschaltete Organisation. Ohne Halt. Einfach von A nach B, von Hildesheim nach Luzk. Er selbst sammelt auch noch andere Dinge, Dinge zur Verteidigung seiner Landsleute, Schutzwesten, Stiefel, Militärrucksäcke. Er weiß, dass es mit Turnschuhen nicht getan ist, nicht für die Männer, die kämpfen. Aber das will er selbst tun, nicht als Spendenbitte an die Öffentlichkeit geben.
Überhaupt scheint er, bei aller Freundlichkeit, mehr für sich zu behalten als zu erzählen. Von den Eltern und seiner Großmutter etwa, die in Luzk geblieben sind und auch weiterhin bleiben wollen. Von den Bomben, die nicht auf die Stadt selbst, aber auf den Militärflughafen und andere Institutionen gefallen sind. Von der Angst seiner Freunde und seiner Familie, es könnte beim nächsten Mal ihr Haus sein. Von seiner Angst um sie alle. Davon sagt er nichts.
Taras hat Alexander viele Fotos aus Luzk gezeigt
Lieber arbeitet Taras. Sein Chef im Alazani, Alexander Shukow, sagt, er unterstützt die Spendenaktion gern und von Herzen. „Ich finde das richtig gut, denn diese Spenden gehen nicht anonym an einen großen Verband. Sondern genau an die richtige Stelle.“ Taras, sagt er, hat ihm viele Fotos gezeigt, von seiner Stadt, von den Kindern dort, denen er schon mehrfach Sachen aus Deutschland gebracht oder Geld gespendet hat. An ein Verteilzentrum der Luzker Stadtverwaltung haben Taras und sein Bruder auf einer Tour 300 Kilo Lebensmittel und Malbücher samt Stiften für Kinder geliefert.
Auch dieser Transport soll voll werden, das ist sein Wunsch. Damit Taras den Menschen, die er zurückgelassen hat, nun etwas mitbringen kann. Etwas, von dem er weiß, dass sie es brauchen.
Das Alazani im Immengarten 48 nimmt am Karfreitag, Ostersamstag und Ostersonntag Spenden an, jeweils von 10 bis 15 Uhr. Am besten in Kartons oder Kisten verpackt, beschriftet mit dem Inhalt. So kommt in Luzk alles am schnellsten bei den Menschen an.
