Benefizaktion für kranke Kinder auf Rädern

Mehr als Zehntausend schauen bei der zweiten Hildesheimer Lichterfahrt zu

Hildesheim - Rund 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich an die 20 Kilometer lange Route rund um Hildesheim gestellt, um die leuchtend inszenierten Einsatzfahrzeuge zu sehen, die durch die Stadt rollen. Wie die Veranstaltung läuft.

Hildesheim - Am Samstagabend begeisterte die Lichterfahrt Hildesheim. Zahlreiche schwere Autos vollgeladen mit Lichterketten fuhren 20 Kilometer durch die Stadt. Organisiert wurde dies fast komplett von Maik Kipry, welcher nach dem letzten Jahr einen neuen Versuch startete, die amerikanische Tradition nach Deutschland zu holen.

Denn eine Lichterfahrt ist keine neue Idee. In vielen Orten in den USA wird dasselbe Spektakel praktiziert, um die Stadt in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Die erste Lichterfahrt soll bereits im Jahr 1920 stattgefunden haben und wegen der enorm positiven Resonanz wurde die Aktion jedes Jahr aufs Neue wiederholt.

Strenge Abstandsregeln

In Deutschland ist dies jedoch nicht üblich und wächst allein auf der Idee von Kipry. Der Alfelder, beruflich Rettungssanitäter, hat die zweite und die erste Hildesheimer Lichterfahrt selbst organisiert. Nachdem die Fahrt vergangenes Jahr wegen zu wenigen Abständen zwischen den Zuschauern von der Polizei abgebrochen wurde, wollte er es dieses Jahr komplett neu durchziehen.



Doch wie schafft man es, allein eine Lichterfahrt in Hildesheim mit rund 70 Ordnern, knapp 100 angekündigten Fahrern zu organisieren? „Man fängt einfach an. Sagt sich, da hätte ich Lust zu und das würde ich gerne machen. Dann schaut man welche Genehmigungen benötigt werden“, erzählt Kipry. Daraufhin hat er alle zuständigen Ämter abgeklappert und alle Auflagen zusammengetragen. Er berichtet, dass alle Angesprochenen ihr Möglichstes getan hätten, damit die Fahrt stattfinden kann.

Das Gelände der Halle 39, auf dem am Samstag die Lichterfahrt vorbereitet wurde, wurde Kipry kostenlos von den Besitzern zur Verfügung gestellt. Das Einlasspersonal, welches die Corona-Regeln kontrollierte, besteht aus Kiprys Familie, guten Freunden und Bekannten.

Viele Autoliebhaber durch Club bekannt

Neben der Anmeldung, einem Ort zum Vorbereiten und dem Personal zum Einchecken fehlen aber immer noch die meisten Menschen: die Ordner und die Fahrer. Auch diese hat Kipry zusammengesucht. Die vielen Autoliebhaber kennt er durch den USA Einsatzfahrzeuge SV., zu dem auch er gehört. Die Mitglieder des Vereins kennen dann wiederum weitere Autoenthusiasten, und so entstand eine große Kette von Bekanntschaften, welche sich bereiterklärten, nach Hildesheim zu kommen.

Wir haben drei Autos mit diversen Lichterketten und Girlanden geschmückt

Johanniter Lukas Hennemann

Einige Fahrer stellten dann auch direkt klar, dass sie wegen der Bekanntschaft zu Kipry gekommen sind. Darunter die Johanniter aus Hildesheim, die aufgrund von Kiprys Job mit ihm bekannt sind. „Wir haben drei Autos mit diversen Lichterketten und Girlanden geschmückt“, berichtete der Johanniter Lukas Hennemann.

Weihnachtsmänner auf der Motorhaube

Auch Iris und Dirk Langos von den „US-Car Driver Hannover“ sind durch die Bekanntschaft mit ihm dazugekommen und brachten einen schweren grauen amerikanischen Wagen mit, auf dessen Motorhaube verschiedene Weihnachtsmänner standen.

Ich habe mich gleich bei Maik gemeldet

Stefan Sandau, Teilnehmer

Neben dem großen Pool an Bekannten waren auf der anderen Seite auch Hildesheimerinnen und Hildesheimer dabei, welche von der Aktion gehört hatten und direkt mitmachen wollten. Darunter Stefan Sandau: „Ich hab mitbekommen, dass die Lichterfahrt wieder stattfindet – und weil ich ein amerikanisches Auto habe, habe ich mich gleich bei Maik gemeldet.“ Auch sein Wagen war passend geschmückt: Ein Dackel, erinnernd an den privaten Hund, eine Sirene und einige Lichterketten.

Letztes Jahr: Lichterfahrt abgebrochen

Ähnlich sah es bei Jan Karalus aus. Er besitzt einen großen Transporter, welchen er sich privat in Erinnerung an seinen Opa gekauft hat. Er war bereits im vergangenen Jahr bei der Lichterfahrt mitgefahren. „Sie ist dann zwar leider abgebrochen worden, aber das kurze Stück hat auch schon viel Spaß gemacht“, weshalb er sich dieses Jahr auch wieder beteiligt hat.

Auch Heinz Deiterding hatte von der Aktion gehört und wollte gleich mitmachen. Zum einen, um die Spendenaktion zu unterstützen, und auch „um was zu erleben“. Bei ihm machte die halbe Familie mit. Sein Enkel fährt mit ihm auf dem Motorrad, während sein Sohn Dennis sich bereiterklärt hat, als Ordner die Aktion zu unterstützen – vor allem: „für den guten Zweck“.

Für Spenden, um Kinder zu erfreuen – außerdem mag ich amerikanische Autos

Lara Philipeit

Für einige Ordner war dies die Hauptmotivation. Darunter Lara Philipeit: „Zum einen, um Spenden zu sammeln, Kinder zu erfreuen und außerdem mag ich amerikanische Autos.“. Der Hildesheimer Frank Niehe sah das genauso: „Für solche Zwecke stelle ich mich gern zur Verfügung“.

Star-Wars-Fans aus Hannover

In zwei offenen Lastwagen waren auch die Star Wars Fans Hannover, welche von Kipry angeschrieben wurden, mitgefahren. Intern hatte man sich sofort dazu entschieden, mitzumachen, berichtete das Mitglied Jan Brungers – es hätten sogar gern noch mehr Star Wars Fans teilgenommen, aber die Kapazität war begrenzt.

Ähnlich hat es auch die Alba Pipe Band aus Hildesheim gemacht und begleitete die Lichterfahrt auf einem Lastwagen.

Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern, die sich vor dem Parkplatz der Halle 39 angesammelt hatten, herrschte ebenfalls eine frohe Stimmung. Die Hildesheimerin Larissa Williams hatte sich vor allem für ihre Kinder dazu entschieden hinzugehen. Um Abwechslung und Weihnachtsfreunde zu verbreiten. So war es auch bei Katrin Schalkow, damit „die Kinder mal was anderes sehen“. Neben den Eltern gab es aber auch einige einfach Interessierte. Eva und Hermann Bosse hatten einfach Lust auf das „Spektakel und die Weihnachtsstimmung“.

Spenden gesammelt

Schlussendlich waren dieses Jahr die Bemühungen von Kipry erfolgreich: die Lichterfahrt wurde nicht abgebrochen und konnte durch die ganze Stadt fahren und um die 15.000 Menschen begeistern. Neben den im Vorhinein erhaltenen Spenden konnten noch weitere Kleinspenden von Fahrern und Ordnern am Samstag eingesammelt werden.

Es war einfach hervorragend

Maik Kipry, Organisator

Gespendet wird für Kinder in Not, für den Verein Regenbogen und für die Kinderabteilungen der Hildesheimer Krankenhäuser. Maik Kipry rekapitulierte nach dem erfolgreichen Tag: „Es war einfach hervorragend!“ Hunderte positive Nachrichten haben sich bereits auf seinem Handy gestaut. Alles habe funktioniert und selbst die Polizei habe ihm ihr Lob ausgesprochen.

von Valentin Brendler

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